Asien map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The asian plan.
  •   2. HK - Frauenfeld
  •   1. Capetown - Kampala
Africa map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The african plan.
  29. March 2015 - Arrived back home and stay a bit.
Hong Kong
◴ 18. November 2014 - 6. Dezember 2014 (Veröffentlicht: 28.12.2014)
Wong Tai Sin Temple in Kowloon.
Hongkong
Um Mitternacht dreht mein flieg barer Untersatz nach rechts ein. Hätte das was ich jetzt zu Gesicht bekomme E. Alpha Edison gesehen, würde er das wohl kaum glauben. Ich blicke auf die Stadt Doha in Katar, die hell erleuchtet unter mir liegt. Wow, was für ein Anblick. Überall blinkt und leuchtet es. Zwischen all den Lichtern versuche ich die Landebahnleuchten ausfindig zu machen, habe aber keine Chance bei diesem Lichtermeer. Hoffe der Pilot weiss er den Vogel hinsetzen muss. Auf dem Flughafen ist reger Betrieb. Hier gelten keine Ruhezeiten. Ich treffe auf einen Kulturmix aus Arabern, Inder, Asiaten, Afrikaner und Europäer, die hier auf ihre Anschlussflüge nach West- oder Ost-Richtung warten. Ein Dösen später stehe ich auf asiatischem Boden in Hong Kong - eine bedeutende Finanz- und Wirtschaftsweltstadt. Ein erstes Gespräch führe ich mit dem Buschauffeur. Ob er nicht die hintere Türe für meinen Bikekarton einzuladen öffnen könnte. Nooo! Okey bitte sehr, dann halt mal schön deinen Bus still und ich zwänge mich an dir vorbei und nach hinten zur Gepäckablage. Ich nehme platz auf dem Oberdeck. Es sind doppelstöckige Busse wie in London und bekomme von diesem Platz aus einen ersten Eindruck von der 8 Millionen Metropole. Über riesige Brücken und mehrspurige Highways lass ich mich nach Hong Kong Island chauffieren - Wahnsinn was sich alles aus Beton formen lässt! Dort habe ich einen Campingplatz auf einem Rooftop für die nächsten paar Tage gebucht. Meine Gastgeber heissen mich herzlich willkommen. Clemence holt mich von der Haltestation ab und hilft mir meine Fracht in den obersten Stock, eben Rooftop, zu schleppen. Ein Krampf ist das bei dem engen Treppenhaus. Seine Dame Sophie stösst nach ihrem Arbeitsende dazu und bereitet das anstehende Geburtstagsfestessen vor. Dabei lerne ich viele von ihren Hong Kong Friends kennen und fühle mich hier sehr gut aufgehoben. Wirklich ein super Empfang nach diesem Kontinenten Wechsel.

In den ersten Tagen bin ich tagsüber viel auf den Strassen unterwegs. Laufe durch viele Gassen und manchmal auf über die vielen Highways. Anfangs endet mein Auskundschaften oft an einem unüberwindbaren Geländer oder ich finde den Ausgang aus einer diesen vielen Shoppingmalls nicht mehr. Das freie Umherirren wie in Afrika und eine Strasse zu kreuzen wann man will geht hier nicht mehr. Hong Kong ist durchzogen von Fussgängerpassagen denen man folgen sollte, sonst endet dein Weg irgendwann abrupt. Die vielen Hochhäuser sind ebenfalls durch diese Fussgänger Highways verbunden. Ich nenne, dass den 1. Stock von Hong Kong. Kilometer lang kann hier von Shoppingmall zur Nächsten gepilgert werden. Die Menschenmassen die mir hier begegnen erschlagen mich in den ersten Tagen. Völlig K.O. komme ich jeweils von meinen Ausflügen nach Hause zurück und bin froh vier Wände um mich zu haben. Vier Wände zu haben in Hong Kong ist nicht gerade billig. Immobilienpreise bzw. Quadratmeterpreise zwingen manche Bewohner in groteske Wohnsituationen, wie zum Beispiel die zwei Kubikmeter grossen Schlafboxen welche für 150$ pro Monat zu mieten sind.

Clemence und Sophie versorgen mich mit unglaublich vielen Tipps was es Lohnenswertes zu sehen gibt. Das hält mich auf trab. Überrascht bin ich über die vielen Möglichkeiten ins Grüne zu entfliehen. Mit Fähren lässt es sich gemütlich auf eine der vielen Inseln rund um das Stadtzentrum schippern, wo man sogar an einem Strand baden kann. Solch einen Ausflug unternehmen wir zu fünft. Ihre Freunde Corinna und Frank aus Berlin sind kurz nach mir eingetroffen und verweilen hier die nächsten Tage. Vieles darf ich mit ihnen erleben. So auch den Besuch des Pferderennens im Happy Valley. Ein Event der wöchentlich stattfindet und wo sich vor allem viele Expats treffen. Bei Bier, Klatsch und Tratsch hoffen alle, dass sie auf das richtige Pferd gesetzt haben. Auch diese Rennarena ist nach den Grössendimensionen von Hong Kong gebaut. Geschätzte 500m lang steht eine Tribüne mit aufgebauten mehrstöckigen VIP Räumen für die Elite Hong Kongs an einer Seite der Rennbahn. Pferderennsport hat hier viel Anhänger. Überall in der Stadt verteilt, kann zu jederzeit in den Wettbüros seinen nächsten Tipp abgegeben werden und damit auf einen Aufstieg in die nächste Gesellschaftsklasse gehofft werden. Aber viele von ihnen schaffen es wohl nie ein Haus an den Hang vom Victoria Peak zu bauen. In dieser Wohngegend sind die Ferraris und Maybachs der Oberschicht parkiert. Zu jeder Tageszeit werden dann diese Luxustoys auf den Strassen lautstark vorgeführt. Aber jetzt mal ehrlich, wenn du wirklich reich bist, willst du nicht mit deinem Ferrari in Hong Kong im Stadtverkehr herumgurken sondern mietest mit deinen Freunden eine Rennstrecke übers Wochenende ;-) Was sich ebenfalls nur die gehobene Klasse leistet, sind die Baby-, Kinder- und Hundesitter aus den Philippinen. Manchmal auch zwei, wenn man zwei Kinder hat. Die Damen werden dann komplett in die Familie integriert und gehen zum Beispiel mit dem Hund im Kinderwagen spazieren oder tragen den Sprösslingen den Schulrucksack nach hause. Was eben gerade so anfällt wird erledigt.

Vom Victoria Peak sieht man wunderbar über die Stadt und auf die andere Seite nach Kowloon. Denn mitten durch Hong Kong führt eine Meerstrasse die Hong Kong quasi trennt. Viele Schiffe aller Art sind dort unterwegs. Übersetzen lässt sich mit der berühmten Starferry oder im Untergrund mit der Metro MTR. Von der Fähranlegestelle führt eine kilometerlange Promenade am Meer entlang mit Blick auf die Skyline auf Hong Kong Island. Beim Anblick dieser nach dem Ein Dunkeln denke ich: Ja, wohl jeder Architekt betreibt nebenbei noch einen Lampenshop. Manche Fassaden gleichen einem Monitor auf denen bei der all abendlichen Lichtershow skurrile Animationen präsentiert werden. Etwas lichtarmer aber einladend sind die vielen Tempelanlagen in der Stadt ausgeleuchtet. Hier werden Götter verehrt und mit Räucherstäbchen Gebete zu ihnen gesprochen. Die buddhistischen und konfuzianischen Glaubensrichtungen haben in Hong Kong die meisten Anhänger.

Hong Kong ist in vielerlei Hinsicht eine Sonderverwaltungszone (SEZ). Ein Teil Chinas, der mit mehr Freiheit ausgestattet ist, finanzkräftiger und auch toleranter Gegenüber seinen Bürgern. Trotzdem herrscht derzeit eine etwas getrübte Stimmung auf den Strassen. Studenten demonstrieren auf den Strassen gegen die eingeschränkten Wahlrechte für den nächsten Verwaltungschef. Sie dürfen zwar frei wählen, aber eben nur aus einem chinesischen Komitee. Das wollen einige Hong Kong – People eben nicht und so zelten seit ca. 2 Monaten Studenten auf wichtigen Verkehrsachsen im Stadtzentrum. Mich wundert warum nur Studenten beteiligt sind? Keine andere Bevölkerungsschicht beteiligt sich. So werden während meinem Besuch langsam die Strassen geräumt und die Schirme der Umbrella-Revolution zugeklappt. Vor ein paar Studenten wird sich Peking kaum beugen.

Neu für mich ist auch die Zusammenstellung auf dem Teller. Unerwartet wird hier viel Fleisch gegessen. Vegetarismus ist noch ein Fremdwort. Das „Alles wird gegessen“ bezieht sich eher auf die Teile die von einem Tier verzehrt werden. Vom Fischkopf bis Kuh Darm wird alles verwertet. Bei der Zubereitung wird viel gehackt, wer also ein Filet sucht, muss suchen, findet aber bei den vielen Restaurants bestimmt etwas Leckeres für seinen Gaumen. Frisch wird hier gross geschrieben. Mir kommt es manchmal wie in einer Zoohandlung vor, nur das du dein Haustier im Magen nach hause mitnimmst. Kröten, Hummer, Langusten, Schildkröten, Riesenschnecken, Schlangen, Aale und Vieles mehr bewohnt meist halb tot Aquarien oder Käfige, die oft eine Restaurantfrontfassade bilden. Tiere gehören hier definitiv einer untergeordneten Spezies an und sind einfach Nahrung. Jede Mahlzeit beinhaltet meistens auch viel Flüssigkeit. Eine Suppe kommt immer dazu oder alles wird in einer Suppe serviert. Am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig – Nudeln im Nudelkochwasser essen...Aja und Messer und Gabel fehlen natürlich ;-)

Nach zwei Wochen kommt dann etwas Ruhe in meine Hong Kong Tage. Ich war viel unterwegs. Tagsüber und auch das Nachtleben kam nicht zu kurz. Regen hat sich für die nächsten Tage angekündigt. Ich darf noch ein paar Tage campieren und die Gesellschaft mit Sophie und Clemence geniessen. Diese zwei haben mir nach Afrika einen super Empfang bereitet und mir meine Ankunft sehr erleichtert. Die restlichen Tage vergehen im Nu. Noch ein Museumsbesuch, Lesen und meinen Göppel zusammenschrauben. Dann heisst es Abschied nehmen von dieser westlich geprägten Oase und ich versuche mein Glück beim Roulette in der nächsten Sonderverwaltungszone Macau ;-)