Asien map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The asian plan.
  •   2. HK - Frauenfeld
  •   1. Capetown - Kampala
Africa map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The african plan.
  29. March 2015 - Arrived back home and stay a bit.
Lusaka - Chipata
◴ 26. Juni 2014 - 5. Juli 2014 (Veröffentlicht: 14.07.2014)
Die Verantwortung für die optimale Rasenhöhe tragen hier die Zebras.
Sambia
Die bevorstehende Distanz entspricht wieder einmal der Länge einer Durchquerung der Schweiz. 580km bis Chipata. Die Strasse führt mehr oder weniger geradeaus bis an die Grenze zu Malawi im Osten des Landes. Daher kommt der Name der Verkehrsachse: Great East Road. Der erste Tag startet mit einem ungewollten Velorennen. Dieser Windschattenfahrer verrät sich durch das nervige Quietschen seiner Pedalen. Er geniesst sichtlich die mühelose Fahrt hinter mir. Ich werde schneller und übersehe dabei die quer zur Strasse liegenden Teerbumpers für die Geschwindigkeitsreduzierung. Es knallt und beide Fronttaschen wickelt es ins Vorderrad. Ein Ende der Fronttaschenaufhängung bricht ab. Bravo. In mir dampft es vor Ärger. Ich sammle die Taschen ein und beginne ein Ast als Provisorium zu montieren. Weiter geht’s. Ich radle auf einer Anhöhe, die sich bis nach Chipata im Osten erstreckt. Aus dieser entspringen viele Bäche, die den Fluss Luanga speisen. Ich überquere ihn am zweiten Tag über eine Hängebrücke. Im Ort Luanga verkaufen die Fischer ihren Fang. An der Menge nach scheint der Fluss reich an Fischgründen zu sein. Hier beginnt wieder das Einkaufen von Wasser in 0.5l PET Flaschen und das Abfüllen in meine grösseren 1.5l. Diese findet man nur in grösseren Städten, was mich immer wieder erstaunt. Es ist ja nicht so, dass es kein Wasser gibt das gefiltert, gesäubert und verkauft oder in Regenzeiten gespeichert werden könnte, um die Lebensqualität zu verbessern. Okay, es ist die Wirbelsäule der Frau die das Gewicht trägt und ihre Beine die das Wasser vom Fluss 150hm hoch schleppt. Zustände die mich manchmal entrüsten. Bei solchen Gedanken wünsche ich mir jeweils, sie hätten ein wenig vom chinesisches Kopiergen und würden Technologien aus westlicher Welt abkupfern.

Für mich startet nach der Flussüberqueren eine kurvige Fahrt durch Wald und Buschland. Mein Puls schnellt bei dieser Fahrt aus dem Flussbett übermässig nach oben. All die flachen Strecken liessen meine Ausdauer für Steigfahrten schwinden. Als Stärkung schenkt mir eine Marktfrau ein Zuckerrohrstängel. Ich versuche ihre Art an dessen süssen Saft zu gelangen nachzuahmen. Mir gelingt es jedoch nicht die harte Schale mit meinen Beissern zu knacken. Für sie ein Kinderspiel. Mein Taschenmesser schafft mir Abhilfe und ich ernte dabei lautes Gelächter der neugierigen Sambier. Der Grund für die eine oder andere Zahnlücke dürft jetzt wohl klar sein. Ich erreiche an diesem Tag wieder einmal die 1000hm Marke und lege mich am Abend K.O. in den Busch. Nuddeln essen, Kaffee trinken, Stirnlampe aus und es schläft.

Die Sambier sind ein hilfsbereites und ungescheutes Volk. Strassenbeidseitig ertönen ab dem dritten Tag ununterbrochen die Rufe nach dem Muzungu. Muzungu, Muzungu, How are you? Vor allem die Kinder lassen ihr Spielzeug liegen und rennen an den Strassenrand um mich zu grüssen oder neugierig diesen weissen Mann auf dem Fahrrad zu sehen. Es mag unglaublich klingen wenn für mich ein Fussballspiel abgebrochen wird und beide Mannschaften sich am Strassenrand aufreihen. Doch so schön dieses einmalige Erlebnis war, habe ich nach zwei Tagen Grüssen und das How are you satt. Kaum 10 Minuten vergehen ohne einen Gruss der meine Aufmerksamkeit fordert. Manch einem scheint nicht klar zu sein, dass am Ende von How are you ein Fragezeichen steht. Auf meine Antwort I’m fine, thank you, folgt sogleich sein Kamerad mit demselben Ausruf: How are you! Hier misse ich meine simbabwischen Gedankenausflüge in andere Welten.

Ich geniesse die Tage auf dem Rad und komme gut vorwärts. Am Horizont türmen sich wieder meine Lieblings Steinkegel aus Zimbabwe auf. Am Mittag bin ich hungrig und esse jeweils eine Portion Nshima und futtere zwischendurch was gerade so angeboten wird: Popcorn, Fatcakes, Bananen, Tomaten, Cola, Erdnüsse.
Ab und zu düst einer dieser SUVs von WorldVision, UN, Worldfood Program oder lokalen Kircheninstitutionen vorbei. Die SUVs blitz blank poliert und mit viel PS ausgestattet, markieren die Organisationen hier ihre Präsenz. Ob dass die optimale Art ist um mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu treten bzw. damit vor einer Lehmhütte vorzufahren? Ja Äcker pflügen könnte man damit ;-)

Chipata kommt näher. Nach 5 Nächten im Busch ist die Dusche eine Wohltat. Ich hoffe ich habe den Abfluss nicht verstopft. Hier kann ich mein Zelt stehen lassen und nehme ein Bus in den South Luanga National Park. Die Campingplatzbesitzerin bringt mich zum Busbahnhof wo mir ein Chauffeur gleich ein Ticket verkauft. Scheint alles bestens zu klappen. Klar, ca. 2h Abfahrtsverspätung habe ich einkalkuliert. Mit den tatsächlichen 6h hatte ich nicht gerechnet. Um 11:00 hatte ich mein Ticket in der Hand, um 17:30 startet der Motor. Nachdem Servo-Öl und Luft aufgefüllt waren, tuckerten wir los. Das der Sprit ausging oder die Karre stehen blieb, wurde mir zum Glück erspart. Meine Nerven beruhigten sich langsam und ich versucht mich zwischen den 16 Passagieren bequem einzurichten. Wenn ihr meint es hätte ein Passagier reklamiert, liegt ihr Fehl am Platz. Alle akzeptierten Verspätung und Überfüllung anstandslos. Nach 9h Reisedauer fiel ich erschöpft in mein Bett. Ich würde meinen, die Velofahrt wäre deutlich relaxter ausgefallen.

Mein Besuch dient der Ausfahrt mit einem Jeep durch den South Luanga National Park. Diese Arrangements nennen sich Gamedrives und lassen die Kassen der Anbieter klingeln. Das Sichten von Grosswild sei hier fast garantiert. Das hat mich hierher gelockt. Die ersten Elefanten sichtete ich schon bei der Ankunft in der Lodge. So habe ich mir das gewünscht. Sie malträtieren gerade einen Baumstamm. Dies scheint ihre bevorzugte Nahrung zu sein. Einige Orte im Park erinnerten mich deswegen an einen Wirbelsturm der hier vorüber fegte. Entwurzelte und geknickte Bäume bieten Einblick in das Fressverhalten der Dickhäuter. Mit einer Bibelgruppe von Finnland tuckerte ich nun durch den Park. Der Aufbau auf dem Jeep bot eine super Sicht in die Landschaft die mich begeisterte. Hier würde ich gerne Zelten oder Radeln. Es dauerte nicht lange bis wir galoppierende Giraffen und suhlende Flusspferde in Wasserlöchern sichteten. Ein Kroki tankte die letzte Wärme bevor die Sonne glühend am Horizont als roter Feuerball unterging. Ich Gamedrive-Anfänger fragte in der Picknick-Pause ob dieser Pistolengriff zu einer Schreckschusspistole gehöre, der hier auf der Kühlerhaube befestigt ist. Mit einem Schmunzeln wurde mir die Leuchtkraft des Halogenscheinwerfers demonstriert, der ab nun der Beifahrer in der Hand hielt und Links und Rechts in den Büschen Wild aufzuspüren versuchte. Der Erfolg kündigte sich mit durchdrehenden Rädern an. Wir preschten über die holprige Ebene direkt auf die Raubkatze zu. Ein zweiter Jeep flankierte die Raubkatze von Rechts, wir von Links. Scheinwerfer ein und da tappte der schüchterne Leopard gemächlich vor uns her. Es folgte das Kamera-Blitzgewitter. Die Katze duckte sich. Sie weiss wohl, dass sie kein Loch im Schädel fürchten muss. Trotzdem sah man ihre Unbehaglichkeit der ganzen Aktion am geduckten Nacken. Ein wunderbarer Anblick dieses Tier in der Nacht zu sehen. Wir tuckerten noch eine Weile in der Gegend herum. Doch jedem war klar, nichts mehr dergleichen zu sichten. Der Leopard sei selten und der Game-Drive gut wenn dieses Tier gesichtet wird. Die finnischen Gottesfreunde steigen morgen nochmals für 4h in die Karre. Ich hatte definitiv genug Game-Driving. Die Art wie man hier Tieren begegnet ist mir fremd. Game-Driving hat für mich dieselbe Unverhältnismässigkeit wie UN-SUVs vor Lehmhütten. Ich wäre eher für Game-Walking mit Fackel und Speer und einer gesunden Distanz zu den Tieren. Die Ausdehnung des Parks ist riesig. Es gefällt mir sehr, dass alle ost-afrikanischen Länder das Konzept von National Parks umsetzten und damit den Tieren einen geschützten Lebensraum neben dem der Bevölkerung bietet.

Früh morgens sitze ich wieder in einem Bus nach Chipata. Diesmal erreichten wir das 90km entfernte Chipata deutlich flotter. Die frühe Ankunft erlaubte es mir noch am selben Tag die Grenze nach Malawi zu passieren. Nach einem kurzen Verkaufsgespräch über die Visakosten, durfte ich zum Discountpreis von 75$ einreisen und die gesparten 25$ in das Land investieren. Zum Lake Malawi ist es nun nicht mehr weit. Auf geht’s!



Livingstone - Lusaka
◴ 15. Juni 2014 - 25. Juni 2014 (Veröffentlicht: 26.06.2014)
An Kreuzungen findet man immer Handlerinnen die den Hunger stillen.
Sambia
Livingstone bezeichne ich als Disneyland in südlicher Hemisphäre. Mit Bungeejumping, River Rafting, Pendelsprung, Helikopterflug und Safariausflüge könnte ich in Livingstone mein Geld verbrennen. Die Aussicht auf die Victoria Falls wird damit zur langweiligen Attraktivität ohne Adrenalin klassiert. Obwohl ich mitten in Afrika bin, gleichen die Preise deren aus Übersee. Eine günstige Übernachtungsmöglichkeit finde ich im Stadtzentrum. Es ist eine der Oasen, wo sich Backpacker, Volontiere und Reisende treffen. Am Morgen wurste ich meistens etwas für mich: Waschen, Internet oder Lesen. Ein Amerikaner nimmt mich in die lokalen Restaurants mit, wo wir gemeinsam grosse Portionen Nshima verdrücken. Die feste Maispappe und das Gemüse essen wir mit den Händen. Schmeckt lecker und nach einem Teller bin ich satt. Ein mutiger Chinese erzählt mir von seinen Plänen in der Holzwirtschaft. Er habe selten die Grossstadt Peking verlassen, und mit dieser Reise nach Sambia das erste Mal ein anderes Land besucht. In China ist aktuell in einigen Landesteilen das Holzen untersagt. In der Vergangenheit wurde rücksichtslos der Natur Zuviel entnommen. Nun fehlt ihnen der Nachschub an Brettern, was er als gewinnbringende Chance sieht. Sambia ist reich an Hölzer. Ein Blick auf Google Maps zeigt die vielen grünen Flächen wo Wald vorhanden ist. Dass diese sambischen Teakhölzer noch mehr Unternehmer auf diesen Plan bringt, erfahre ich später in einer weiteren Geschichte.

Gut gelaunt und mit frischer Wäsche im Gepäck gleite oder ja schwebe ich fast über den kaum 5 Jahre alten Asphalt Richtung Lusaka. 5 Tage habe ich geplant. Die Strecke hat kaum Steigungen und führt konstant auf ca. 1000m durch Buschland. Klar bin ich nicht der Einzige in dieser Gegend. Ein paar Trucks ziehen mir in Kolonen vorbei, wenn der vorletzte Polizeicheckpoint wieder ein paar ziehen lässt. Ihre vorgeschobene Luftmauer nimmt mich ein paar Meter mit, wenn sie von hinten angebraust kommen. Anders wenn mir die Chauffeure zu winken, bremsen mich die Windturbulenzen schon mal auf Schritttempo aus. Die Strecke folgt bis nach Lusaka einer Eisenbahnlinie. Was dies für nette Auswirkungen auf die Spuranlage hat, kann in den Texten über Südafrika nachvollzogen werden.

An den Strassenrändern sehe ich viele Säcke mit Holzkohle gefüllt und Dieselkanister. Ersteres wird von den Familien aus ihrer Umgebung hergestellt. Das Fällen der zur Holzkohleherstellung benötigten Hölzer liegt wohl eher in einem Graubereich des Erlaubten. Ein weiterer Geschäftszweig ist das Abkaufen von Diesel von vorbeiziehenden Trucks und den Wiederverkauf an einen, dem seine Nachfüllwarnlampe schon einige Kilometer leuchtet. Bedenkt man die weiten Distanzen und der Dieseldurst eines 40t Trucks, kann sich diese Art von Geschäft durchaus lohnen. Für den preiswerteren Gütertransport in lokaler Umgebung, nutzen viele Sambier das Fahrrad. Kaum einer nimmt seine Hand nicht vom Lenker und winkt mir zu. Manche geniessen Windschattenfahrten hinter mir. Wenn ihre quietschenden Ketten oder Räder mich zum Wahnsinn treiben, gebe ich Gas, lass sie ziehen oder fahre nebenher und quatsche ein wenig. Am Samstag führen viele Jungs ihre Mädels aus. Gegen den Wind und in feiner Kleidung treten sie wie wild ohne eine Miene zu verzerren. Es steht wohl der Besuch in der nächstgelegenen Kirche an.

Ja der Wind begegnet mir seit Livingstone von vorne. An den letzten zwei Tagen meint er es ernst und bugsiert ab und zu ein abgebrochener Ast über die Fahrbahn. Jetzt nur nicht dagegen an kämpfen. Dabei verliert man alle Kräfte und die zurück gelegte Distanz ist minimal mehr als wenn ich normal weiterkurble. Doch trotz dieser Weisheit fällt es mir ab und zu schwer dies umzusetzen. Um die inneren Fluch Ausbrüche zu bändigen, nützt meist nur noch das Halten und eine kurze Pause einzulegen. Ja hier wünschte ich mir ein weiteres Zweirad vor mir. Nun gut, diese Situationen sind schnell wieder vergessen und werden durch positive Überraschungen ins Nirwana verdrängt. So diese französische Familie die mir kurz vor dem Mittagessen begegnete. Oft sehe ich am Horizont ein Velo, dessen Silhouette einem Tourenfahrer gleicht. Beim zweiten mal hinschauen zeigt er sich aus näherer Distanz als Kohletransporteur, dessen seitlich angebrachten Kohlesäcke, wie Reisetaschen aussehen. Nicht so diese drei Fahrräder. Eine französische Familie ist für zwei Jahre mit ihren zwei Kindern auf Fahrradtour. Ihre Reise führte von Frankreich bis nach Senegal, per Flugzeug nach Daressalam und jetzt auf dem Weg zu den Victoria Fällen. Ich darf ihr Tandem mit dem Jungen Probefahren und wir quatschen über Wege und Schlafplätze. Was einem fehlt, von dem besitzt das Gegenüber zu viel. Sie reisen zu Viert und haben immer jemand für eine Unterhaltung. Ich reise alleine und habe viel Zeit für mich. Wobei sich Fehlendes in beiden Situationen organisieren lässt, sodass die Balance stimmt. Mit dem Abschiedswinken geht für beide die Fahrt weiter und ich freue mich auch weiterhin alleine zu kurbeln.

An diesem Abend stehe ich gegen 17:00 dem Headteacher gegenüber. Sie hat ein paar Pfunde zu viel auf der Waage und hört mit gespitzten Ohren meinen Erläuterungen zu meiner Reise zu. Das Vorweisen meines Sambia-Visas und der Blick in den Pass hat sie noch nicht überzeugt, mich auf ihrem Schulgelände übernachten zu lassen. Sie glaubt für jede Reise müsse es einen Missionsbrief geben. Sie möchte ein gestempeltes Dokument als Bestätigung sehen. Dank sei den Missionaren. Als ich entscheide einfach zu gehen, weil es mir zu blöde wird, willigt sie schlussendlich ein und quartiert mich im Schulzimmer ein. Beim Securityguard werde ich anschliessend in die Liste der zu bewachenden Objekte eingetragen. Ich setze mich zu ihm ans Feuer. Seine langen Nächte verbringt er mit beten. Als ich ihn nach der Länge seiner Wache frage, deutet er auf zwei Sterne. Wenn sie dort im Südwesten hinter den zwei Bäumen niedergehen, sei seine Arbeit für heute Nacht beendet. Das er sie einmal nicht sieht, ist selten, so klar sind hier die Nächte. Mrs. Headteacher klopft pünktlich um 6:30 an die Tür. Die Zeit der Nacht liess das gereizte Vorstellungsgespräch vergessen. Vor Abfahrt werde ich der Klasse vorgestellt und der Teacher erklärt etwas nervös mein Projekt. Aus der Mathematik wird an diesem Morgen die Durchschnittgeschwindigkeit erklärt. Daran bin wohl ich Schuld Ich erwähne meine Durchschnittswerte und geschätzte Reisedauer bis nach Lusaka, darf ein Klassefoto schiessen und verlasse den Schulhof weiter Richtung Norden.

Das wilde Campieren ist in diesem Landesteil schwieriger. Die Gräser überragen meine Körpergrösse zu dieser Jahreszeit und sind überall. An den Strassen wird das Gras gerodet oder ein paar Männer schwingen ihre Macheten durch die Grashalme und bringen es zu Fall. Der Grascutter 2300 XXL aus dem Hobbybaumarkt fehlt hier gänzlich, dafür werden ein paar Arbeitsplätze geschaffen und der Arbeitslosenquote von 13% entgegen gewirkt. Die nächste Übernachtungsmöglichkeit finde ich wieder bei einer Schule. Dort finde ich die einzigen flachen und von Büschen befreiten Flächen. Mein Feierabend darf ich in einem Wohnhaus bei einer Lehrer Familie verbringen. Bei einem weiteren WM-Spiel bekomme ich Caterpillers serviert. Mir fehlt dieses Wort im Englisch-Vokabular und lasse mir diese Leckerei erstmals zeigen. Dann greife ich zu und muss sagen diese gepflückten Raupen schmecken geröstet gar nicht so schlecht. Wann werden wohl derartige Snacks in der WM-Spielpausenwerbung angepriesen? Interessant ist auch, wie sie Bezug auf ihr Kind nehmen. Fragen die das Kind betreffen beantworten sie mit: „That one likes aswell caterpillers.“ oder „This one should go to bed.“ In ihren Antworten klingt es, als sei das Kind ein Gegenstand. Des weiteren interessieren sie sich für meine Tätigkeit zuhause und möchten anschliessend einen Container voll Computer geliefert haben ☺. Ich werde mal prüfen welche Organisation Tablets in fernes Land verschickt.

Von hier sind es noch 80km nach Lusaka. Nach einer kleinen Anhöhe und ein paar Kilometer leichtes Ansteigen erreiche ich den Stadtrand von Lusaka. Das Zeltplatzsymbol lässt mich hier Abbiegen und erspart mir eine teure Unterkunft im Zentrum zu beziehen. Tatsächlich begegnet mir beim Eingang ein Giraffe. Er mustert mich, ich ihn. Auf Distanz bleibt er einige Minuten an Ort und Stelle verharren. Weit über Grund sitzt sein Kopf. Was für einen Ausblick der er jeden Tag geniessen kann. Dafür kann er nicht Velofahren ;-) Beim Zeltaufbau heben ein paar Zebras neugierig ihre Köpfe und glotzen. Sie sind hier täglich für ein paar Stunden als Rasenmäher angestellt und streifen durch den Zeltplatz. Beim Frühstück oder Kaffee bin ich quasi im Zoo.

Es dauert nicht lange bis ich mit meinen Nachbarpaar aus Südafrika ins Gespräch komme. Sie stehen kurz vor einem Vertragsabschluss, der es ihnen ermöglicht Forstwirtschaft zu betreiben. Sie erklären mir, dass die Teakholz Nachfrage gross sei, besonders nachdem Sambia vor ein paar Jahren das Abholzen ausgesetzt hat. Seit 2 Jahren werden jetzt wieder Lizenzen verteilt. Auch sie beklagen sich über die Chinesen, die ihre Wirtschaftsmacht derweil nicht ganz ökonomisch in Afrika ausüben. Strassenbau, Kupferminen, Holzwirtschaft und vieles mehr – Made by China. Hoch rangierte Staatsbeamte sehen das grosse Geld und die Investoren die Ressourcen. Die Denkweise ist für mich kurzfristig und kommt der lokalen Bevölkerung nicht zu gute. Eine Banknote ist im Ausland in Millisekunden gedruckt, ein Goldklumpe braucht hier in den Gesteinsadern Millionen von Jahren bis zur Vollendung. Der Umtausch von Geld zu globalen Ressourcen ist somit schnell erledigt. Die Chinesen dürften mittlerweile genug Dollars in der Tasche haben, um letzteres hier zu vollbringen. Zu diesem Thema hat mich eine Meldung einer Wochenzeitung verwundert: Chinesen investieren 4.7 Milliarden in Griechenland. Das dürfte den einen oder anderen EU-Bürger verärgern, wenn sie ihren bezahlten Milliarden nach Griechenland hinterherschauen und dafür nur ein Versprechen für eine Rückzahlung oder Sanktionen der Griechen kriegen anstatt handfeste Werte wie Anteile an Infrastrukturen. Ja mich fasziniert was auf diesem Kontinent mit den Ressourcen geschieht und wer mitspielt. Ab und zu Lese ich Nachrichten aus der Heimat. Interessant welche Richtungen bei Brot und Spielen der Bund im Hintergrund einschlägt. Hauslebauen aus der Pensionskasse soll nicht mehr möglich sein und nebenbei wird noch ein bisschen über Mehrwertsteuersätze für die AHV2020 debattiert. Der Aufschrei bei einem Tor der Schweizer Nati, dürfte aktuell wohl grösser sein ;-).

Zurück zu meinen Nachbarn. Sie fahren öfters in die Stadt, um Papierkram für ihr Unternehmen zu erledigen. Sie bieten mir ein Shuttleservice zum malwischen Konsulat. Als Schweizer Bürger wird für die Einreise das Visa im Voraus benötigt. Man kriegt dieses nicht an der Grenze. Nach einem Tag Bearbeitungszeit habe ich das benötigte Dokument in der Hand. Nach drei Tagen durchquere ich Lusaka, begleitet mit viel Verkehr. Bei Einigen schlägt der Puls etwas höher und die Minibusse drängen mich bei Strassenengpässen auf die äussersten 4cm Asphalt. Würde ich ihre aussagekräftigen Zeichen beachten, sollte ich in den Strassengräben fahren. Am östlichen Stadtrand fülle ich meine Reserven auf und folge der Great East Road Richtung Malawi. Am Lake Malawi soll es wunderschön sein. Darauf freue ich mich.