Asien map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The asian plan.
  •   2. HK - Frauenfeld
  •   1. Capetown - Kampala
Africa map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The african plan.
  29. March 2015 - Arrived back home and stay a bit.
China - Zuhai - Kafengcun
◴ 9. Dezember 2014 - 25. Dezember 2014 (Veröffentlicht: 07.01.2015)   Roadmap
Welcome to the village of???
China
Ich stehe mit meinem Fahrrad in der Warteschlange vor dem Zollhäuschen. Man begafft mich dabei von allen Seiten, weil mein beladenes Fahrrad als Handgepäck etwas grösser ausfällt. Blob, Blob und der Stempel ist gesetzt. Gepäck scannen und ich stehe auf dem grossen Willkommensplatz in Zhuhai. Überrascht sichte ich nach den ersten paar Kilometer einen Radstreifen, auf dem ich problemlos die Stadt und deren Agglomeration verlassen kann. Alles wirkt riesig. Baustellen, bei denen so schnell mal 5 Hochhäuser aus dem Boden gestampft werden oder die 3 spurigen Strassen die sich Kilometerweit durch die Landschaften schlängeln. Noch imposanter empfinde ich die Brücken, die über die vielen Meeresarme im Süden Chinas gebaut wurden. Beim Anblick kommt mir die Öresundbrücke zwischen Schweden und Dänemark in den Sinn von dessen Kaliber hier ein paar überquert werden können. Mein Auge ist erst einmal begeistert von all diesen beeindruckenden Bauten und der Kraftdemonstration des Reiches, die bei diesen Grössendimensionen zu spüren ist.

Neben mir reihen sich haufenweise Scooter und Motorräder auf dem äussersten Fahrstreifen ein. Auch hier glotzen mich viele verwundert an. Manch Mutige winken mir zu, anderen ist sichtlich die Gesichtsmuskulatur eingefroren. Bei vielen ist aber das Gesicht durch den Mundschutz gegen Staub und Abgase verdeckt. Noch ein chinesischer Hut obendrauf und wie in islamischen Kulturen blinzeln dir nur noch die Augen entgegen. Mir kratzt es bald auch im Hals. Die ganze Bebauung der Südküste geht nicht ganz schmerzlos an der Natur vorbei. Von Natur kann hier kaum noch die Rede sein. Lange sehe ich keine Tiere, weder ein Strassenköter noch Huhn, und höre keine Vögel zwitschern. Rücksichtlos wurden ganze Landstriche für Agrikultur und neue Städte planiert. An manchen Tagen empfinde ich die Südküste als grosse Baustelle mit viel Staub und Lärm. Zur Wasserqualität der Flüsse möchte ich mich hier gar nicht erst äussern.

Am Abend nächtige ich meistens in einem der vielen günstigen Hotels in den Städten. Eine Stadt dürfte hier mehr als 100'000 Einwohner beherbergen. Oft ist es von Stadtrand bis Mitte ein Hochhäusermeer und es dauert eine Weile für eine Durchquerung. Hungern muss ich nie. Es gibt eine gute Mixtur aus Angeboten auf der Strasse und Supermärkten. Zu meiner Freude finde ich viele Früchte. Gerade ist Mandarinenzeit. Ein Kilo davon verschwindet meist durch den Tag hindurch in meinem Rachen. Etwas schwieriger gestaltet sich das Bestellen einer Mahlzeit.

Vielleicht sollte ich hier anmerken, dass ich kein Wort und kein Zeichen Chinesisch bzw. Mandarin oder einer der Dialekte verstehen. Ich kann weder ein Wort zu ihnen sprechen, noch verstehe ich ihre Fragen und manchmal sind auch die Handzeichen nicht eindeutig. So stehe ich einer Hotellobby, lege mein Kopf auf die Handfläche um Schlafen anzudeuten. Wenn dir dann ein Mobiltelefon entgegen gehalten wird, ...Naja Okey, dann halt nochmal, wir sind ja in einer Hotellobby und da möchte man halt neben Schlafen auch manchmal Telefonieren...Hier noch ein Tipp für Anfänger wie ich. Beim Handzeichen für Essen muss mit der zweiten Hand eine Schale unter dem Kinn gebildet werden sonst bekommst du meistens eine Zigarette angeboten.

Nachdem mein Vorhaben vom Essen angebracht wurde kommt die Wahl des Menüs. Relativ einfach ist die Wahl mit Bildern, doch die gibt es nicht immer, dann kommt das Zeigen auf ein anderes Menü eines Gastes. Bin ich der Einzige und weder Bilder noch Gast sind vorhanden, marschiere ich meistens in die Küche und schaue in die Pfannen. Reissen alle Stricke muss ich ein anderes Restaurant suchen. Oft laden mich Gäste an ihren Tisch ein und ich darf mit ihnen speisen. Deren Tische sind meist reichlich bedeckt. Die Speisen stehen in der Mitte auf einem Drehteller und werden geteilt. Bist Du Gast, dann bist Du wirklich Gast. Von Links und Rechts wirst Du umsorgt. Das Essen ist meist zweitrangig. In China ist die Trink- und Raucherkultur noch zu 100% erhalten geblieben. Geprostet wird im 5 Minuten Takt. Auf was habe ich nie verstanden, aber es gehört dazu. Viele ziehen sich zwischendurch per Bambusrohrpfeife eine Ladung Tabak rein, dann wird weiter gegessen. Wirklich angenehm empfand ich den Austritt aus so einer Runde, die meistens nur aus Männern besteht. Du bedankst Dich und gehst. Ob die anderen noch Essen oder erst beim Dessert sind stört nicht.

Viele Chinesen haben mich angesprochen, trotz ihrer zurückhaltenden Mentalität. Leider konnte ich kaum antworten und so versiegte das Gespräch bald mit beidseitigen ratlosen Gesichtsausdrücken. Etwas Hilfe bekommt man aus der digitalen Welt. Auf meinem Mobiltelefon konnte ich einfachere Sätze von Englisch ins Mandarin übersetzen, der weitverbreiteten Schriftsprache in China. Manchmal dachte mein Gegenüber auch ich verstehe ihren Dialekt nicht und so wurden mir in Mandarin ihre Absichten aufgeschrieben. Erst als ich dann mit lateinischen Schriftzeichen: I don’t know darunter schrieb, war es ihnen klar dass mein chinesischer Wortschatz sehr sehr beschränkt ist. Noch eine letzte Geschichte zu Sprachbarrieren: Meine Kehle ist durstig und bin mit einer leeren PET-Flasche auf dem Weg in den Markt neben dem Hotel. Die ältere Dame ist vertieft in ihrer TV-Show, aber sie füllt mir bereitwillig nach einigen Gesten und Deutungen die Flasche auf. Etwas merkwürdig schaue ich ihr zu, wie das Wasser mit Trichter aus einer Art Tonkrug geschöpft wird. Beim Preis verdrehe ich endgültig die Augen. Jetzt willst Du mich auch noch um 22:00 Uhr übers Ohr hauen dachte ich. Als ich aber meine Nase an die Flaschenöffnung führte war der Fall klar. Ich bin gerade dabei mir 1.5l Zuckerrohrschnaps einzukaufen ☺

Ein weiteres digitales Helferlein hilft mir beim Auffinden von kleineren Wegen als die doppelspurigen Verbindungstrassen der grösseren Städte. Wahnsinn in welchem Detailgrad die Karten bei Google vorliegen. Ich staune nicht schlecht als ich mitten durch den Busch fahre und dann erlebe wie Karte und Realität tatsächlich übereinstimmen. Um den Ort Kaiping finde ich den Radweg Greenway RD. Der Weg führt an bekannten Turmhäusern vorbei, die sich in früherer Zeit finanzkräftige Rückkehrer aus dem Ausland im ausländischen Baustil errichten liessen. Hier scheint noch die Sonne, dann werden die Tage grauer. Die Insel Haian soll zu dieser Jahreszeit etwas sonne verwöhnter sein. Ich richte mein Kurs auf Süden Richtung Insel. Von den schmalen Pfaden muss ich Abschied nehmen. Ich finde mich wieder auf den grauen Asphaltstrecken. Himmel Grau, Boden Grau. Das trübt mein Befinden. Dazu gesellt sich die Huperei der anderen Verkehrsteilnehmer. Etwas idiotenhaft wird bei jeder Möglichkeit gehupt, mit dem Gedanken das Problem sei dann gelöst und die freie Durchfahrt sei gewährleistet. Ich merke dass viele Chinesen noch nicht so lange hinter einem Lenkrad sitzen, wie das bei anderen Nationen der Fall ist. Manche sind auf Schleichfahrt andere preschen ungeübt voran. Vielleicht ist die ewige Huperei eine Entschuldigung für sich selbst wenn dann mal was passiert. Ich habe ja gehupt, dann habe ich keinen Fehler gemacht. Ich denke: Wartet nur bis jeder ein genug grosses Portemonnaie besitzt um sich eine Karre zu leisten, dann könnt ihr auf den jetzt noch freien Strassen solange hupen wie ihr wollt. Im Stau bewegt sich damit nämlich nichts.

Das Haian Projekt wurde mit der Huperei und Grau Grau Grau von der Strasse gefegt. Ich halte wieder gegen Norden und dann Westwärts Richtung Vietnam. Auf diesem Abschnitt sichte ich viele Steinbrüche und Planiermaschine, die hier die Vorhut von dieser Südküstenbesiedlungsmaschinerie darstellen. Mir kommt es vor als wird hier der Rohstoff für die Bauprojekte nach Guangzhou gewonnen und nebenbei Land freigeschafft für neue Besiedlungsideen. Wie in einem Krieg, einfach umgekehrt: Vorhut versorgt nach Nachhut.

China hält so einiges bereit für einen Reisenden und Langweile kommt so gut wie gar nicht auf. Ich sitze in der Hotellobby und kitzle ein paar Informationen aus dem Internet so gut es geht. Vieles ist hier blockiert. Google, YouTube und dergleichen aus dem Westen funktioniert nicht. Ruft man Seiten öfters auf, geht das beim zweiten Mal zackiger weil die digitale chinesische Mauer so klug ist und sich die Zugriffe merkt. Naja, dass nur nebenbei. Die Schauspieler der nächsten Szene ist das Paar, das vor 20 Minuten ins Hotel eingecheckt hat. Es poltert im Treppenhaus und der Mann von vorhin stürmt durch die Hotellobby auf die Strasse hinaus und davon. Hinterher kreischt die Dame und kommt ebenfalls um die Ecke gebogen, tänzelt gekonnt über die Treppe und durch die Hotellobby auf die Mitte der Strasse und kreischt ihm immer noch hinterher. Der feine Unterschied zwischen den Beiden. Sie ist splitternackt! Ich bekomme ja viel geboten auf der Bühne der Welt, aber manche Aufführungen sind einmalig. An der Rezeption hält sie noch kurz nackig inne und kommt aber dann angezogen in die Lobby zurück. Sie hat gerade gelernt dass ihre Dienste vor Konsum zuerst bezahlt werden sollten und mir wurde dabei wiedermal bewusst wie viel es im Welttheater zu erleben und zu sehen gibt. Ich empfehle also anstatt Fernsehen Ferngehen.

Bis Vietnam wäre es nicht mehr weit doch ich misse die Natur. In Qinzhou biege ich auf eine wunderbare Nebenstrasse ab, die mich entlang von Flüssen und über eine kleine Gebirgskette bringt. Wow, wie ruhig und ein paar Vögel pfeifen wieder bei diesem warmen Wetter. Ein Genuss hier hoch zu kurbeln und von Oben ins Tal zu düsen. Am Abend davor spiele ich noch Fotomodel für eine Kinderschar. Sie dürften um die 10 Jahre alt sein und sich bestens mit der digitalen Technik auskennen. Ich stille dazwischen mein Hunger und flüchte nach dem letzten Knipsgewitter ins Zimmer. Zum Glück bin ich kein Popstar. Nur das Kreischen hat noch gefehlt. In Chongzuo treffe ich dann wieder auf grauen Boden. Dreispurig führt die Hauptstrasse durch diese Planstadt. Wer will den hier den Leben? Die Strassen sind gelegt, jetzt müssen nur noch die entstandenen Quadrate mit Leben gefüllt werden. Strategiespiel mässig wurde hier gebaut und geplant. Hässlich und kalt der Anblick vom Kommunisten Grau.

Schon mein letzter Tag in China steht bevor. Die nächsten 100 Kilometer rolle ich wie so oft über den perfekten Beton Asphalt. Mit diesem werden auch die noch so kleinen Wege zwischen Dörfern gebaut. So findet man quasi super Fahrradwege überall. Ich nächtige noch in China um Morgen den 24. Dezember in Vietnam zu verbringen. Also ein neues Land als Weihnachtsgeschenk. Ich darf mein Geschenk diesmal sogar am Morgen auspacken. Wie schon öfters erwähnt bekomme ich meistens noch ein Geschenk an der Grenze und das passt heute perfekt mit Weihnachten zusammen. Viele Vietnamesen importieren Waren nach China. Die dafür konstruierten Fahrräder mit Seitenanhänger sind voll beladen. Nah dann los und rüber nach Vietnam. Langsam enthüllt sich mein Weihnachtsgeschenk und zum Vorschein kommt: Du darfst hier nicht nach Vietnam einreisen, heisst es. Nur Chinesen und Vietnamesen dürfen passieren. Ja Bravo, genau das habe ich auf den Wunschzettel geschrieben. Entrüstet mache ich kehrt und finde dann eine schöne Strecke entlang der Grenze in den Süden zum nächsten Grenzübertritt. Meine Waden werden nach allen flachen Ebenen seit Hongkong nochmals gefordert. Nahe der Grenze finde ich ein Hotel. Essen und Prostituierte werden mir angeboten. Ich koste Erstes und lege mich etwas müde hin. Was ich noch nicht weiss, ist dass ich in der Vietnamesisch-Chinesischen Trading Zone gelandet bin. Am Morgen folge ich den vielen Trucks um den Grenzübergang anzusteuern. Quasi blind wie in Afrika folge ich einfach der anstehenden Lastwagen bis zum Zollhaus. Doch Weihnachten ist noch nicht vorbei und auch im zweiten Paket kommt zum Vorschein: Hier kannst Du nicht rüber. Gibt’s doch nicht! Kurzum, ich verfahre mich noch einmal und beim 4. Anlauf stehe endlich auf vietnamesischem Boden. Ich habe quasi alle Zollübergänge in der Trading Zone abgeklappert. Einer der Beamten hatte dann erbarmen. Er zückte sein Handy mit GPS und zeigte mir den Ausgang aus meiner Misere. Tipp: Lade die Karten für die Grenze im höchsten Detailgrad auf das Telefon und suche die Grenzübergange für Internationls im Voraus. Dass soll mir eine Lehre sein. Nach dem Übertritt erinnert eine letzte mehrspurige staubige Asphaltstrasse an China. Danach bekomme ich bald die Offenheit und Freundlichkeit der Vietnamesen zu spüren.