Asien map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The asian plan.
  •   2. HK - Frauenfeld
  •   1. Capetown - Kampala
Africa map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The african plan.
  29. March 2015 - Arrived back home and stay a bit.
Laos - Na Meo - Po Y Border
◴ 14. Januar 2014 - 04. Februar 2014 (Veröffentlicht: 19.02.2015)   Roadmap
A colorful gravestone market beside the road.
Laos
Mein Zweirad hat mich in der Zwischenzeit schon etwas weitergebracht. Mit den Buchstaben bin ich ca. 2000 km im Rückstand und weile derzeit in Phnom Penh in Kambodscha. Ich reise nun gedanklich nochmals zurück, um zu erzählen was ich in Laos alles erlebt habe. Wir stehen am Grenzübergang Na Meo im Nord-Osten von Laos.

Bart und ich haben unsere Visas gekriegt und sind bereit für neue Abenteuer in dieser gebirgigen Region nach Na Meo. Wunderbares Wetter und angenehme 25°C ermuntern uns in die Pedalen zu treten. Bart will einen leichteren Gang schalten, doch sein Schaltwerk klemmt dermassen, dass sich sein Schaltgriff nur mit Würgen drehen lässt. Also ein neues Problem das sich zu seiner Sammlung von Antriebsproblemen und kleineren Details ins Gesamtbild seines Fahrrads wunderbar einfügt. Er kocht sichtlich. Er kann es kaum fassen, dass so etwas Zentrales sich wie aus Geisterhand verschlechtert. Wir finden eine Quick-Lösung für den Moment, mit der er für ein paar Kilometer weniger würgen muss. Aber auf Dauer ist an ein Vorwärtskommen in diesem Zustand nicht zu denken. Die letzten Kilometer kurbelte er im 1. Gang zu unserer Raststätte wo wir die Bikes fixen. Bei mir entdeckte er eine gebrochene Speiche. Premiere! Wir waren beide froh gemeinsam hier zu sein. Ich konnte ihm mit meinem Ersatzschaltkabel helfen das Schaltwerk wieder in Ordnung zu bringen und er hatte für mich eine Speiche in der richtigen Länge. Meine waren um 5mm zu kurz. Ein Werkstatttag verging und es konnte weitergehen. Wir ruhten uns noch aus und genossen das Zimmerkino, wo wir unsere Filme auf dem Fernseher direkt ab USB-Stick abspielen konnten. Ich brach am darauffolgenden Tag auf. Bart brauchte noch etwas Ruhe oder einfach Distanz zu seinem Rad. Seine Radprobleme hatten sein Gemüt fest im Griff. Er musste die Geschichte zuerst verdauen bevor für ihn an eine Weiterfahrt zu denken war.

Mir standen vier Tage Gebirgsfahrt bis nach Phonsavan bevor. Rauf und runter fuhr ich den ganzen Tag. Manchmal führte die Strasse wie über einen Pass und stürzte sich danach in ein Tal hinunter zum einen Fluss zu queren oder ich überwindete über längere Distanzen Hügelketten. Die Bewohner dieser Täler leben in ärmlichen Verhältnissen. Neben den Dorfschildern steht meist auch eine NGO-Tafel, wo diesmal auch das Schweizer DEZA Logo darauf klebt. Manches kleine Dorf gleicht einem grossen Bauernhof. Viele ihrer Tiere grasen am Strassenrand oder ich scheuche sie beim Queren auf. Frisch sind die Temperaturen, was aber manches Kind nicht abhält ohne Hose durch die Gegend zu rennen oder mit ihren Freunden mit einfachsten Mitteln sich zu beschäftigen. Unter den auf Pflöcken aufgebockten Wohnhäusern sitzen oft die Damen an Webstühlen und fertigen Tüchern mit detaillierten Mustern an. In modernen Maschinen flitzt der Faden ca. 5000 Mal von Links nach Rechts. Hier erfolgt die Arbeit etwas gelassener und sie haben Zeit mir das ‚Swaaalliii’ zu zurufen. Beim ersten Hören dachte ich: „Oh nein, jetzt kommt hier wieder das ‚Moooneeeyyy’, was sehr ähnlich tönt und mir in Afrika in die Hirnwindungen gebrannt wurde. ‚Moooneeeyyy’ ist jetzt ersetzt mit ‚Swaalliii’. Manch einem älteren Bewohner kann man mit seinem grössten Smile kein Lächeln entlocken. Ihr Glaube Theravada-Buddhismus verbietet ihnen ihre Emotionen nach Aussen zu tragen. Aber darauf muss man als Reisender erst einmal kommen. Das dauerte bei mir einige Zeit bis ich eine Erklärung für: ‚Lach doch auch mal zurück!’ gefunden habe.

Bei dichtem Nebel überwindete ich den letzten kleinen Pass und sauste von da an in eine flache Ebene vor Phonsavan hinab. Erst trug ich Handschuhe, dann erfasst mich eine heisse trockene Luftschicht in der ich mich richtig wohlig fühlte. Endlich wieder warm oder eben einfach wärmer. Im Gebirge zeltete ich viel. Ich konnte das in ganz Laos beibehalten. Man findet überall ein Plätzchen fürs Nächtle. Ich bin da auch nicht mehr so wählerisch. Wenn es eine gute Aussicht dazu gibt applaudiere ich, sonst ist es einfach ein Platz zum Energie tanken und die Aussicht kommt am nächsten Tag vom Lenker aus bestimmt wieder. Bei Sonnenschein fahre ich in Phonsavan ein, einer grösseren Stadt nach dem Grenzgebirge zwischen Vietnam und Laos. Hier ruhe ich mich aus. Ich nehme erstmals die riesigen Bombenhülsen war, die hier manchmal für die Decko einer Gartenbeiz dienen. Manche überragen meine Körpergrösse. Es sind die Hülsen von Blindgängern vom Vietnamkrieg die in bestimmten Regionen immer noch aufgesucht und entfernt werden müssen. Wahnsinn welche Zerstörungsmaschinerie hier vorbeigezogen war. In den Bergen können viele Fluchthöhlen besichtigt werden, in denen die Bevölkerung in den Kriegsjahren ausharrte, bis dieser vorüber war.

Zum Mekong Fluss ist es nun nicht mehr weit. Auf der Karte mache ich ein paar letzte Gebirgsfalten aus, die es zu queren gibt. Mein erster Tag führt mich durch einen archäologischen Fundort ‚Plain of Jars’. Im Kopf habe ich bei Jars irgendwas in der Form einer chinesischen Vase. Beim Anblick von diesen aus Steingehauenen Gefässen ist es für mich dann eher ein: ‚Naja, das sind jetzt also diese Jars.’ Nichtsdestotrotz ich bin ja auf meinem Kurs, der aber bei einer Brücke durch Polizisten unterbrochen wird. Hier darf ich nicht mehr weiter. Was machen die wohl hier in diesen Tälern dass der Tourist nicht sehen soll? Ich kehre und finde meinen Weg zurück durch diese Gegend, die auch gerade so gut eine amerikanische Prärie sein könnte. Am Abend finde ich einen Platz zum Zelten mit wunderbarer Aussicht über die Hügelketten vor dem Mekong. Es ist einer dieser Plätze wo dir bei Ankunft bei guter Aussicht noch die Sonne ins Gesicht brennt, es ruhig ist und man sich angekommen fühlt. Bei Kaffee geniesse ich die Stille und ja, da ist doch ein Zwitschern eines Vogels. Wahnsinn dass ich dieses Geräusch noch höre, den die Bevölkerung isst wirklich alles Kleingetier. Ratten, Mäuse, Wiesel oder Vögel stehen fest auf der Speisekarte. Jagdsaison oder auch Ausrottungssaison ist das ganze Jahr. Man findet den Fang jeweils tot, halb lebendig in Käfigen oder an einem Stock am Strassenrand aufgehängt oder auf dem Markt zum Verkauf. Das Wort Lebensraum und wie man einen solchen erhält und pflegt ist weit von unseren Vorstellungen entfernt. Auch unglaublich was hier alles für ‚Scheiss’ diese Minimärkte verkaufen, der wohl meistens aus China stammt. Viele Produkte sind mindestens ein Jahr haltbar, so entsteht ihnen keinen Verlust im Lager, sie sind aber kaum gesund und geniessbar. Die Nagetiere und Flugtiere bilden hier die Ausnahme.

Die Fahrt bis zum Mekong ist spannend und abwechslungsreich. Ich fahre durch Lianen verhangenen Dschungel und folge Flussläufen. Bei einer Bachquerung überrasche ich drei Damen, die hier diesen Durchgang als ihr Badezimmer beanspruchen. Das Badetuch wird ein bisschen höher gezogen und ich darf passieren ;-) Meine Katzenwasche kann ich bei einem dieser Bambusrohre, die Quellwasser anzapfen und an den Wegrand führen, bekommen. So ist wenigstens der Schlaf aus dem Gesicht gewaschen. Auf breiteren Strassen führen Trucks Tropenholz aus den noch bewaldeten Gebieten und bis in die Dunkelheit höre ich jeweils das Geräusch von Motorsägen im entfernten Unterholz. Manch ein Hügel ist schon kahlgeschoren. Die letzten stehenden Baumweisen sind die letzten Zeitzeugen welches Grün hier einmal gestanden hat. Ob es wie für Pflanzen und Tiere einen Aussterbungsindex für Regionen gibt, weiss ich nicht. Aber meiner Meinung nach gehört der Südostasiatische Raum irgendwo in diesen zwischen Rang 1 und 5 platziert. Dermassen viel wird hier gebaut, getötet, verpestet, verschmutzt und einfach dem Lebensraum nicht Sorge getragen und das in einem Tempo wo Dezimierung dem Wachstum bzw. Regenerierung klar überlegen ist.

Trotz allem bekomme ich an manchen Tagen wieder die Sonnenseite der Natur zu sehen. So beim Flicken des Platten Nr. 6 am Wegrand. Fast schon afrikamässig sehe ich den Feuerball am Horizont verschwinden und warte bis der Leim am Schlauch getrocknet ist. Das Sichten vom Mekong muss ich damit auf Tagesanbruch verschieben. Den es dunkelt auf den letzten Kilometern bis zum Bett nun ein. In Pakkading habe ich die Berge definitiv hinter mir gelassen. Die Strasse führt flach bis nach Kambodscha am Mekong entlang. Ich folge ihr bis Ban Xènouan wo ich Süd-Ostwärts wieder nach Vietnam halte. Ich treffe auf diesem Abschnitt auf viele Radler die nach Vientiane fahren. Wir halten jeweils für einen kurzen Schwatz und ziehen dann weiter. Im Süden Loas umfahre ich das Bolaven Plateau über eine Staubpiste. Es ist um die 40°C heiss und der rote Staub klebt in meinen Nasenlöchern. Nochmals Strapazen pur. Zum Glück finde ich am Abend eine Dusche die mir das rote Gewand abspült. Erstaunlich was ich da alles aufgesammelt habe. Es ist ein weiteres Wunderwerk einer Nasszellenkonstruktion die mich säubert. Ich drehe den Haupthahn auf und die WC-Spülung läuft, der Lavabo Hahn läuft, aus den Rohrverbindungen spritzt Wasser und der Duschkopf spült mich ab. Zum Duschen ok, aber zum Zähneputzen..., naja eben wortwörtlich eine Nasszelle. Hoch leben unsere Handwerker!

Die Gegend im Süden ist wunderschön. Fast kitschig blau ist der Himmel. Ich fühle mich ein bisschen wie in Afrika. Super Wetter, gute und abwechslungsreiche Strasse. Flott komme ich vorwärts. Meist stehe ich früh auf um die heissen Nachmittage im Schatten zu verbringen. Literweise Wasser führe ich mir zu. Vor der Grenze campiere ich nochmals wunderschön in Busch und lass mir das Abendlicht an den Tötz scheinen. Das ist Ankommen wie man es sich wünscht. Ich starte zum Glück wieder früh um Mitte Nachmittag die Grenze zu Vietnam zu passieren. Um 6:30 zu starten hat sich gelohnt. Ich musste zwar nochmals umkehren, weil ich meine Benzin-Koch-Flasche vergessen hatte, bevor ich mich durch das Grenzgebirge kämpfte. Es gibt darum weiterhin mein eigener Morgenkaffi ☺ Kaum ein Windstoss fand sich in diesen Tälern wieder. 13:00 – 43°C. Bach nass rückte ich näher an die Grenze, die hier zur Sicherung die natürlichen Gegebenheiten ausnutzt. Bei diesem dichten Grün dachte ich manchmal an die Soldaten die durch solchen dichten Dschungel vorzurücken versuchten. Wahrscheinlich eine aussichtlose und demoralisierende Angelegenheit, die dann in Vietnam auch zum hilflosen Einsatz von Agent Orange dem Entlaubungsmittel geführt hat.

Für mich galt es nochmals 400hm im Schatten zu bezwingen wo sich hoch oben auf dem Kamm die neue Grenz(festungs)anlage befindet. Mit meinem Multi-Entry-Vietnam Visa darf ich dort problemlos passieren. Mein Abschlussgeschenk war wohl diesmal die über 2000hm die ich an diesem Tag gefahren bin. Todmüde falle ich auf vietnamesischer Seite in ein Bett und der Schlaf überfällt mich quasi.