Asien map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The asian plan.
  •   2. HK - Frauenfeld
  •   1. Capetown - Kampala
Africa map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The african plan.
  29. March 2015 - Arrived back home and stay a bit.
Low- and Highlands in Lesotho
◴ 1. April 2014 - 9. April 2014 (Veröffentlicht: 15.04.2014)
Jüngster Hirte den ich gesichtet habe. Dieser Junge ist kleiner als das Vieh selbst.
Lesotho
Der Stempel ist im Pass. Mein Fahrzeug muss jedoch mit der Waage noch registriert werden, damit auch alles mit Rechten Dingen zu und her geht. Ob die Prozedur wegen den 30 Rand nötig war oder um mir die Ordentlichkeit der afrikanischen Bürokratie unter Beweis zu stellen, weis ich nicht. Bis zur ersten Kreuzung bleibt noch alles beim Alten. Ab dann empfangen mich lachende Gesichter, mir kommt aus jeder Richtung ein „Hello, How are you?“ entgegen und mit den Hände wird grosszügig gewinkt. Jung und Alt halten für ein paar Sekunden inne und richten ihre Blicke auf mich. In guter Laune gebe ich Auskunft über meine Pläne. Where are you going? Where you come from? To Maseru. From the Bordercrossing Mohales Hoek. Die Bemerkung vor der Grenze hier kaum alleine zu sein, bestätigt sich. Wenn nicht direkt an der Strasse, kann die nächste Begrüssung nicht weit sein. Mancherorts höre ich nur ihre Rufe aus dem Maisfeld und deren Hände. Mein „Hello“ richte ich dann einfach an die nächste Maispflanze. Viele Hirten führen ihre Herde auf den Feldern und über die Strassen. Kühe, Schaffe und Geisen folgen ihnen auf Schritt und Tritt und fressen sich, was gerade vor ihren Mäulern auftaucht, satt. Gegen Schutz und Kälte tragen die Viehhüter meist ein langer dunkler Umhang und eine Sturmmütze, bei der man bei Kälte nur ihre Augen zu sehen bekommt. Eine dieser Kaltfronten zieht gegen Mittag über mich hinweg. Die Tropfen der ersten Regenzelle werden mir frontal ins Gesicht geblasen und das hügelige Gelände macht mich müde. Obwohl das jetzt komisch tönt, es gibt nichts Besseres als in solchen frontal Angriffen vom Wetter weiter zu fahren. Bei einem Stopp, spürt man den Kühleffekt unter der Regenjacke mehr den je und die Aussicht auf Besserung der Bedingungen ist kleiner. So fahre ich weiter Richtung Maseru, später wieder unter blauem Himmel und Sonnenschein. Die Strassen sind gut ausgebaut und ich komme flink voran, es sei den ich halte um ein Wort zu quatschen oder ein Photoshooting durchzuführen. Eines bleibt mir gut in Erinnerung. Von weitem sind die Schulkinder in ihren Uniformen zu sehen. Sie säumen den ganzen Strassenrand und sind auf ihrem Heimweg. Ich halte und werde von allen Seiten begutachtet. Beim zücken meiner Kamera möchte gern jedes Kind abgelichtet werden. Wir einigen uns auf ein Gruppenfoto und halten diesen Moment fest. Noch lauter wird das Gelächter als sie das Resultat sehen. Wohl eher eine Seltenheit für sie sich so selbst zu sehen, den die meisten Mobiletelefone sind hier noch nicht mit Megapixelkameras ausgerüstet.

Am zweiten Tag in Lesotho fahre ich gegen Mittag über die letzten Hügel in die Hauptstadt Maseru. Mir gefallen Stadteinfahrten, denn hier ist meistens die Mehrheit der Bevölkerung einer Stadt zuhause und man kann beobachten wie gelebt und gehaust wird. Mir kommen schöne Erinnerungen hoch aus Damaskus, Kairo und Mumbai, wo man ebenso wie hier für uns ein Chaos aus Bewohnern, Autos, Tieren und Markhändlern vorfindet. Zudem strömen jegliche Gerüche von Essen, Tieren, Feuer, Abgas und Staub beim Vorbeifahren durch die Nase. Mein Herz lacht und ich bin glücklich auf dem Göppel zu sitzen. Trotzdem bin ich meist froh nach einigen Kilometern dieser Sinneswahrnehmung das Zentrum erreicht zu haben. All zu lange hält man das nicht aus. Ich kann hier neben dem Trinkwasserstausee campieren und gönne mir vor den Passstrassen ein Tag Pause. Die Stadt selber bietet nicht sehr viel und so verbringe ich wie bei Ankunft meine Zeit im Café Francais neben den deutsch-französischen Konsulaten. Der Grund ist der fein duftende Röstkaffee und die Croissants avec de Chocolat ☺. Auf dem Zeltplatz lerne ich zwei Deutsche kennen. Er versucht hier eine Firma zu gründen und wälzt sich durch die Bürokratie. Startup Schulungen und Förderung für Neugründer, wie es mir noch im letzten halben Jahr im VentureChallange Kurs erzählt wird, gibt es hier nicht. Die Dame ist Dr. Physikerinn und verbringt den Rest ihrer Zeit mit dem Erkunden des Planeten Erde. Zwei Monate jeweils in einer Region, gerade dort unterwegs wo die Klimabedingungen stimmen und noch kein Hacken auf ihrer Länderlist gesetzt ist.
Ich plane die Etappen für die kommenden Tage und kaufe genügend Verpflegung ein. Als Ergänzung setze ich auf die Minimarkets, die es praktisch in jedem kleineren Ort gibt. Deren Angebot ist eher dürftig, aber es lässt sich damit gut ein paar Tage leben. Ein weiterer Leckerbissen sind die FatCakes. Diese in Öl frittierten faustgrossen Teigballen sind wahre Engergiebomben und schmecken köstlich. Vollbepackt verlasse ich Maseru ostwärts auf der A3 und erklimme die ersten Anhöhen vor der Stadt. Ich habe mich für die Passroute entschieden die von Westen nach Osten Quer durch das ganze Land führt. Warum? Ich weis es nicht genau, aber irgendein Mix aus Sportlicher Ehrgeiz, Unwissen über die Strecke und in der Höhe Velofahren zu wollen, wird es wohl gewesen sein. Meine noch auf Long Distance eingestellte Beinmuskulatur bekommt die ersten Serpentinen ganz schön zu spüren. Ich lass es bei einem Pass am ersten Tag sein und behalte mir den nächsten für Morgen auf. Ich erreiche die auf der Karte eingezeichnete erste Lodge. Was ich aber vorfinde ist eine Baustelle mit zwei Arbeitern die in dieses Schattenloch verdonnert wurden, um in den Räumen Boiler zu montieren. Ich sage dass ich hier campieren werden und sie geben meinem Vorhaben mit einem Nicken das Okey. Gegen 17:00 verschwindet die Sonne hinter den Berggipfeln und die Kälte beginnt an mir zu nagen. Die beiden Arbeiter können es kaum glauben das ich hier auf kalten Steinboden campieren möchte und offerieren mir in ihrem Raum zu nächtigen. Später bin ich sehr froh dem zu gestimmt zu haben. Eine Saukälte ist es hier im Schatten und neben dem Bergbach. Bei Einzug in ihren Raum merke ich was hier Auftragsarbeit bedeutet. Sie hausen in einem noch nicht umgebauten Zimmer der Lodge, wo ihr gesamter Haushalt untergebracht ist und sie sich selber versorgen müssen. Der Arbeitgeber zahlt nur die Arbeit und das Leben fernab von zu hause muss selber organisiert werden. Als Heizung dient das vorinstallierte Cheminee. Wir setzen uns davor und können dank ihren Englischkenntnissen uns unterhalten. Gegessen wird Pap und LuckyStar, zwei Stücke Fisch gestanzt in einer Dose. Später geben sie mir eine ihrer Matrazen und wir Schlafen bei lautstarker Reggea Musik ein. Ich brauche dazu Ohrenpax.
Nach dem Frühstücks Müsli geht es gleich sportlich los. Der Anstieg zum Pass „God Help me“ liegt vor der Haustür. Zum Abschied überreichen mir die Beiden eine Büchse LuckyStar und sagen mit Schmunzeln:“Wenn ich oben bin, heisse der Pass: Good helped me to pass.“ Am Ende des Tages sind es 2 ½ Passfahrten. Den ½ habe ich selbst ernannt, der Anstieg war der vorangehenden Länge und Steigungen ebenbürtig. Er nennt sich Fredipass und ist zu Ehren meines stummen Reisegefährten Fredi ernannt. Fredi ist normalerweise mehr in der Badewanne heimisch, fühlt sich aber puddelwohl beim Mitreisen in seinem Zuhause vorne Links in der Fronttasche. Früh am Morgen des dritten Tages, in Höhen wo wir Skifahren, trete ich erneut in die Pedalen und fahre aufwärts. Langsam bin ich es mir gewöhnt in der Bergaufposition zu sitzen und komme gut voran. Heute ist Sonntag und viele sind in ihren schönsten Kleidern unterwegs. Vor Kirchen ist heute einiges los, ganze Dörfer pilgern gemeinsam zum Gebet. Ich verpflege mich für die nächsten zwei Passfahrten und nehme den ersten (Jackales Pass) in Angriff. Auf 2700m liegt der höchste Punkt. Schilder fehlen hier. Beim letzten habe ich Glück, er liegt unter dem Jackales Pass, sodass ich eine flotte Abfahrt bis nach Thaba Tseka geniessen kann. In Erwartung etwas Grösseres als ein Dorf vorzufinden, gleicht dies eher einer unübersichtlich verstreuten Häuseransammlung. Doch was ich brauche finde ich. Mein Lager ist heute ein Bett in einem Bed&Breakfast und der zNacht kaufe ich beim Chinesen ein. Ich werde doch öfters beim Einkaufen überrascht was den Ladenbesitzer betrifft. Als Lagerhelfer oder Gestellfüller arbeiten oft Schwarze. Im Minimarket selbst wird die Kasse dann aber von einem Chinesen geführt. Meine Unterkunft wiederum liegt in der Obhut der Oberschwester aus dem Kloster. Ihren Namen weis ich nicht mehr, doch sie interessierte sich ungemein für meinen Kocher. So klein! Was für Brennstoff? Wie wird er transportiert? Was kostet er? Wo kann man ihn kaufen? Usw. Der Fernseher wird zur Begrüssung immer gleich miteingeschalten. So komme ich in den Genuss von den drei lokalen Sendern. Zwei verstehe ich nicht und im dritten werden die Südafrikanischen Musikawards verteilt. Urban Jazz, Urban Gospel und HipHop heissen beliebte Titel die wie an den amerikanischen Oscarverleihungen an die Künstler verteilt werden. Ich vertilge noch eine Mango, die ich über die Berge mittransportiert habe und finde Erholung im Tiefschlaf.
Das ganze Fahrrad vibriert und der Staub wirbelt von vorbeifahrenden Fahrzeugen um mich. Nach meiner Kilometeralgebra soll die Pistenfahrt bis zum Sanipass, dem letzten Pass in Lesotho und zugleich Grenzübergang zurück nach Südafrika, drei Tage dauern. Ich stürze bzw. fahre Schritttempo in ein Tal hinab. Auf der Karte ist ein Fluss eingezeichnet der zu passieren gilt. Wie beim Boxen eine Links-Rechts-Kombination, ist eine solche Flussüberquerung eine Runter-Rauf-Kombination. Hier lohnt es sich wenigstens. Mehrere Meter breit und braun, top dieser Ursprungsfluss vom Orange die bisher passierten Bergbächen. Ohne Passfahrt komme ich heute wieder früher an als sonst. Den Tipp von einem Lehrer im um die Ecke liegende Krankenhaus für eine Übernachtungsmöglichkeit zu fragen, nehme ich mir gleich nach der Dorfeinfahrt zu herzen. Mein Anliegen findet bei der Oberkrankenschwester anklang und sie heisst mich Herzlich Willkommen. Ich soll mir einfach ein Platz für mein Zelt aussuchen. Mein Zelt steht und ich bin dabei tief durch die Nase zu atmen, um meine Matratze mit Luft voll zu kriegen, als mir eine Krankenschwester mit einem Schlüssel in der Hand deutlich macht, dass sie mich im Gästezimmer unterbringen wollen. Das kann ich nicht verneinen, denn die Nächte auf 2000m in den Bergen können ungemütlich kalt werden. Danke.

In Lesotho ist man nie allein. Auch in dieser Höhe sind noch Siedlungen anzutreffen. Die letzten Stromleitungen habe ich in Thaba Tseka gesehen. Die hier errichteten Rundhäuser sind ohne Strom und das Warenangebot in den Minimärkten ist auf dem Tiefpunkt angekommen. Zur Versorgung wird Mais angepflanzt und das Korn noch wie, in meiner Erinnerung aus einem Mittelalterbuch, von Hand gedrescht. In der ganzen Bergregion von Maseru bis zum Sanipass ist die sogenannte GiveMe-Bewegung voll im Gange. Von Jung bis Alt sind bei Begegnungen mit der Bevölkerung unter den ersten zwei Sätzen, die Frage nach Sweets oder Money. Give me sweees? Sweets, sweets, sweets! Give money! Im hungry. Have money! Where are youre sweets? Manchmal gibt es noch ein Please hinzu und die Wildesten unter ihnen haben es alles abgesehen was sie gerade wahr nehmen. Give me that! Give me this! Manchen könnte ich einfach den Mund mit Sweets vollstopfen damit sie ruhig sind. Am Passaufstieg traf ich auf den Obersweety. Er rückte mir mit seinen drei Freunden auf die Pelle. Mir reicht es! Er will einfach etwas bekommen und das in einem Ton der mir nicht gefällt. Sichtlich genervt drücke ich ihm mein Abfallsack in die Hände. Nach dem Auspacken bleiben sie verdutzt stehen und haben wohl kapiert das es reicht. Ich kurble weiter den Pass hoch und überlege wo das Phänomen herkommt.
Langsam bin unterwegs. An manchen Stellen wünschte ich mir Federgabeln zu haben und denke an meine Mitbewohner, die genau die richtigen Arbeitsgeräte im Keller stehen haben, um diese Mountainbikepisten zu bewältigen. Ich muss das erste Mal mein Drahtesel einige Hundertmeter schieben. Zu fest haben sich die Planer beim Anpeilen einer fahrbaren Steigung verkalkuliert. Loser Schotter lässt mein Hinterrad durchdrehen und zwingt mich zum Absteigen. Beim runterfahren kann man es manchmal rollen lassen, doch rumpelt es bestimmt 10 Meter weiter wieder dermassen, dass auf Schritttempo zurück gebremst werden muss. Doch ich geniesse das Manövrieren zwischen den faustgrossen Steinen hindurch. Eine Abwechslung zu fein granularen Teerstrassen.
Zu der GiveMe-Bewegung kommen mir während der Fahrt einige Erklärungen in den Sinn. Ich habe da ein Bild im Kopf von einem Dialog in einem Schulbuch, die Kinder im Englischunterricht lernen, bei welchem ein schwarzes und weisses Kind im Gespräch Süssigkeiten austauschen. Eine zweite Vorstellung ist das westliche SUV Fahrerpaar, dass sich beim Anblick der austreckenden Hände an ihr Hochzeit erinnert ,wo sie aus der Kutsche heraus mit Feuersteinen um sich geschmissen haben und das selbe hier wieder tun. Die plausibelste Erklärung die mir beim Recherchieren einfällt, sind die schuldigen Missionare, die wie Samichläuse mit einem Sack voll Sweets von Dorf zu Dorf zogen um ihre Glaubensvorstellungen versüsst in die Köpfe der Bevölkerung einzugiessen.

Es holpert kräftig weiter und mein Fokus hat wieder die Strasse. Mein Nachtessen geniesse ich an einem Felsvorsprung einer Schlucht. Keine Dusche, kein Gespräch, meine Zeltheringe habe ich heute das erste Mal in freier Natur eingeschlagen. Ein Genuss. Meine Nahrungsmittel sind bis auf ein paar Guätzli aufgebraucht. Sie werden mein Frühstück. Eine lange Piste führt mich auf die erste Passhöhe hinauf. Das letzte Stück der A3 führt mich über Kotisephola und den Sanipass zurück nach Südafrika. Ein Engländer, der mit seinem Bike über die Berge kurvt, versprach mir Besserung mit dem Strassenbelag für diesen Streckenabschnitt. Das bestätigt sich hier. Volle Kraft voraus. Der Grund sind die chinesischen Lastwagen die hier im Viertelstundentakt an mir vorbei donnern. Unter Aufsicht von Chinesen verrichten die Sothos auf der Strecke Schwerstarbeit und bessern die Strasse aus. Mir soll es recht sein. Die Anfahrt auf den Kotisephola Pass ist mit seinen 35km lang. Tatsächlich messe ich am höchsten Punkt 3120m über Meer und gehe in die Abfahrtsposition über, um im Schritttempo mich zum Sanipass über Stock und Stein vorzukämpfen. Mir reicht es nach den letzten zwei Tagen Mountainbiken gehörig. Ich will raus aus dieser kargen Berglandschaft, runter von diesen Strassen und das Give me! kann ich nicht mehr hören. Völlig verstaubt trete ich in die Sanilodge ein, steuere direkt die Bar an und gönne mir ein Maluti, das lokal Bier, um mein Durst zu löschen und auf die Durchquerung von Lesotho über die Passroute zu trinken. Im westlichen Stil lässt sich hier auf 2865m genüsslich Speisen und Trinken. Der Ort wird als die höchste Baar in Afrika bezeichnet. Gestärkt übertrete ich die Grenze und nehme die Downhillfahrt vom Sanipass in Angriff. Ich schlingere über die geröllhaldenartige Strasse, die sich durch ein Couloir nach unten windet. Der Name Sani kommt vom Fahrzeug Nissan Sani. Es war das erste Fahrzeug das 1946 dieser steile Aufstieg bezwungen hat. Der Passübertritt zu Südafrika ist um einige Meter weiter unten. Ohne grosse Schwierigkeiten oder Fragen nehme ich den Einreisestempel entgegen und freue mich zurück im grossen Südafrika zu sein.