Asien map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The asian plan.
  •   2. HK - Frauenfeld
  •   1. Capetown - Kampala
Africa map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The african plan.
  29. March 2015 - Arrived back home and stay a bit.
Luci en Tanzanie
◴ 6. Oktober 2014 - 25. Oktober 2014 (Veröffentlicht: 15.11.2014)
Serengeti
Tanzania
Nach langen 8 Monaten sehen wir uns wieder am Flughafen von Arusha. Luci kommt mich für 3 Wochen in Tanzania besuchen um die bekannten Schönheiten dieses Landes kennenzulernen. Mein Bike steht in Nairobi und bleibt hoffentlich auch dort in dieser Zeit. Ich denke die drei Eingangstore des Hotels halten dicht.

Nach einem Angewöhnungstag führt die erste Etappe in die Nationalparks. Neu für mich ist dabei die Serengeti im Westen des Landes. Über eine lange Schotterpiste erreichen wir das Park Gate. Unterwegs passieren wir die Ngorogoro Conservation Area, wo Masaistämme und Tiere zusammen zuhause sind. Ihre Hütten sind mit grossen Dornenbüschen als Schutz gegen Wildtiere umstellt. Auch das Vieh findet sich dort in der Nacht ein. Kurzum leben in einer Conservation Area Tier und Mensch zusammen, in einem Nationalpark sind nur die Wildtiere heimisch. Tatsächlich fallen uns beiden für kurze Zeit unsere Augen zu und das auf einer Safari. Vielleicht liegt es am Fahrer. Sein allzu gemütlicher Fahrstil wiegt uns in den Schlaf. Doch zu wichtigen Zeiten haben wir die Augen offen und halten Ausschau nach Tieren in den unglaublichen Weiten der Serengeti. Das Höhenlicht ist dann nicht weit vom Weg entfernt. Eine Löwenfamilie liegt hier im Gras herum. Unzählige junge Löwen, Mutter und Mr. Lion King persönlich verbringen hier ihre Zeit beim Ruhen oder Spielen. Später richten wir unser Nachtlager auf einem Campingplatz ein. Unter einem Wellblechdach steht nach dem Zeltaufbauen einen Tisch für unser vierer Safarigespann bereit. Zwei Finninnen sind mit von Partie. Das Nachtessen wird serviert auf das wir uns gierig stürzen. Luci weilt gerade in der WC Anlage als der Elefantenbulle sich aus der Dunkelheit über den Zeltplatz schleicht. An solch einen Besuch hätte sie nie gedacht. Luci ist sichtlich froh wieder zur Gruppe zu stossen nachdem sie in der Toilette ausgeharrt hatte bis der Dickhäuter sich einige Meter weiter bewegt hatte. Ich denke es bleibt eine ihrer besten Erinnerung an Afrika.

Am Morgen verlassen wir gestärkt den Campingplatz für einen Gamedrive in umliegende Gebiete. Im Opa-Oma-Tempo tuckern wir durch den Park. Ich kann mich noch einigermassen begeistern, kämpfe aber auch gegen die Langeweile an. Luci fallen wieder die Augen zu. Ich habe solche Ausfahrten eher als Spritzfahrten in Erinnerung. Schade dass dieses Angebot diesmal eher zur Tortur als zur Spasstour wird. Am dritten Tag im Ngorogoro Crator bin ich dann sichtlich hinüber. Das „Nur“ Sitzen im Jeep und am Esstisch macht mich kribbelig. Die Finninnen sind kaum noch gesprächig. Luci und ich versuchen uns noch für die Kraterfahrt zu motivieren. Einigermassen gelingt dass, obwohl ich von diesen Touren endgültig genug habe. Also mein Tipp: 2 Tage sind genug! Luci hat es mehrheitlich gefallen, sie besteht aber auch auf etwas mehr Selbstbeteiligung beim Programm.

Das schaffen wir in den Usambara Mountains, die wir per Bus erreichen. Ohne Guide! wandern wir durch Wälder und sichten viele bewirtschaftete Gemüsefelder. Etwas enttäuschend sichten wir unerwartet am Aussichtspunkt eine graue Nebelwand. Der Blick ins Tal bleibt uns somit verwehrt. Schade, doch das Picknick schmeckt trotzdem lecker. Auf den letzten paar Metern leeren sich auch noch die grauen Wolken über uns. Nur kurz aber heftig. Doch mit dem Ausblick auf eine warme Dusche ist dies ein kleineres Übel.

Das Rucksackreisen geht ständig einher mit Unterkunft, Transport und Essen organisieren. Ein Anruf hier, Tickets kaufen und dreimal am Tag auf Nahrungssuche gehen und nebenbei einen Ort besichtigen ist manchmal zu viel für mich. Mit dem Fahrrad bin ich quasi als Selbstversorger unterwegs. Zumindest was Transport und Unterkunft angeht. Auch das Kochen steht oft unter meinem Kommando. Ich brauche daher etwas Angewöhnungszeit um mich in diese Abhängigkeiten zu geben. Wie hier der Text, geht auch das Reisen per Bus schneller voran. So sitzen wir bereits wiedermal in einem Bus. Doch wir sind die einzigen. Das ist gefährlich in Afrika den hier fahren Buse meist wenn sie voll sind. Der erste Ticketverkäufer hat uns hier hinein gesetzt. Irgendwo kratzt es mich im Hirn und so sehe ich beim vorderen Bus nach wohin dieser fährt. Aha auch nach Tanga wo wir hin wollen. Also steigen wir noch vor Ort um. Ich erkläre meinem Mr. Ticketverkäufer er soll gefälligst seine eingestrichenen Moneten dem vorderen Busfahrer geben, sodass wir auch mit dem bald fahrenden Bus wegkommen. Das ist so ein typisches Beispiel aus Tanzania. Sobald Geld im Spiel ist muss man hier auf der Hut sein. Das macht das individual Reisen manchmal zur Qual und ist auf Dauer ermüdend. Es rollt. Innerlich applaudiere ich dann immer ein wenig den selbstverständlich ist das nicht. Es regnet. Die vielen Passagiere erzeugen eine beachtliche Wärme, doch ich kriege ein wenig Kühlwasser angespritzt. Ich sitze über dem Radschacht und dieser hat ein Loch. Na Bravo. In einem unmöglichen Kniewinkel kann ich aber meine Sandale darüber setzten und mir eine allzu grosse Waden-Schlammpartie ersparen. Luci geniesst eine schwankende Hüfte gegen ihren Körper und die Wärme wird auch ihr unangenehm. Das Aussteigen ist danach immer eine Befreiung für Körper und Geist.

Pemba Island ist unser nächstes Ziel. Manchmal fährt eine Fähre von Tanga aus, wo wir jetzt gelandet sind. Im Moment fährt sie nicht. Kaum zu glauben aber die zweitgrösste Insel von Tanzania ist nicht per Boat erreichbar. Ja, das Kapitel Fähren hinkt der globalen Organisation von Flügen weit hinterher. So weichen wir auf den Luftweg aus. Eine Flotte von ein paar Kleinflugzeugen fliegt in ganz Tanzania herum und verbindet Hauptorte. Der Co-Pilot hat frei, so kann ich seinen Platz übernehmen. Die Pilotendame drückt den Gashebel nach vorn und nach ein paar 100 Metern Anlauf fliegen wir aufs offene Meer hinaus. Was für einen Ausblick in eine blaue Weite und ich freue mich dass es Kulturen gibt die solch ein Erlebnis möglich gemacht haben. Bald taucht Pembas Küstenlinie auf. Wir drehen ein zum Landeanflug und um uns beide als Feriengäste hier abzuladen. Der Ankunftsraum ist mit Inselbewohnern vollgestopft zu ehren von einer ankommenden Schulgruppe. Doch auch wir werden dort wie Popstars empfangen. Hier ein Händedruck, da ein Hello und sie bilden einen Korridor um uns durchzulassen. Spätestens hier habe ich die Busfahrt vergessen und bin glücklich am neuen Ort angekommen zu sein.

Wete wird das Zuhause für die nächsten paar Tage. Wir unternehmen einen Radausflug in den Norden der Insel und schnorcheln an der Küste der abgelegenen Insel Misali. Es ist sehr erholsam ohne grosse Pläne und Reisen ein paar Tage zu entspannen. Am Abend essen alle Gäste gemeinsam am grossen Tisch. Zwei Paare aus Holland wollen hier demnächst ein Hotel eröffnen. Wir lauschen gespannt ihren Plänen zu und quälen sie mit dutzenden Fragen zu ihrem Vorhaben. Hier erhalte ich auch erste Inputs für meinen Ausweichplan, falls das äthiopische Visum nicht zu bekommen ist. Vielleicht San Diego – Panama City? Pemba ist eher eine ruhige Insel. Grosse Hotelanlagen gibt es nicht. Ab und zu ein Resort oder eine nettes Guesthouse wie dieses sind hier die Unterkunftsmöglichkeiten.

Nach einem Tue-Nichts-Tag holt uns ein Matatu (Bus) um 4:30 Uhr in der Früh ab, um zum Fährhafen zu gelangen. Der Guesthouse-Manager steht extra auf und prüft ob wir auch wirklich abgeholt werden. Danke. Beim Bootszustieg will man uns verkaufen dass wir gefälligst den Muzungu-Preis, also irgendein horrender Dollar-Preis zu bezahlen hätten. Dies hier sei der Lokalpreis. JaJa, eröffne doch ein Fährdienst nach Tanga, dann verdienst Du auch mehr Kohle als beim Ticket knipsen und musst uns nicht übers Ohr hauen. Wir protestieren. Den das Ticketoffice stellt diese Tickets aus und wir machen ihm klar dass sie dies untereinander abmachen müssen. Er bleibt stur bis zwei weitere Muzungus mit demselben Ticketpreis angestapft kommen. Das hilft und wir werden in den Fährbauch eingelassen. Der Motor röchelt und die 6h Fahrt nach Stonetown beginnt. Auf dem ganzen Schiff wird es ungemütlich heiss. Auf dem Deck brennt die Sonne und die kaum belüfteten Räume lassen den Schweiss nur so heruntertropfen. Mit einem Welcome-Insel-Drink senken wir später unsere Temperaturen und geniessen die gute Küche auf Zanzibar.

Bei einem ausgedehnten Rundgang durch die Stadt bekomme ich ein neues Bild von Stonetown. Es gibt unglaublich viele Gassen zu erkunden und der lokale Markt quellt fast über von den angebotenen Waren. Wie die Händler hier mit dem Lärmpegel und der drückenden Hitze klarkommen, ist mir ein Rätsel. Es bleiben noch ein paar Tage die wir am Strand verbringen möchten. Per Matatu (Toyotabus mit Sitzbänken auf der Ladefläche) lassen wir uns nach Jambiani im Südosten kutschieren. Ein Buseinweiser streicht sich für die Tickets ein paar Schillings mehr ein als erlaubt, doch es bleibt bei diesem Erlebnis für diese Fahrt. Ich freu mich auf den Moment wo ich wieder in ein Transportmittel einsteigen kann, ohne mir schon auf dem Weg zu dem mir über den Preis und die nächste hinterlistige Strategie Gedanken machen muss.

Warm ist das Meer, aber kühl der Empfang. Wiedermal so eine Geldsache. Dollarpreise, aber dann werden nur Dollars in den Jahrgängen ab 2000 angenommen. Ja ihr habt richtig gehört. Die Dollars haben hier quasi eine Abschreibung. Unter dem Jahr 2000 ist der Tauschkurs ein anderer. Nicht nur dass, auch jede Scheingrösse hat ihren eigenen Kurs. 1$ = ..., 5$ & 10$ = ..., 100$ = ... Man kann hier Geldverdienen wenn man die Scheine zusammenklebt ;-) 100x 1$ zum Beispiel. Aber dann wird’s gemütlich. Wir geniessen wunderbare Badetage und freunden uns mit einem Paar aus Polen an, die uns an ihrer privaten Minibar teilhaben lassen. Zur Abwechslung bringt uns heute ein Dau an die Riffkante zum Schnorcheln. Wie gewohnt ist eher das Segeln mit diesen Traditionsbooten das Erlebnis. Erstmals sehe ich die Machart der Segel. Es sind mehrere aufgeschnittene Reis- oder Mehlsäcke die zu einem Dreieckstuch zusammengenäht sind. Welcher Einfallsreichtum dieser Fischer. Bei der Rückfahrt halte ich das Steuer in der Hand. Klar kommen alle heil am Ufer an ;-). Am letzten Abend führen uns die Polen in ein Restaurant etwas abseits vom Beach. Das Bier bringen wir selber mit. Wir wählen Menüs aus der Speisekarte und öffnen die ersten Dosen. Dann eine zweite und die Magen beginnen zu knurren. Zwei von uns holen Nachschub in der Bar. Auf dem Weg schliessen wir Wetten ab, ob die Bestellung schon auf dem Tisch angekommen ist, ehe wir zurück sind. Leider nein. Dann scheppert Geschirr und Besteck hinter der Mauer und siehe da nach 2h kriegen wir genau das was wir bestellt haben. Das ganze Dorf war wohl mit der Zubereitung beschäftigt. Pünktlicher erscheint nächsten Tags das Taxi zurück nach Stonetown, wo wir in die Fähre nach Dar Es Salam einsteigen. Am Südstrand von Dar geniessen wir unsere letzten gemeinsamen Tage. Zu unserem Pech geniessen diesmal auch die Qualen das Bodysurfen. Trotzdem vergeht die Zeit im Nu beim Ozean gucken, Lesen, Quatschen und ab und zu einen Mochito kippen. Denn aller Letzten gibt’s in der Waterfront Bar im Norden von Dar. Dann lassen wir uns an den Flughafen chauffieren und fliegen nach so kurzer Zeit in unsere unterschiedlichen Zuhause zurück. Sie nach Paris, ich nach Nairobi.



Zanzibar - Namanga
◴ 6. September 2014 - 19. September 2014 (Veröffentlicht: 28.10.2014)   Roadmap
Ein bisschen grün, ein bisschen Berge.
Tanzania
Der Südostwind bringt strömende Regenwolken über Dar Es Salam. Nach dem ersten Wolkenbruch steigen wir in die Sattel um noch heute Bagamoyo zu erreichen. Wer jetzt ohne Schutzblech fährt ist selber schuld. Eine graue Sauce liegt auf dem Asphalt die unsere Beine garnieren. Wir finden durch das Gewühl aus Motorräder, Tuck-Tucks, Taxis, Kuhkarren und Lastwagen nach einer 1h aus der Stadt hinaus. Es gilt erste Anhöhen aufzusteigen. War das doch schön in Zanzibar. Im Meer plantschen ist weitaus erfrischender. Als Belohnung finden wir direkt am Meer ein nettes Resort zum nächtigen. Wir prosten auf diese gelungene Ankunft und sind bereit für die Dirt Road durch den Saadani NP.

Als Frühstückszugabe gesellte sich eine weitere Regenwolke zu uns. Geschützt durch eines dieser Palmen bedeckten Holzgerüste kochen wir Kaffee. Erst mal abwarten. Solange der Wind weht kann der Regen innert Kürze vorbei sein. Einen ersten Vorgeschmack auf die Piste bekommen wir nach der Ausfahrt aus Bagamoyo. Die unfertige Hauptstrasse muss über eine Piste umfahren werden. Was der Regen hier angestellt hat, lässt uns vorahnen was noch kommt. Matsch Matsch und nochmals Matsch. Zum Glück drehen die Räder noch. Marion sitzt das erste Mal in einer hiesigen Strassenküche und bekommt den Sinn eines Tassenuntertellers erklärt. Tee wird bis an die Tassenoberkante oder darüber hinaus aufgefüllt. Dann zwei Esslöffel Zucker hineinkippen, kräftig umrühren und fertig ist der Chai. Der Zweck eines Untertellers dürfte nun klar sein. Ihr gegenüber sitzt ein schmatzender Masai und in der Zuckerdose wuseln die Bienen. Wir verständigen uns mit Nicken, Lachen und irgendwelchen Handgesten oder direkter Menüwahl in den Kochtöpfen. Wir bekommen unsere Stärkung und biegen auf die Piste zum Saadani NP ab. Der sonst ausgetrocknete Strassenbelag aus roter Erde ist weich wie Butter. Fahrzeuge haben zwei Fahrrillen hineingepresst den wir von nun an mit den Motorrädern teilen. Bald drosselt sich unsere Fahrgeschwindigkeit auf Schritttempo. Es ist schwierig die Balance zu halten. Muss man Anhalten brauchen wir ein paar Versuche bis wir wieder in der Fahrrille auf Kurs sind. An manchen Orten sind wir mit Schieben besser dran. Und klar bekommen wir hier den Nachteil von den Schutzblechen zu spüren. Zwischen Rad und Blech schiebt sich langsam und unbemerkt eine Lehmschicht, die die Räder blockieren. Dann heisst es für ein paar Minuten mit Holzstock diese klebrige Masse abzuschaben und bis zum Nächsten Mal weiter pedalen. Am Nachmittag hat die Sonne den Belag soweit ausgetrocknet das ich hier wieder von Fahren schreiben kann.

Kurz nach der Parkgrenze sichten wir erste lange Hälse in den Bäumen. Eine Giraffenherde geniesst ihr Abendbrot. Marion ist begeistert. Wir wechseln auf Schleichfahrt um möglichst gute Sicht auf die Tiere zu bekommen. Doch da schrecken die Tiere auf. Aus der Gegenrichtung kommt ein Jeep entgegen und im Nu ist keiner mehr der Giraffen in unmittelbarer Nähe. Wir sind etwas verärgert über die Störung. Klar, sie düsen schon den ganzen Tag durch den Park und die letzten Giraffen sind einfach nicht mehr so interessant wie die ersten. Als Unterschlupf für die Nacht bekommen wir vom lokalen Saadani Kulturclub ein Bandas als Schutz für unser Zelt. Sehr nett bringt uns ihr Vorsteher sogar ein Nachtessen vor die Hütte. Stolz erklärt er uns die Geschichte vom Beschneidungsstuhl den er uns an den Tisch bringt. Unzählige Jungs hätten hier in Ritualen ihre Vorhaut verloren. Immer noch sei es Tradition bei den Jungs. An manchen Orten auch bei den Mädchen. Zum Glück zeigt die Arbeit von Hilfsorganisationen an manchen Orten Wirkung, sodass dort die Beschneidung von Mädchen der Vergangenheit angehören. Trotz aller Vorhaut- und Schauergeschichten über unsere Hütte, schlafe ich ruhig.

Feuer frei und der Morgenkaffee köchelt auf dem Benzinkocher vor sich hin. Neben uns weidet ein Warzenschwein und die Kinder bekommen im Drill Ton die englischen Zahlen eingebrockt. Wer hier der Chef im Klassenraum ist dürfte klar sein. Nach einer halben Stunde ist diese Vorführlektion über Disziplin und Können vorbei und die Kinder dürfen wieder normal herumtollen.

Wir entscheiden uns für eine extra Runde im Nationalpark. Im Saadani NP darf man mit dem Fahrrad frei herumfahren. Es soll ein paar Löwen geben, doch die seien selten. Okey, dann mal los. Als erste Aktion erschreckt Marion einen Elefanten, der sich neben der Strasse sein Frühstück im Busch besorgt. Beide gleichermassen erschrocken nehmen wir für die Flucht entgegen gesetzte Richtungen. Huhh, jetzt sind wir wach. Aus der Ferne sichten wir Giraffen und ein paar Affenbanden tollen über den Weg. Es wird heiss. Lästige Tse-Tse Fliegen verpassen uns ein paar beissende Stiche, die nicht ganz unbeachtet gelassen werden sollten. Schlafkrankheit heisst der Bösewicht, der über ihren Stich verbreitet wird. Nach einer weiteren Partie Schlamm sind wir richtig froh wieder auf der Hauptpiste zu sein. Unser Ziel ist Pangani. Wir folgen der Piste durch Busch und später dichtes Grün. Nach 8h erreichen wir den Beach von Pangani und löschen zu aller erst unseren Durst mit einem Tusker. Wow, was für ein Tag. Über das Nachtessen stürzten wir uns wie die Hyänen. Hier geniessen wir für einen Tag den indischen Ozean und die deutsche Küche. In 4 Jahren sucht das deutsche Paar Nachfolger für ihre Lodge. Sie meinen: Meldet euch doch dann wenn ihr Lust habt.

Die röchelnde Fähre bringt uns nächsten Tags über den Pangani River. Eine letzte Fahrt über steinig staubige Piste soll uns zurück auf eine Hauptstrasse bringen. Unsere Hintern und Handgelenke haben sich an die Rüttelpartien gewöhnt. Wir finden schon fast gefallen an diesen holprigen Feldwegen ohne viel Verkehr. Gegen Mittag spuckt uns die Piste aus. Vor uns sehen wir die ersten Hügelzüge der Usambara Mountains, denen wir bis nach Moshi folgen werden.

Am Abend sehen wir wieder einmal mit wie viel Liebe ein Hotelzimmer mancher Orts eigerichtet ist. Ein Wasserhahn funktioniert. Duschbrause defekt. Duschabfluss verstopft. WC Spülung defekt und Käfer im Bett. Kostenpunkt 18$. Das hier das Bettgestell hält, ist ein Wunder. In solchen Momenten wäre ich lieber im Freien. Nach der Morgentoilette ;-) hält uns Nichts mehr hier. Die Strecke ist mehr oder weniger flach. Die Strasse folgt mehrheitlich der Eisenbahnlinie, die ausser Betrieb gestellt ist. Dafür leisteten hier die Chinesen saubere Arbeit. Feinster Asphalt liegt unter den Rädern. Die Landschaft ist weitläufig. Sisalplantagen säumen die Hänge der Bergkette zu unserer Rechten. Links erstreckt sich der Horizont ins unermessliche.

Lushoto liegt in den Usambara Mountains auf 1600m. Es soll dort frischen Käse und grüne lauschige Wälder geben. Nebenbei reizte uns die 36km lange Abfahrt ins Tal. Wer von uns beiden die Idee hatte sich per Laster hochzufahren bleibt bis heute unklar. Doch die Abfahrt nach einem Tag Käse und frischem Brot vertilgen war ein Genuss. Bis nach Moshi geht die Strecke mehrheitliche gerade aus. Wenn möglich quatschen wir oder sind in unsere eigene Gedankenwelt versunken. Wir harmonieren gut zusammen. Beide haben etwa die gleichen Ansprüche der Grundbedürfnisse und Vorstellungen wie so ein Radalltag auszusehen mag. Ja ich geniesse es ein Gspändli dabei zu haben das mir Gesellschaft leistet und ab und zu ein Muzungu-Gruss abnimmt.

In Moshi liegt der Ausgangspunkt für die meisten Bergsteiger die auf die Bergspitze vom Kilimanjaro hoch wollen. Meistens ist der Gipfel umhüllt mit Wolken und der Blick auf die letzten Gletscherüberbleibsel bleibt hinter einer Nebelwand versteckt. Nach einem Nachtessen sehen wir ganz unverhofft die klassisch weissen Linien die vom Gipfel abfallen. Ich finde kaum Begeisterung für den Hügel. Er ist eben einfach hier und wird für alle möglichen Marketingzwecke benutzt. Der Verkehr hat zugenommen. Viele Safarijeeps führen Touristen an ihre Reiseziele: Safari in den Nationalparks oder eben die Besteigung vom Kili oder dem kleineren Mt. Meru. Vor Arusha tauchen wir nochmals in grünes Dickicht. Viele Bananenplantagen und sogar Gewächshäuser nutzen hier das fruchtbare Land. Neben den stinkenden Lastwagen kämpfen auch wir uns über die Strasse hinauf nach Arusha. Sowie Arusha gebaut ist herrscht hier anscheinend Wildwuchs. Für die Navigation halte ich mein E-Book in meiner T-Shirttasche bereit. Ich drehe mich kurz um und schon hält ein frecher Junge mein E-Book in der Hand. Instinktiv drehe ich mich zu ihm um und er drückt es mir wieder in die Hand. Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Mindestens ein paar nette Worte soll er zu hören bekommen. Auf mein Nähertreten rennt er davon, ich ihm hinter her. Dabei verlor er blöderweise ein Schuh, der sich in ein Flugobjekt verwandelt hat. Mit der Suche ist er hoffentlich eine Weile sinnvoller beschäftigt als sich diebische Fähigkeiten anzueignen. Wir bekommen noch mehr vom Arusha-Programm. Kaum 100m vergehen ohne jemanden an der Seite zu haben der sich um deine Safari kümmern möchte. Wir sind müde und genervt von diesen aufdringlichen Typen. Ein Typ nach Arusha: Nehmt doch mal Damen für den Verkauf. Klappt bestimmt besser. Als Abschluss bekommen wir noch eine 100% überteuerte Rechnung für zwei Biere präsentiert und nebenbei möchte man uns noch ohne jeglichen Scham für die überteuerten Preise Armbänder verkaufen. Wir kapitulieren und bezahlen zumindest die Biere. Das war die geglückte Ankunft in Arusha.

Zum Glück können wir diesem schwarzen Loch das Muzungu Guthaben innert Kürze schwinden lässt entkommen. Wir sitzen in einem Safarijeep und preschen über Asphalt durch hügeliges Gelände. Ein paar Baoab Bäume stehen in der Gegend und die mit Stroh bedeckten Häuser bestätigen hier die allgemeine Vorstellung von Afrika. Die umherstreifenden Masai sind wegen ihrer blau roten Kleidung gut zu erkennen. Die roten Tücher sollen den Löwen Feuer vorgaukeln. Hoffe das klappt auch und der Kerl verwechselt es nicht mit einem rot saftigen Steak. Im Tarangire Park angelangt dürfen wir die Dachklappe öffnen und von nun an unsere Köpfe ausstrecken um Grosswild zu beobachten. Genial. Besser geht’s nicht. Viele Baoab Bäume gibt’s im Park und dazwischen jede Menge Tiere. Da ein Giraffe, Pumbas die drei Leoparde ärgern, eine verdutzt dreinblickende Gazelle und Elefanten en masse. Sie sind gerade unterwegs zum ihren Wasservorrat aufzufüllen. In ihrem Weg liegen aber drei Löwinnen die sich beim Näherkommen in sicherer Distanz aus dem Weg machen. Schade, sie müssen die saftige Zebraherde hinter sich lassen und die Jagd auf später verschieben. Das Alles spielt sich in 300m ab. Alle beieinander im selben Lebensraum. Der Zoo verschleiert diese Tatsache, wo jedes Tier seine Quadratmeter zu geordnet hat. Für zwei Tage kurven wir durch die Gegend. Nach einer Übernachtung in einer Lodge am Hang vom Rift Valley fahren wir 600m in die frühere Höhle hinab. Der Ngorogoro Krater ist längst abgekühlt und die Natur hat hier ein Paradies mit Tieren hinterlassen. Eine Gruppe fressender Hyänen begrüsst uns. Blutverschmiert suchen diejenigen mit Beute das Weite, um genüsslich weiter zu fressen. Die Anderen versuchen die besten Stücke zu ergattern. Gefressen wird alles. Dann drückt unser Fahrer wieder aufs Gaspedal um uns Neues zu zeigen. Er spielt mit der Geschwindigkeit um mehr Spannung aufzubauen. Wir sind begeistert mit unseren Köpfen in vollem Fahrtwind zu stehen und dabei die wunderbare Landschaft zu geniessen. Nach dem Picknick am Wasserloch mit Hippos sichten wir ein Löwenpaar in ihrer Flitterwoche. Er sieht sichtlich erschöpft aus nach 7 Tagen Sex im Abstand von 15 Minuten. Dafür wird der King von seiner Dame mit Futter versorgt. Ja ein Löwe zu sein ist wirklich anstrengend ;-) Auf der steilen Ausfahrt aus dem Krater werden die Tierherden immer kleiner und wir bekommen nochmals eine super Aussicht geboten. Glücklich und erschöpft kehren wir zu unseren Fahrrädern zurück und packen sogleich für die Weiterfahrt.

Über die Ausläufer vom Mt. Meru erreichen wir hungrig die Grenzstadt Namanga. Ein frisch gemaltes Campingplatzschild lässt uns auf ein gemütliches Plätzchen hoffen. Leider Fehlanzeige. Nur das Schild ist neu, der Rest in schlechten Zustand. Als Abschlussgeschenk kommen wir nochmals in den Sog des schwarzen Lochs und bezahlen einen saftigen Preis für diese Bruchreife Anlage. Ein Lichtschimmer ist die 12 jährige Tochter. Sie scheint weit und breit die kompetenteste Person zu sein. Sie macht Dampf in der Küche, als nach 1 ½ h immer noch kein Essen da steht, unterhält sich mit uns mit einem englischen Wortschatz der jeden Staunen lässt und macht am Schluss die Abrechnung. Ihr Satz beim Aufbruch: May I bring you to the tent? Das erwartet man zuletzt von einem Kind in der 6. Klasse. Wir hoffen sie kommt bald aus diesem Loch heraus und kann sich ihren Traum als Oberärztin zu arbeiten erfüllen.



Dar Es Salam - Zanzibar
◴ 19. August 2014 - 5. September 2014 (Veröffentlicht: 2.10.2014)   Roadmap
Ciao Zanzibar
Tanzania
Erholt und ausgeschlafen klopfe ich zwei Tage nach Ankunft in Dar Es Salam im Hotel an die Tür von Zimmer 504 und bekomme eine herzliche Begrüssung von Beni und Lena. Ich durfte die beiden schon früher in Marions WG kennenlernen. Per Zufall habe ich Beni ein halbes Jahr vor Reiseantritt beim Einkaufen von Material für meine Reise getroffen. Wir erzählten einander von unseren kommenden Plänen und haben gleich ein Meeting für Tanzania abgemacht. Wie es aussieht, konnten wir beide den Termin einhalten ;-) Wir drei erkunden nun gemeinsam Dar Es Salam, geniessen Streifzüge bis in die Aussenquartiere und quatschen viel. Ich geniesse es sehr mich über Afrika mit ihnen auszutauschen und von ihren Abenteuern zu hören. Wir richten uns jeweils am Abend auf ihrem Balkon ein und prosten mit lokalem Bier auf einen gelungenen Tag. Anschliessend wird der Hunger mit indischem oder westlichem Essen gestillt. Dar Es Salam ist im City Center unglaublich ruhig. Das Zentrum wirkt ausgestorben für eine Grossstadt. Zwei Nächte später verabschieden wir uns schon wieder. Sie fliegen zurück ins Schlaraffenland Schweiz und ich ziehe an den Südstrand von Dar Es Salam wo ich endlich meine Badehosen anziehen kann. Eine Fähre führt über die Wasserstrasse für Containerschiffe. Im Moment fährt nur noch eine Fähre weil die zweite im Dock steht. Nach afrikanischer Manier wird jetzt die fahrende einfach doppelt beladen. Das Be- und Entladen dauert länger als die Überfahrt. Das Entladespektakel möchte ich mit meiner Kamera festhalten. Die Leute rennen vom Schiff um noch ein Tuck-Tuck in die Innenstadt zu erwischen. Mein Zeigefinder schon auf dem Auslöser werde ich zur Seite gebeten und mir nach Diskussionen den Preis für mein Fotografieren in unerlaubter Zone angepriesen. Oha, das Schild habe ich nicht gesehen. Ich meine zum Beamten: „It’s not necessary! It’s not necessary to charge me!“. Man müsse jetzt den ranghöheren Offizier rufen um die Angelegenheit zu klären. „Ja Ja, Bla Bla Bla, soweit kommt es noch!“, denke ich. Daraufhin packe ich mein Rad am Lenker und schiebe es einfach energisch Richtung Ausgang vom Fährareal. Sie halten mich bei dieser Aktion zum Glück nicht auf. Ich bin ihnen entwischt. Die etwas dreiste Methode hat diesmal funktioniert.

Perfekte Wellen zum Bodysurfen krachen am südlichen Stadtstrand ans Ufer. Ich verbringe viel Zeit mir günstige Wellen auszusuchen, um mich mit ihrer Kraft ans Ufer spülen zu lassen. Ein Irrsinnsspass bei dem die Zeit im Nu vergeht. Ich bleibe fünf Tage und kann in einem Resort Zelten. Vor dem Frühstück schwimme ich jeweils um die zwei vorgelagerten Bojen. Am Morgen noch ein leichter Frühsport weil sie wegen der Ebbe naheliegen. Am Abend bei Flut eine Challenge. Nach 5 Tagen Badeplausch und relaxen am Strand fahre ich am letzten Tag Richtung Flughafen um Marion mit ihrem Fahrrad abzuholen. Mutig, wie sie ist, hat sich Marion entschlossen mit mir einen Monat das „gefährliche“ Afrika in Tanzania und Kenya zu erkunden. Der Säbelzahntiger ist ausgestorben, Menschenfresser sind rar geworden und die Vulkane erloschen. Darum kann von „gefährlich“ kaum mehr gesprochen werden und reisen ist hier problemlos möglich.

Ihr Fahrrad hat die Reise unbeschwert überstanden. Wir unternehmen für die ersten paar Tage eine Afrikaangewöhnungskur in Dar Es Salam. Es gibt viel zu erzählen. Unsere Maulwerke halten selten still. Wir treffen an einem Abend ihren Piloten Freund Albi und seine Crew in ihrer Residenz. Bei viel Gelächter lauschen wir alle seinen Stories aus aller Welt zu. Er versorgt uns mit nützlichen Tipps zu Sehenswertem in Tanzania. Besonders seine Nightlifetipps waren Erste Klasse und immer ein Gaudi. Trotz seiner Abneigung gegenüber Stonetown sitzen wir am nächsten Morgen auf der Fähre zur Insel Zanzibar. Wow, das ist mal ein Schnellboot. 55km/h (auf den CH-Seen sind 40km/h erlaubt) zeigt mein GPS bei voller Kraft der Heckstrahler an. Was für ein Wellenbad hinter dem Boot. Wir sind begeistert und schauen wie die Skyline von Dar Es Salam immer kleiner wird. Dank dieser Power dauert die Fahrt nur 3h auf die kulturell interessante Insel. Der Ankunftshafen heisst Stonetown. Dort werden Einflüsse der unterschiedlichen Kulturen erstmals ersichtlich. Der arabische Raum wurde mit Gewürzen von der Insel und Menschen aus dem afrikanischen Kontinent beliefert. Dies verhalf früher zu Wohlstand und Reichtum. Leider sind die Waren und Geldflüsse seit längerem eingebrochen. So sind z.B. in Stonetown 90% der Gebäude renovationsbedürftig. Zudem möchten sich die Zanzibaris von Tanzania loslösen, was den Handel eher schmälert als fördert. Der Islam ist auf der Insel nicht zu übersehen. Vielen Schulen werden von der islamischen Kirche finanziert und die Damen von jung bis alt tragen Kopftücher. Auf einem Ausflug lernen wir die Gewürzwelt der Insel kennen. Von vielen hatte ich keine Ahnung über deren Herkunft. Es war spannend und interessant zu sehen woher der Inhalt der dutzend Döschen in unseren Küchen stammt.

Nach zwei Tagen Stonetown mit Jazzkonzert an der Beach und vielen Ausflüge in Restaurants eröffneten wir die Einfahrsaison auf der Insel. Mit viel Mit Wind erreichten wir locker Nunghi am Nordende der Insel. Der Verkehr liess ausserhalb Stonetown nach und die Reise führte durch viel Grün über perfekten Asphalt. Die Räder laufen rund. Es scheint an nichts zu fehlen. Oder doch? Fast alles Wichtige habe ich auf einer Liste erwähnt was so auf einer Tour in Afrika hilfreich sein könnte. Dieses wichtige Kleidungsstück ging mir aber durch die Lappen. Zum Glück hatte ich eine zweite Fahrradhose dabei welche die Fahrt definitiv angenehmer gestaltet und die Hornhautbildung prima unterdrückt ☺

Ca. 3km südlich von von Nunghi sind die Gezeiten weniger spürbar. Hier kann man wunderbar den ganzen Tag plantschen ohne bei Ebbe Wassertiefe zu verlieren. Hinter uns liegen grosse Resorts für die Italiener. Die Bar für den Sonnenuntergang-Cocktail hat bereits geöffnet. Für die Rückkehr müssen wir die Flut in Nunghi beachten. Deshalb warten wir mit dem Drinkschlürfen nicht bis die Sonne am Horizont untergeht. Ein letzter Zug am Strohhalm und wir laufen zurück zu unserem Bungalow in Nunghi. Bald verschwinden die Füsse im Wasser. Ausweichen kann man nicht, da der Strand durch ausgespülte Felswände begrenzt ist. Wir schaffen es zurück noch bevor uns das Wasser bis zum Halse steht. Die Bauchnabel wurden aber ausgewaschen. Für den Sonnenuntergang richten wir uns gemütlich auf den Stühlen vom Beachrestaurant ein. Es wird frischer Fisch vom Grill offeriert. Der Fang liegt für die Auswahl auf einem Tisch ausgebreitet. Was darf es den sein? Redsnapper, Thunfisch, Jumbo-Garnellen,... Dieses Ambiente zum Fisch probieren ist nicht zu toppen. Uns beiden gefällt Fisch aber eher in lebendiger Form. So nehmen wir an einem Schnorchel Ausflug teil. Wir steigen in ein Dau und motoren Richtung Mnemba Islands.

Ein Dau ist ein traditionelles Segelboot der hiesigen Kultur. Auch auf dem Nil in Ägypten sind sie zu sehen. Bei europäischen Booten wird zum Segelhissen eine Ecke vom Segel am Mast hochgezogen. Der Querbalken zum Mast (Baum) bleibt dabei unten. Im Dau läuft es genau umgekehrt. Zwei bis drei Mann zerren zum Segelspannen mit vereinten Kräften den Baum in die Höhe. Die dritte Ecke vom Segeltuch wird am Bootsrand befestigt. Die Fertigung von einem Dau ist alles Handarbeit. Der Mangobaum liefert das Holz für den Rumpf. Es sei extrem stabil. Eine Demo bekommen wir auf dem Heimweg. Die Ebbe hat eingesetzt und wir Segeln innerhalb der Riffkante. Es knackt und das Holz ächzt. Korallen fressen sich in den Rumpf. Für einen Rumpf aus Glasfaser würde dies den Garaus bedeuten. Der Mangobootkaptain hingegen zuckt bei solch einem Vorfall nicht einmal mit der Wimper.

Das Schnorcheln war eher zweitrangig. Die Sonne liess sich nicht blicken und Regentropfen fallen. Es fröstelte die ganze Mannschaft. Nur ungern tauchten wir für ein paar Minuten im kalten Wasser und sichteten ein paar Fische. Was war hier wohl vor ein paar Jahren zu sehen? Die Korallenbänke sind abgestorben. Die letzten Bewohner ziehen in Schwärmen umher und lassen mit ihren Farben der grauengrüne Grund annehmlicher erscheinen. Das Highlight war die Heimsegeln im Dau. Die Wolken liessen ein paar Sonnenstrahlen durch und der Wind blies uns sanft über türkisfarbenes Wasser zurück in den Hafen von Nunghi. Solch ein Erlebnis kommt schon nahe ans Freisein heran.

Jetzt aber hopp wieder in den Sattel. Gut gepolstert sitzen wir auf unseren Rädern und halten Richtung Süden. Eine Abkürzung um an die Ostseite zukommen führt uns durch spannendes Hinterland. In den paar Dörfern, die wir mit dieser Pistenfahrt passieren, werden wir mit viel Geschrei und Winken begrüsst. Die witzigste Gruppe Kinder schreit lauthals herum bis man sie anblickte. Wir wendeten und wieder ging das Geschrei los. Nochmals ein Blick zurück und alles blieb ruhig. Mit Schmunzeln spielten wir ein bisschen mit dem Effekt und fuhren dann weiter durch den Busch bis an die Ostseite der Insel. Hier führt eine gut asphaltierte Strasse in den Süden. Wir werden mit dem italienischen „Ciao“ angesprochen und sogar ein „Come stai?“ hören wir von den Kindern. Der Grund dürften die vielen italienischen Resorts sein. Gilt Mallorca als Massentourismusinsel für die Deutschen, so ist Zanzibar das für die Italiener. Zum Glück ist Lowseason. Das merken wir in einem Resort indem wir nächtigen. Wir zwei und ein Paar aus der Schweiz dürfen eine ganze Hotelanlage für uns beanspruchen. Zum Glück haben wir unsere Räder dabei und können am nächsten Morgen fliehen. Hoffentlich verbringen die zwei hier nicht ihre Flitterwochen. Nicht zum Aushalten ist es hier.

Wir entscheiden uns nochmals in Stonetown zu verweilen anstatt weiter in den Süden zu fahren. Es müsste ein Meeresarm überbrückt werden. Wir fragen nach einem Boot das uns übersetzt. Schlussendlich sind wir umschwärmt von Helfern, aber eine klare Antwort kriegen wir keine. Darum, auf geht’s nach Stonetown. Wir buchen in einem neuen Hotel und die erste Story wartet schon an der Rezeption. Das Zimmer hat $-Preise und wir möchten mit Karte bezahlen. Leider geht das im Moment nicht. Die Kartenterminals seien gesperrt. „Ja warum den?“, frage ich. „Die berüchtigte Al-Qaida habe Überweisungen getätigt, deshalb haben die Banken Geldtransfers gesperrt. Aha, gut zu wissen welche Schurken sich auf der Insel herum treiben. Ich würde sagen: Ein Stern Abzug bei ihren Zertifikaten für ausserordentlichen Service, die dem Kunden ein Gefühl vermitteln sollen in guten Händen zu sein. Unseren Hunger stillen wir nochmals im Forodani Garden. Gegen Ein Dunkeln stellen die Fischer Tische und Grill auf. Die Köche brutzeln ihre Leckereien und der ganze Platz wird zu einem grossen Restaurant unter freiem Himmel. Es wird um Kundschaft gefeilscht. Wir kommen kaum weiter als zum zweiten Marktstand. Dann wollen oder müssen wir jeweils bestellen. Im Angebot sind Samosas, Meeresfrüchte auf Spiessen, Chapati (Brot), Sweetpatatos, Salat und vieles mehr. Sehr lecker! Leider bei allen Ständen in etwa das gleiche. Tipp: Immer beim Koch direkt bestellen. Ansonsten bezahlt man den Zwischenhändler bzw. Zwischengauner noch mit.

Am nächsten Morgen steigen wir in die Fähre Richtung Dar Es Salam ein. Uns durstet es nach neuem Terrain und interessanten Fahrstrecken. Ein Freund vom Hotelangestellten ist zuständig für den Frachtraum der Fähre. Ohne Probleme kommen wir durch die Passkontrolle und können unsere Räder direkt im Frachtraum als Erste platzieren. Danke, ein super Service.

Der Hafen Stonetown verschwindet langsam, die Heckstrahler tun ihren Dienst und bringen uns in nützlicher Frist zurück auf das Festland. Bei Ankunft befreien wir uns aus dem Gewühl von Händlern, Taxifahrer und Ticketverkäufer und düsen Richtung Norden mit Ziel Nairobi.



Karonga - Dar Es Salam
◴ 8. August 2014 - 18. August 2014 (Veröffentlicht: 25.08.2014)   Roadmap
In den Abendstunden rastet der Verkehr. Ausser ich ;-)
Tanzania
Die letzten zwei Wochen brachten mich vom Ufer des Lake Malawis zur Küste vom indischen Ozean in Dar Es Salam. Nach Karonga führt eine flache Strecke zum Grenzübergang nach Tansania. Die letzten Malawier winken mir zu und wünschen Gute Fahrt. Manchmal scheint es mir man könne bei den Grenzen einfach durchfahren. Oft weist weder ein Schild noch ein Beamte mich ein, wo der Austritts- bzw. der Eintrittsstempel zu erhalten sei oder wird anschliessend das erhaltene Visa kontrolliert. Ich wechsle Geld bei der Bank und weil diese keine kleinen Noten besitzt, die restlichen Kwacha bei einem selbsternannten Geldtauscher. Er reist mir gierig mein Geld aus der Hand und will mir einen miserablen Wechselkurs anbieten. Ich merke, dass ich ihn durchschaue und er nutzt die Gelegenheit, als sich mehrere Geldtauscher um meine Noten ringen, um sich aus dem Staub zu machen. Der Wert von 2$ sind nicht viel. Es ärgert mich trotzdem, dass ich mir einfach mein Geld aus der Hand nehmen liess.

Für 50$ gibt’s den Stempel für Tanzania im Pass. Es ist heiss und ich suche eine Strassenküche für eine Stärkung. Wahnsinn, denke ich, als mir der Teller serviert wird. Reis, Bohnen und ein grünes Gemüse werden aufgetischt. Drei verschiedene Sachen sind rekordverdächtig nach Malawi und das zu günstigen Konditionen in einem Restaurant. Muss ich jetzt noch selber Kochen? Beim Essen kann ich Bettler nicht ausstehen. Mir ein schlechtes Gewissen bei jedem Bissen auf die Gabel zu legen, akzeptiere ich nicht. Einer versucht es trotzdem und darf nun meine deutlichen Worte in Englisch geniessen. Ob er verstanden hat und nächstes mal wartet mit der „Chlönerei“.

Die Steigungen warten nicht lange auf sich. Gleich nach dem Grenzübergang steigt die Strasse mit perfektem Belag in die Höhe. Hier würde ich sagen etwa 120er Körnung, wo in Malawi eher die 60er bis 80er Körnung als Belag aufgetragen ist. Das Mass Körnung habe ich den Schleifpapieren entnommen. Beim 60er Belage kann man fast zu schauen wie der Gummi von den Reifen abgetragen wird ;-) Die Felder sind überzogen mit Bananenpflanzen und Teefelder. Die Sonne scheint durch kleine Wolkenlöcher und lässt die Teeplantagen in saftigem grün leuchten. Ich schwitze. Es ist warm und viel Feuchtigkeit liegt in der Luft. Am Ende der Etappe liegt Tukuyu auf ca. 1600hm. Hier weht ein frischer Wind. Die Schweissperlen auf mir lassen mich frösteln und ich bin froh als mir eine Dusche wieder Wärme zuführt. Der Camping ist im Vorgarten eines Hotels angelegt. Deswegen komme ich gleichzeitig in den Genuss von einem Badezimmer in einem ihrer Hotelzimmer. Ich bleibe zwei Nächte und kann mein „Pfnüssel“ auskurieren. Am Morgen schwebt meist Nebel durch die umliegenden Täler. Der nächste Berggipfel ist nahe zu 3000m hoch. Nach den vielen Tagen am Wasser ist diese Berglandschaft eine willkommene Abwechslung.

Ein Tag führt mich die Strasse nochmals durch hügelige Landschaft. Ich bin fit und komme ohne grosse Anstrengung über diese Anhöhen. Vor dem Mittagessen schiesst die Strasse in das nächste Tal hinunter. Mein Velo zittert und ich bin mehr am Bremsen. Vielen Schlaglöchern und Bodenwellen gilt es auszuweichen. Ohne eine Tasche zu verlieren komme ich gerade richtig zum Mittagessen in Uyole an. Die Damen bereiten mit ihren drei-vier Kohlenkocher Mittagessen für Kundschaft zu. Hier geniesse ich Chipati. Ein Fladenbrot in Öl frittiert und mit Eigelb beträufelt. Ich biege rechts ab und komme auf die Fernverkehrsstrasse richtig Dar Es Salam. Um die Kreuzung ist es hektisch. Motorräder, Busse, 40t-er, Fussgänger und eben ich. Auf den ersten paar Metern fehlt der Sicherheitsstreifen. Zudem haben die Gewichte der Fahrzeuge eine tiefe Fahrrille in den Asphalt gedrückt. Irgendwo zwischen Kiess und diesen Rillen fahre ich auf den restlichen freien Zentimetern. Nähert sich mir ein dröhnendes Geräusch weiche ich auf das Kiesbett aus und fahren dann weiter. Mit jedem Kilometer wird es besser. Der Verkehrsstrom dehnt sich und es kracht nur noch jede viertel Stunde einer an mir vorbei.

Im Busch erwache ich meistens früh. Die Sonne versteckt sich noch hinter dem Horizont, doch die Kinder sind auf dem Weg in die Schule. Klar wecke ich ihre Neugier und sobald der Mutigste vor mir steht, folgt die ganze Horde. Mit viel Gelächter und grossen Augen nehmen sie an meinem Frühstück teil. Ich glaub ich bin nicht der Typ für eine Grossfamilie. Frühstück mit mehr als fünf Kindern...Naja...einmal ist’s ok und sie watscheln voller Freude in die Schule mit einem neuen Erlebnis im Rucksack. Der Muzungu im Busch bleibt für sie heute wohl das grösste Tageserlebnis. Ich packe und ziehe weiter. Viele Baobab Bäume stehen am Strassenrand und in näherer Umgebung. Die Strasse führt um einen Ausläufer eines Gebirgskamm. Da begegne ich meinem Freund Gegenwind. Ungebremst hindert er mich bis am Abend an einem gemütlichen Vorwärtskommen. Kaum ein Grad weicht die Strassenrichtung von der Windrichtung ab. In Makambako finde ich Windschutz in einem Guesthouse. Mein Kocher ist seit Grenzübertritt nur noch für den Kaffee zuständig. Es gibt viele Strassenküchen entlang dieser Handelsroute, wo sich auch die Truckdriver verköstigen.

Dieses Gebiet nennt sich Southern Highlands. Die Strecke führt ziemlich konstant auf 1500hm bis 40km nach Iringa, wo sie über eine kurvenreichen Abschnitt auf 500m hinunter stürzt. Es wird deutlich wärmer nach der Abfahrt. Die Windjacke kann ich jetzt wieder zur Seite legen. Das aus dem Zelt Kriechen ist wieder gewohnt eine warme Angelegenheit. Gegen Mittag überquere ich die letzte Anhöhe vor Dar Es Salam und verbringe den Nachmittag in der Tan-Swiss Lodge. Tatsächlich wird hier Rösti offeriert und Appenzeller Kräuterschnaps. Mein Gehör lauscht gespannt dem vielen CH-Deutsch zu. Mit zwei Herren aus Bern quatsche ich bis wir den Abend mit Kräuterschnaps als Abschluss begiessen. Über Umwege haben wir gleiche Freunde in der Schweiz. In Afrika ist solches weder Zufall noch Schicksal sondern Hexerei oder Magie.

Das habe ich kaum noch für möglich gehalten. Wildtiere aus nächster Nähe vom Fahrrad zu sichten. In dieser Art habe ich mir Anfangs einige Streckenabschnitte in Afrika vorgestellt. Hier ein Elefant, da ein Zebra. Bei der Durchfahrt vom Mikumi National Park sichte ich tatsächlich eine Elefanten Herde und ein paar Giraffen die Blätter von den Bäumen fressen. Super diese Velosafaris ☺. Vor einer Brücke über einen ausgetrockneten Fluss halte ich für eine Trinkpause. Durstig dieses Wetter. Ein Lkw-Fahrer hält an und sagt: Manchmal liegen unter der Brücke Löwen im Schatten. Ich soll doch weiter ziehen. Aha, danke für den Tipp, ich lass mich nicht zweimal bitten.

Nach dem Mittagessen rumpelt es in meinem Magen. Es folgen Krämpfe. Am Abend ist mir überhaupt nicht nach Essen obwohl hinter mir 120km liegen. Schliesslich hänge ich über der Schüssel und entledige mich den Verursachern. Irgendwie finde ich Schlaf und fühle mich am nächsten Morgen bereit für die Weiterfahrt. Zum Frühstück verzehre ich ein paar Chipati und ein Chaitee. Süsser geht’s kaum. Quasi Zuckerwasser mit Brot. Das Diabettes hier ein Begriff ist, wundert mich kaum. Meine Lust zum Essen schwindet durch den Tag. Zusätzlich hat der Verkehr seit Morogoro stark zugenommen. Nach meinen Messungen donnert jetzt alle 2 Minuten einer dieser Trucks oder Bussen an mir vorbei. Oft fehlt wieder der Sicherheitstreifen für ein paar Kilometer. Viel schaue ich zurück und weiche oder manchmal handle ich irrational und ducke mich und hoffe. Was natürlich absoluter Blödsinn ist und ein Unfall so kaum vermieden werden kann. Ein Psychologe würde jetzt wohl die Erklärung in einem Millionenjahren antrainiertem Verhalten finden ;-) Das Experiment dazu: 42 Probanden stellen sich an die Strasse, 21 davon mit Rückspiegeln, die restlichen ohne. Alle 21 ohne Rückspiegel haben sich im letzten Moment in ihren letzten Zufluchtsort ihr Inneres als Schutz zurückgezogen und gehofft. Die mit Rückspiegel sind ausgewichen. Leider ist der Versuchsaufbau dermassen gefährlich, dass noch keine plausiblen Resultate vorliegen.

Ja heute hat mein Inneres gelitten. Dieser ewige Verkehr und ich habe kaum noch Energie. Trotzdem schaffe ich es in einem Guesthouse im angepeilten Ort anzukommen. Wenigstens gibt es hier noch eine afrikanische Dusche. Ein Eimer mit Wasser und ein Becher. Bei halbem Appetit verschlinge ich Chips mit Eiern und lösche mein Durst mit Soda. Lieder merke ich erst beim Einschlafen dass mir die Gastgeberin das Zimmer mit Blick auf die Hauptstrasse vermacht hat. Nun donnern nicht nur am Tag sondern auch noch bei Nacht mir Lkw’s um die Ohren. Ich versuche die Flucht auf die Couch in der Lobby. Als die Flöhe dort zu beissen bin ich schnell wieder im Bett. Diesmal mit Ohren Pax, welche mir 4h Schlaf ermöglichen.

Noch nicht genug dieser Verdauungskomplikationen, hat dieses Biest von einem Bakterium über Nacht seine Reise zu meinen Gedärmen fortgesetzt. Ihr wisst wohl was das heisst. In den ersten zwei Stunden denke ich überhaupt nicht ans Radeln. Ich lege mich nochmals hin und Ruhe. Später schaffe ich es zu packen und los zu fahren. Auf keinen Fall verbringe ich hier eine Nacht mehr und ich will nach Dar Es Salam. 60km bis ins Zentrum. Heute eine riesige Distanz für mich. Die ersten 40km teile ich in 10km Abschnitte ein. Dann in den Busch oder eine halbe Stunde rasten. Mit dem aggressiven Verkehr finde ich es hier anstrengender als die 18 Mio. Metropole Mumbai zu durchqueren. Ich hange mehr zwischen Lenker und Sattel. Ab Kilometer Vierzig sichte ich den indischen Ozean und der Sog des Stadtverkehrs zieht mich ab dort bis ans Meer. Zwischendurch flicke ich noch mein vierter Platte. Ärglich so kurz vor Ankunft, aber das krieg ich auch noch gefixt. Drei saftige Orangen löschen den ersten Durst und ich falle anschliessend völlig k.O. aber glücklich über die geschaffte Ankunft in Dar Es Salam in ein Bett. Nach einem Tiefschlaf kam mein Hunger zurück. In Dar Es Salam gibt es wieder Vielfaches an Waren als sonst wo auf der Strecke. Greeksalad, Pfeffersteak und Icecream zaubern mir wieder ein Wohlgefühl in die Magenregion. Mit einem Lächeln und doch ein wenig mit Stolz erfüllt geniesse ich nach 9000km meine Ankunft in Dar Es Salam.

Bald gibt’s die lang ersehnte Abkühlung im türkisblauen Ozean ☺