Asien map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The asian plan.
  •   2. HK - Frauenfeld
  •   1. Capetown - Kampala
Africa map

17'007 km's

998 hours

↗ 137'584 hm

The african plan.
  29. March 2015 - Arrived back home and stay a bit.
State Limpopo
◴ 21. Mai 2014 - 28. Mai 2014 (Veröffentlicht: 28.05.2014)
Das Ende der Drankensberge. Wunderbar beleuchtet am Morgen früh.
Suedafrika
Fantastisch zurück auf der Strasse zu sein. Die Fahrt geht weiter. Heute erreiche ich über die letzte unbekannte Strasse Graskop und fahre den letzten südafrikanischen Pass. Am Berghang wachsen riesige Wälder aus Schlingpflanzen und links kann ich in die Weiten des Lowveld schauen. Im Backbackers heissen sie mich zum zweiten Mal Herzlich Willkommen. Der Inhaber Josef erzählt mir Geschichten aus Zimbabwe aus der Zeit der Hyperinflation. Er hatte damals auf seinen Bankbesuchen einen Reisekoffer dabei, um die ausbezahlte Geldmenge zu transportieren. Solche Aktionen würde ich heute als Banküberfall klassieren. Für mich geht es danach früh in die Heia. Mein Schädel brummt und will schlafen.
Nebelschwaden verdecken die umliegenden Berge. Graue Wolken hangen am Himmel. In der letzten Nacht sind seit langem Regentropfen gefallen. Am Morgen bin ich munter und starte meine Tagestour durch den Blyde River Canyon. In der Morgenfrische steige ich nochmals auf 1400hm hinauf und brause gegen Mittag in eine Ebene hinab, wo es erste Gesteinsformationen des Canyons zu besichtigen gibt. Über die Schluchten wurden Brücken für die Touristen errichtet. Von denen blickt man tief in die Schlucht hinunter. Das Wasser schlief hier über Millionen von Jahren meterbreite Löcher in die Felsen. Der Anblick erinnert mich an das Maggiatal in der Schweiz. Die Schlucht ist etwas höher, aber zum Baden ungeeignet. Danach wechseln sich Hinauf- und Hinunterfahrt ab. Die industriell gepflanzten Nadelbäume liegen hinter mir und sind durch gold-gelbe Grasfelder ersetzt worden. Von der Aussichtskanzel beim Picknickplatz ‚Three rondeles’ sieht man den Blyderiver wie er sich wie eine Schlange um Felstürme windet. Zur Abwechslung springt mir hier beim Fotografieren eine Schulklasse vor die Linse und die Schüler geben ihr Bestes beim Posieren. Es geht mit fast so viel Gelächter wie in Lesotho einher. Den Schluss beziehungsweise die Ausfahrt aus den Drakensberge spare ich mir für Morgen auf. Es beginnt zu dämmern und ich verkrieche mich im Busch.

Das Aufsparen hat sich gelohnt. Mit der Morgensonne rase ich die Strasse hinunter, die sich durch die letzten Drakensberge schlängelt. Ab und zu springt eine kreischende Affenbande über die Fahrbahn. Beim Überqueren wird es für die Klettertalente manchmal ganz schön knapp. Die Bergspitzen an den Strassenseiten werden wunderbar beleuchtet. Und kaum zu glauben sehe ich am gegenüberliegenden Berghang dieses schwarze Mausloch. Eine Tunneleinfahrt also, die erste seit Kapstadt und es sollte nicht die letzte sein. Die Bremsen kann ich nach der Durchfahrt loslassen und mit den letzten Kurven schwungvoll in die nördlichste Provinz Limpopo einfahren. Auf einmal ist es flach. Die Berge liegen hinter mir und ragen auf wie eine Wand.
Der Schnauf reichte bis nach Tzaneen. Kurz davor wäre er mir fast ausgegangen. Es ist eine der Stadteinfahrten wo es gesünder wäre eine Zigarette zu Rauchen. Das tönt grotesk. Damit würden aber die Abgaspartikel und Staub durch den Filter gezogen und die umweltbelastete Luft gefiltert ;-) Die Tagestemperaturen hier im Norden sind bis nach dem Mittag angenehm. Am frühen Nachmittag braucht es deutlich mehr Wasser für das Wohlbefinden. Die Sonne brennt.
In der Zwischenzeit vernehme ich, dass meine Dokumente im Hotel in Hazyview eingetroffen sind. Der Brief wird mir per Courierdienst auf die Poststelle in Musina nachgeschickt. Ob das klappt? Bin ich zuerst da oder der Brief?
In Louis Trichardt geniesse ich nochmals die südafrikanische Gastfreundschaft bei einer Farmerfamilie. Sie produzieren Tomaten im grossen Stil. 600 Mitarbeiter unterhält der Betrieb und beliefert ganz Südafrika mit dem roten Gemüse. Ich gönne meinem Brief ein Tag Vorsprung und darf mit ihnen den Sonntag geniessen. Wir fahren Mountainbike auf den Trails im anliegenden Wald und Mike, der Farminhaber, demonstriert mir sein Luftgewehr für die Affenjagd. Als sich eine Horde über die Hausdächer tobt, schreitet er zur Tat. Die Jagdtrophäe bleibt aber unauffindbar. Der Kerl hatte wohl sein Glückstag. Er drückt mir die Waffe in die Hand und erwartet von mir ein Kommentar. Ob ich eine Ahnung hätte von Gewehren. Ich erzähle ihm wie es in der Schweiz mit dem Waffenbesitz aussieht, dass eben in vielen Haushalten ein Sturmgewehr gelagert ist und diese friedlich (neutral) vor sich hin rosten ;-). Es erstaunt ihn, dass auch andere Nationen neben den United States so liberal mit Waffen umgehen. Dorthin möchten sie emigrieren, falls eines Tages ihr Farmgeschäft von einer illegalen Farmbesetzung heimgesucht wird oder ihnen die Gesetzeshüter mit Auflagen zur Last fallen. Dies passierte oft in Zimbabwe und wäre auf südafrikanischem Terrain ebenfalls möglich. Ihr Statement: „You never know!“. Sie geben mir Tipps zum Grenzübergang zu Zimbabwe und Lani erzählt mir von ihrer beantragten GreenCard für die USA.

Dabei fallen mir Gedanken zu (United) Südafrika ein: Südafrika gleicht in vielem Alltäglichen den vereinigten Staaten. Die Fahrbahnmarkierungen sind ebenfalls gelb, die die es sich leisten können, fahren riesige Pickups, das Fernsehprogram ist nach dem American Dream gestaltet, FastFood ist eine Bekennung zum Luxusstatus und das Land ist in States eingeteilt. Trotz Südafrikas unterschiedlichen Kulturen wird Letzteres versucht zu vereinen: United Southafrica. Meine Prognose: Das dauert noch eine Weile. Zu unterschiedlich wurden ihre Gebiete besiedelt. Die USA, wie wir sie heute kennen, haben Immigranten besiedelt. Mit im Gepäck war der Traum ihr Leben zu verbessern und der nötige Wille dazu. Dieses gemeinsame Ziel hat sie vereint. In Südafrika reicht die Besiedlungszeit in die letzten Jahrhunderte zurück. Die einzelnen Stämme haben sich seit dieser Zeit tief in ihren Regionen verwurzelt. Nun sollen sie über ihre Gebiete hinaus denken, um gemeinsam Südafrika zu sein. Sich aus diesem Komfortgebiet zu bewegen, wo alles organisiert ist, tut weh. Dazu ein aktuelles Beispiel, dass trotz Einsicht nicht gemeinsam (eben United) an einer Verbesserung gearbeitet wird und eher Abwarten als Lösung dient: Vor den Wahlen Anfangs Mai wurde über Leute berichtet (auch in den schweizer Medien), die seit 20 Jahren kein Wasseranschluss hätten. Das tönt unglaublich. 20 Jahre kein fliessend Wasser im Haus. Ich frage mich eher warum schafft es ein Dorf nicht innert 20 Jahren Wasserleitungen in die Haushalte zu ziehen. 20 Jahre! In Südafrika sollte das möglich sein. Sie haben die Freiheit und Resourcen dazu.

Es scheint mir das Volk wartet auf einen ‚Erlöser’, einen Helden wie Mandela, der die Sache richtet und sie antreibt zur Verbesserung ihrer Umstände. Doch Taten könnten hier leicht selbst umgesetzt werden. Besser als im reguliertem Europa. Es stehen wenige Gesetzes Bücher im Weg und oft ist man bei seinen Vorhaben sein eigener Richter. Viele Wege stehen offen. Zuviele? So weit meine Einschätzung zu Südafrika, die sich aus Eindrücken aus dem Sattel und aus Gesprächen gebildet hat.

Zurück in die Realität. Wir verabschieden uns am Montag Morgen und schreiten zur Arbeit. Für mich heisst dass nach Musina, in den letzten Ort vor der Grenze zu Zimbabwe zu radeln. Nach leichtem Aufstieg setzt eine lange Abfahrt ein, die zuletzt in einer 70km langen Gerade nach Musina endet. Es wird trocken, sehr trocken. Mühelos fliesst mir das Wasser die Kehle hinunter. Auf der langen Zielgerade wird meine Gedankenmaschine angekurbelt. Das passiert mir oft bei einfachen Strecken. Die Beinbewegung scheint dabei mit meinem Oberstübli verbunden zu sein. Die Ideenküche brodelt, die Welt fliesst dahin. Aufwachen tue ich erst beim Anblick der Baoabbäume bei der Einfahrt in Musina. Dicke Stämme halten ihre Baumkronen. Wie alt wird wohl ein Baoab? Das will ich mit Google checken und es euch erzählen. Ich freue mich eine weitere Karte von unbekanntem Terrain hervorzukramen und die südafrikanische Karte beiseite zu legen.



Hazy Lazy View
◴ 4. Mai 2014 - 20. Mai 2014 (Veröffentlicht: 21.05.2014)
Traditional dressed women on the jewellery market in Pilgrim's Rest.
Suedafrika
Am ersten Abend nach Ankunft heissen mich die Platznachbarn Herzlich Willkommen. Bei Brandy-Coke schauen wir gespannt den Tänzen und dem Musikzieren der Gruppe aus Swaziland zu. Die Vorführung gilt der Gruppe von AfricaAfrica Tours. Sie reisen mit einem ausgebauten Lastenwagen quer durch Ostafrika. Sie spendieren mir eines ihrer Steaks, was mein Salat zum Standard Menü 1 aus der WG befördert. Danke. Etwas beschwipst vom Brandy liege ich später im Zelt. Mühelos fallen die Augenklappen herunter und mein Schlaf bugsiert mich aus der Welt.
Hazyview halte ich für einen sinnvollen Ort, meine fehlenden Dokumente mir zu zuschicken. Mit einer Ausfahrt in die Drakensberge oder den Löwen im Krügerpark in die Mäuler schauen kann ich mich hier für eine Weile beschäftigen. Erst einmal organisiere ich den Versand, besser mein Bruder folgt meinen Anweisungen und gibt die Fracht auf. Schlussendlich kommt nur ein Brief mit dem Wichtigsten in Frage. Für Paketpost müssen Frachtpapiere ausgefüllt werden, wovon sich hier in Südafrika Pöstler ablesen können, ob sie das Paket an die richtige Adresse oder bei sich zu hause abliefern sollen. So zumindest die Warnung des Pöstlers in der Schweiz. Warten wir ab, 3 – 7 Tage soll das Zusenden dauern.
Heute komme ich aus meinen morgendlichen Internetsurfgang zurück und sichte ein neues Campingmobil. Dieses Mercedes Model ist für Südafrika eher selten und weckt meine Aufmerksamkeit. Beim Näherkommen sehe ich die Kennzeichen: (CH) VS..., der hat wohl eine längere Reise hinter sich, denke ich mir. Ihre stolzen Besitzer sind Walter und Gila, er aus dem Luzernischen und Gila ursprünglich aus dem Iran. Ihr Mobil haben sie in Antwerpen (Belgien) verschifft, um von Kapstadt nach Kairo zu fahren. In Hazyview bleiben sie drei Tage. Wir sitzen gemeinsam für zwei Tage bei Frühstück und Nachtessen an ihrem Tisch. Ich höre dabei gespannt ihren Geschichten aus früherer Zeit und über ihr Vorhaben in Afrika zu. Vielleicht treffen wir uns nochmals auf der Route nach Kairo, wenn sie mich Rechts überholen.
Nach diesen kurzweiligen Tagen wäre mein Kopf bereit für die Weiterfahrt, aber mein Brief dürfte noch länger unterwegs sein. Nicht unweit von hier führen Strassen in die Drankensberge, wo es zwei rassige Passfahrten runter zu donnern gibt. Ich veranschlage 4 Tage für die Tour, vielleicht 5 und sitze ein Tag später nach Entschluss in Aufbruchsstimmung im Sattel. Das tut gut. Die bekannte Bewegung zu spüren stimmt mein Gemüt fröhlich. Nicht besonders Steil, radle ich durch vorgelagerte Bananenplantagen und Tropenwälder über die Drakensberger-Hügel. Dabei komme ich ganz schön ins Schwitzen. Etwas K.O. erreiche ich am späten Nachmittag Graskop. Woher diese Müdigkeit kommt, zeigt am Abend der Höhenzähler an. 1900hm trage ich ins Tagebuch ein. Im Backpackers lerne ich ein Pärchen aus Holland kennen. Sie wissen über meine bevorstehende Strecke bestens Bescheid. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichten die Beiden von Kairo das Kap der Guten Hoffnung. Ich durfte in ihrer digitalen Bücherei stöbern, erzählten mir auf welcher Seite einer Grenze es profitabler sei, sein Geld auf dem Schwarzmarkt in die nächste Währung zu tauschen. Wir quatschten eine ganze Weile über die Route und ihre Pläne in Asien. Zur Abkühlung unserer Mundwerke wechselten wir später auf Kinoprogramm. Bei Wein und Popkorn fanden wir uns auf einem Frachtschiff wieder. Wir warteten gespannt auf die Befreiung von Captain Philipps aus den Händen der somalischen Piraten.
Ich muss mich auf der Strecke über den Robbers Pass nicht mehr vor Entführung oder Raubüberfall fürchten, obwohl dies der Grund seines Namens ist. Die Banditenzeiten sind in diesen Goldgräbertälern vorbei. Ein beliebtes Ausflugsziel vor dem Pass ist Pilgrims Rest. Hier lässt sich heute noch den Gaumen verwöhnen oder in der aus Maputo hergebrachten Kirche die zur Bar umfunktioniert wurde, den Goldstaub runter spülen. Nach kurzem Steilanstieg auf den Robbers Pass, darf ich 10km in die Tiefe sausen. Ein riesen Spass bei diesem Wetter den Rädern freien Lauf zu lassen. Bremsen musste ich nur wegen den Kühen auf der Nebenfahrbahn. Was diese Tiere denken oder sehen, weis man nie so recht. Der Klügere bremst. Der Anstieg auf den Longtom Pass von Lydenburg aus, fährt sich gemütlich. Es lässt sich beim Trampeln wunderbar Blicke in die umliegenden Täler und die Weite werfen. Auf 2150hm ist dann Schluss mit Aufsteigen. Hier stürzt die Strecke hinab in das tropische Lovfeld. Ich kurve durch riesige Nadelbaumplantagen und durchbreche am frühen Nachmittag die Berg-Schwülwarm-Luft Schicht. Ab hier sind wieder die Schlingpflanzen und Co. heimisch und das Klima angenehm für kurze Hosen. Seit Ausgangspunkt in Hazyview sind drei Tage vergangen. Ich nutze die Gelegenheit nochmals in Nelspruit zu sein, um Ersatzschläuchen und weiteren Ersatzteilen einzukaufen. Die Schlauchversion mit französischem Ventil zählt im Norden eher zur Mangelware. Zudem überwinde ich mich, in das Zeitalter der digitalen Bücher vorzudringen und lese fortan in E-Ink gedruckte Bücher. Was für eine Gewichtserleichterung, die mir erstmals beim altbekannten Anstieg zurück nach Hazyview zu gute kommt. Das Vorausahnen, der Brief sei nicht da, trifft die Wirklichkeit. Ich stelle mich auf weitere 5 Tage Hazy Lazy View ein. Mein Zeltplatz ergänzt sich hier mit Tisch und Stuhl. Darauf bereite ich jeweils mein Abendessen zu. Heute Abend schlinge ich wie oft ein Gemüse-Mix mit Reis herunter. Das Kochen mit diesen Zutaten ist auf ein Minimum an Aufwand reduziert – alles in ein Topf, Kochen, Warten und Essen. Einer meiner Zeltnachbarn hat mich bei dieser Nur-Gemüse-Aktion erwischt und meine Faulheit erkannt. Er steht nun vor mir mit einem übrig gebliebenen Steak, gestrichenen Butterbroten, einer Avocado und einem Orangensaft, um mir beim Auftanken der Energiereserven zu helfen. Ich Danke für die Nahrungsergänzung und sein Beobachtungsvermögen ;-). Seit der neuen technischen Errungenschaft gehört das morgendliche Lesen zum Frühstücksritual. Mit einfachem Touch oder, wie sagt man Fingerwisch, streife ich durch die Bücher und reise durch Gedankenwelten. Wenn dann der Magen knurrt, ist der Weg zum Supermarkt nicht weit. Am Samstag Sonntag ist dort die Hölle los. Berge von Waren werden in zig Plastiksäcke abgepackt und Heim geschafft. So sieht das jeweils aus: Ein Kind am Rücken, zwei oder drei Tüten Links und Rechts, öfters etwas auf dem Kopf. So schleppen sich die Mütter in gewohnter Langsamkeit zu den Minibussen nach dem Einkauf. Es fehlt nur noch ein ungeborener Sprössling der vorne mitgetragen wird.
Zu den weiteren Bereicherungen, die ich einmal im Supermarkt entdeckt habe, zähle ich den Holzkohle-Pizzaofen. Der Pizzaiolo bereitet die Wunschpizza zu, während man um die Gestelle zieht oder irrt. Die zweite verführerische Angelegenheit sind für mich die Soft-Ice-Automaten hinter der Einpacktheke. Die hätte ich gerne in unseren Ladenketten. Bitte zu denselben Preisen (50 Rp. das Stück). Eine freie Hand belade ich meist mit dieser Leckerei, um beim Tragen ausbalanciert zu sein.

Die Tage verstreichen ohne dass mir langweilig wird. Öfters schaue ich am Morgen etwas betrübt mein Göppel an. Der und ich möchten Weiterfahren und Neues entdecken bevor wir Rost ansetzen. Morgen ist zum Glück die Deadline. Ich muss weiter egal ob Brief hier oder nicht. Meine bewilligten 3 Monate Südafrika sind demnächst um und bis zur Grenze sind es ca. 500km. Zuerst folge ich einem schönen Abschnitt am Blyde River Canyon mit vielen View Points, bevor es heisst: Auf direktem Weg nach Zimbabwe.



Bulembu Border - Hazyview
◴ 3. Mai 2014 - 4. Mai 2014 (Veröffentlicht: 7.05.2014)
Ausblick in die Goldgräber Täler.
Suedafrika
Es ist später Nachmittag, um 17:30 wird es dunkel. Den Tipp von einem Motorradfahrer über einen abseitsliegenden Aussichtspunkt ist das Signal für mich dort mein Lager aufzuschlagen. Das war lohnenswerte vor Baberton hier in freier Natur zu rasten. Ausgeruht geniesse ich die Panoramaroute durch das Goldgräbergebiet. Von einer alten Seilbahn sehe ich noch die Masten. Mit ihr wurde das Rohmaterial nach dem Abbau zur Weiterverarbeitung ins Tal transportiert. In Baberton finde ich mehr Informationen dazu im frei zugänglichen Museum. Den Namen eines Goldgräber-Unternehmens, dass im Museum erwähnt wird, finde ich auf einem Schild am Strassenrand. Der Beweis dass aus den Goldadern zu unserer Zeit noch Ertrag erzielt werden kann.

In Neilsprit finde ich endlich neue fahrradtaugliche Schuhe. Die Fussgänger die mich anschliessend gegrüsst haben, werden wohl mein breites Grinsen kaum verstanden haben. Ohne Schmerz und mit einer längst vergessenen Einfachheit folge ich der Strasse auf das nächste Plateau hinauf. Etwas anders als erwartet in der Touristenregion des Krüger National Parks, komme ich an vielen typisch afrikanischen Dörfern vorbei, durch solche ich das letzte Mal nach East London gefahren bin. Mein Lager bleibt nun für ein paar Tage in Hazyview aufgeschlagen. Ich erwarte ein Packet mit den fehlenden Dokumenten, die ich seit Durban nicht mehr bei mir habe. Die Lodge bietet Campingplatz und die Infrastruktur, wie Swimmingpool, Hotelbar und Internet, kann mitgenutzt werden. Prima zum Verweilen und die Zeit für eher kopflastige Aktivitäten zu nutzen. Wie ich in den Krügerpark komme steht noch in den Sternen. Erstmals schiebe ich ein paar Tue-Nichts-Tage ein bis ich Lust dazu habe, mich den Löwen und dem anderen Grosswild anzunähern.



◴ 26. April 2014 - 2. Mai 2014 (Veröffentlicht: 7.05.2014)
In der heissen Nachmittagssonne ist Ruhen angesagt.
Suedafrika
Spät Abends heisst mich die Familie Herzlich Willkommen. Rick ist einer der Manager in der nahe gelegenen Zuckerfabrik. Stolz erklärt er mir den Trick der beim Ernten der Zuckerrohrpflanze angewandt wird. Vor der Ernte werden jeweils die Zuckerrohrfelder abgefackelt, um die Blätter der Pflanze im Vorfeld zu entfernen. Damit wird der Zuckergewinnprozess in afrikanischer Manier vereinfacht und die umliegenden Dörfer in Rauch eingehüllt. Am Morgen suche ich nach meinen neuen Fahrradflipflops und finde sie im Hundekorb jetzt in unbrauchbarem Zustand wieder. Etwas verärgert steige ich mit meinen zweiten Paar in die Pedalen und erreiche gegen Nachmittag den Hlane National Park. Er ist einer der wenigen Parks, wo ich mit dem Fahrrad bis zum Campingplatz fahren kann. Game Drive by Bike ist auch hier nicht erlaubt. Die Dame an der Reception schickt mich direkt zum Wasserloch. Ich soll doch vor dem Einchecken mir die Nashörner anschauen. Später seien sie vielleicht nicht mehr dort. Das ist ein Empfang, direkt aus dem Sattel ans Wasserloch kurven und dort die Nashörner aus nächster Nähe beobachten. Eines ist komplett mit Schlamm eingerieben – Natursonnencreme für Grosswild. Ich bin begeistert über die Lage der Lodge und mein Campingplatz. Es gibt genügend Sitzmöglichkeiten, Tische zum Kochen und Beobachtungsplätze rund ums Wasserloch. So sieht nun also eine afrikanische Naturpark Lodge aus. Ich geniesse die frühe Ankunft und komme nach dem zNacht mit meinen ersten Gastgebern in Kontakt. Sie offerieren mir Wein und ich bin aufgemuntert ihre Fragen zu beantworten. Fleisch ist natürlich auch immer ein Thema wenn Fragen über meine Verpflegung aufkommen. Mein Fleischkonsum ist derjenige der mir bei Einladungen zu einem Braai offeriert wird. Am Abend noch Fleisch zu braten ist mir zu mühsam, braucht zu viele Zutaten und ich besitze keine Kühltasche. Meist geht bei dieser Erklärung ein Raunen durch die Runde und sie glauben mir fast nicht, dass ich ohne täglichen Steakkonsum bei diesen Anstrengungen noch lebe. Hier lerne ich, dass hier zu Lande ein Pouletflügel als Gemüse deklariert wird und somit auf der Liste der Beilagen steht. Zu später Stunde komme ich ins Zelt, vorab belagert mich noch der Nachbars Junge bei dem die Fragen nur so heraussprudeln. Dessen Familie lädt mich kaum erwacht zu einem Kaffee ein und nimmt mich mit auf ihre Pirschfahrt durch den Busch. Das kommt mir gelegen, denn es wird ein Fahrzeug benötigt um in die umliegende Wildnis vorzudringen. Wir sichten ein paar Impalas und andere Tiere, die unseren Hirschen und Rehen gleichen. Am Nachmittag liege ich herum wie die Nashörner und die Nilpferde im kühlen Wasserloch. Nichts tun kommt mir nach den Gesprächen über meine Reise gelegen. Doch mein Sein ist von kurzer Dauer und ich bin für eine weitere Grillade mit neuen Nachbarn, dem Caravan Club aus Neilsprit verabredet. Es wird nochmals gehörig Fleisch aufgetischt und Bier gezapft. Eine weitere strikte Trennung neben arm und reich ist folgende: Frau macht Beilage, Mann brät, überwacht, kontrolliert und widmet seine höchste Aufmerksamkeit der kostbaren Hauptspeise bis zur bestmöglichen Verwandlung in ein Gaumenschmaus. Soviel zur Aufgabentrennung. Es dürfte jetzt wohl klar sein, dass entweder eines seiner Kinder oder die Frau ihm noch das nötige Bier bringt wenn ihn durstet. Ich bin Gast und komme in den Genuss desselben Services.

Zwischenzeitlich habe ich den Dorn im Vorderrad entfernt. 3cm lang ist der zweite Bösewicht der die Statistik der platten Reifen auf 2 steigen lies. Ohne weiter Luft zu verlieren erklimme ich die ersten Anhöhen vor Mbabane der Hauptstadt von Swaziland. An der Ostgrenze zu Mozambique ist Swaziland eher flach und im Westen liegen etwas höhere Gebirgszüge. Die Pannenstreifen fehlen hier. Dadurch werden die Überhohlmanöver noch brenzliger. Ich bin konzentriert und brauche ab und zu eine Verschnaufpause bis ich bei Sonnenuntergang ins Ezulwini Valley abbiege, dort wo mein nächstes Ziel, der Mlilwane National Park, liegt. Die Swazi-People empfinde ich als freundlich zurückhaltend. Eher stumm schauen sie mich mit grossen Augen an, was mir gegenüber Südafrika und Lesotho fast schon fremd vorkommt. Im Park darf ich frei mit dem Fahrrad herumkurven. Grosswild gibt es hier nicht. Auf einer Anhöhe kann ich den Park überblicken und habe Weitsicht. Eine Familie lädt mich zum Nacht- und Morgenessen ein. In englischer Manier gibt es nach dem Gebet zum Dank der Speisen Speck, Ei und Toast. An der Butter und der Konfitüre habe ich besonders Freude. Diese zwei Lebensmittel sind eine Seltenheit auf meinem Speiseplan. Ich verscheuche das Impala das an meinem Futtersack knabbert und triefe kurz später vor Schweiss als ich die 600m in das 7km Mbabane (Steigung in % → (Höhe / Distanz) * 100 ;-) aufsteige. Gegen Mittag biege ich kurz vor der Grenze zu Südafrika Richtung Norden ab und radle durch sehenswerte Landschaft über viele Hügel, die mit hohen Gräsern überwachsen sind. Das Verkehrsaufkommen ist angenehm, wobei meine Radlerflipflops eher eine Form von sehr unangnehem angenommen haben. Die schwabblige Gummisohle hält wohl nicht mehr all zu lange der Treterei stand. NervNerv, die Hunde kommen mir in den Sinn. Janu, es hält noch alles und mit der Dusche im Mololotja National Park ist das wieder vergessen. Warmwasser wird in den Parks mit Feuer in grossen Tanks hinter den Toilettenanlagen erzeugt und über Rohrleitungen in die Duschen gespeist. Diesen Luxus in freier Natur zu finden, schätze ich besonders. Es erspart mir mit der klebrigen Masse an mir aus Schweiss, Sonnencreme und Abgasen in den Schlafsack zu steigen.

An manchen Tage sehe ich wirklich nicht weit wenn ich am Morgen aus dem Zelt krieche. Doch heute ist massgeblich die dicke Wolkendecke daran schuld. Sie verschleiert die Sicht auf die umliegenden Berge. Bei der Fahrt zu Piggs Peak werden Erinnerungen an Novembertage geweckt, schweife aber bald wieder davon ab als ich merke, dass ich kurze Hose trage. Die frühe Morgenfrische ist bald vorbei. Der Nebel hat sich gelichtet und die Schweissperlen bilden sich wieder an gewohnter Stelle. Ich habe heute die Ehre über ein Meisterstück der Ingenieurstechnik zu fahren. Die ca. 50m lange Brücke ist mit ihrer Länge eher eine Seltenheit. Bei manchen Strassen und wie diese in die Natur gelegt sind, frage ich mich was in den Unterrichtssälen der Universitäten gelehrt wird. Die Technik die Strassen entlang von Wasserläufen zu errichten, um das Terrain mit dem geringsten Widerstand zu überwinden, fehlt wohl in den Unterlagen. In diesem Grenzgebiet zu Südafrika sie sind Profis Rohstoffe über Stollen an das Tageslicht zu fördern. Kilometer tief werden mannshohe Tunnel in die Erde getrieben um dem Reichtum ein Stück näher zu kommen. Doch diese Techniken auf den Strassenverkehr zu transferieren ist noch nicht gelungen. Es gibt für die Überwindung von Gebirge nur den Weg darüber hinweg. Anyway, das hoch liegende Piggs Peak ist zu Mittagszeit erklommen. Eine kurze interessante Begegnung mache ich am Nachmittag. Ein Motorradfahrer kündigt mir einen weiteren Tourenradler an, der mir auf meiner Strecke entgegen fährt. Als er auf dem Schotter um die Kurve daher geholpert kommt, stelle ich mein Bike quer zum Hang und halte, um uns ein wenig zu unterhalten. Er stellt sich als Jacques aus Frankreich vor und ist schwer beladen. Er führt sein ganzes Hab und Gut mit. Seine Geschichte fasziniert mich. Ich wäre jetzt derjenige der einen ganzen Abend fragen stellen könnte. Seit 1994 erkundet er mit Rad die ganze Welt und lebt sein Leben als Tourenradler. Alle 7 Jahre kehre er nach Frankreich zurück, wo er sein Haus vermietet, womit er seine Kosten deckt. Aktuell kommt er aus Australien und will wie ich in den Norden von Afrika vordringen. Wir tauschen noch die Schlafplatzinfos von vorletzter Nacht aus und gehen wieder getrennte Wege. Viele meiner Fragen bleiben damit unbeantwortet. Vielleicht treffen wir uns nochmals. Weitere Höhenmeter später kehre ich über den Grenzübergang Bulembu zurück nach Südafrika.



Durban - Swaziland South Border
◴ 14. April 2014 - 25. April 2014 (Veröffentlicht: 7.05.2014)
Mein letztes Camp direkt am Meer für eine längere Zeit an der Salt Rock Beach.
Suedafrika
Am Morgen nach der Ankunft in der Millionenmetropole sehe ich wo ich am Abend zuvor gelandet bin. Das Backbackers liegt auf einem dieser Vorstadthügel, die kurz vor dem Meer enden. Die gute Aussicht auf die Hochhäuser und die kilometerlangen Sandstrände entschädigen mich dafür, dass ich jeweils am Abend, entweder zu Fuss oder mit meinem Göppel, zurück in mein temporäres Zuhause hoch kommen muss. Ich besichtige das Maritime Museum, lerne dort einiges über die Geschichte der Hafenanlage und laufe durch die Schiffsbäuche zweier Schlepper und ein mit Schlagseite ankernder Kriegsdampfer. Grosses Interesse habe ich natürlich an den Segelbooten die hier ankern, entdecke jedoch keines unter Flagge fernen Landes. Meine Liste der Dinge die zu Erledigen oder Organisieren sind, ist lang. Ich hoffe fehlende Teile zu finden, denn so manches Containerschiff legt hier an und bereichert nähere Umgebung und insbesondere die Stadt mit Gütern aus aller Welt. Ich versuche die ersten fehlenden Teile zu beschaffen. Halte Ausschau nach meinen Birkenstockfahrradschuhen, doch ohne Erfolg. Es ist mühsam mit dem Fahrrad an der Seite schiebend durch die verstopften Strassen im Zentrum vorwärts zukommen. Nach einer Stunde bin ich K.O. Kaufe das Nachtessen und Frühstück ein und mache mich wortwörtlich aus dem Staub. Am nächsten Tag bringt das Wetter Regen. Es zwingt mich zu Rasten und hilft wieder Energie zu tanken. Ich Liege herum, Lese und Quatsche viel. So richtig Entspannen stelle ich mir anders vor. Das zweite Mal bin ich zu Fuss in der Stadt unterwegs. Ich schlendere durch den Victoria Markt, der mir alles andere als interessant erscheint. Viel spannender sind die Markstände oder Bretterbuden nebenan. Das Marktquartier mit der Naturheilmedizin hat vollkommen meine Aufmerksamkeit geweckt. In grossen Metalbehälter werden mit Eisenstangen ganze Waldböden, Kräuter, Wurzeln, Blätter und wohl ab und zu ein Kleintier zermalmt. Das ist Fitness. Ich hebe einer dieser Mörserstäbe an. Schätze gut 15kg die bei jedem Schlag angehoben werden müssen und auf diesen Naturcocktail niederdreschen. Wie viel Wirkstoffe wirklich enthalten sind und wie viel Hokuspokus dazu gehört bleibt das Geheimnis des jeweiligen Druiden. Etwas gewissenhafter wurde die Science Ausstellung im Naturmuseum in der City Hall gestaltet. Diese bietet einen guten Überblick über das Tierreich Südafrikas und die Entstehungsgeschichte aus der Sicht der Naturwissenschaften. Ausführlich wird über die Problematik der Jagd auf Nashörnern geschrieben. Der Kg-Preis pro Horn auf dem Schwarzmarkt ist höher als derjenige von Gold und bringt damit immer noch Wilderer auf die Idee diese Tiere zu jagen. Unwissend dass der Bestandteil eines Horns nicht mehr als die Materialien eines menschlichen Fingernagels enthält, wird die Heilung durch Nashornpulver vor allem in Südostasien weiterhin gross geschrieben. In Vietnam wird das Pulver immer noch in ca. 50 Spitälern zur Heilung aller Art herbeigezogen.

Zu Fuss gelingt es mir einige Punkte auf der Liste zu erledigen. Ich habe einigermassen fahrradtaugliche FlipFlops gefunden und eine neue SIM Karte für Südafrika steckt in meinem Ersatztelefon. Es kommt billiger sich eine SIM Karte zu kaufen, als für die Kommunikation die Schweizer SIM Karte zu benutzen. Für das Eis im KFC reicht es dann nicht mehr. Das lose Geld in meiner rechten Hosentasche ist alle und Oh Schreck mein Portemonnaie nicht mehr in der Tasche. Auch das zweite Mal die Tasche zu durchwühlen hilft nicht. Ich muss mich damit Abfinden, dass lange Finger meinem Geldbeutel zu nahe gekommen sind. Natürlich verärgert, spreche ich nun ein paar Worte Schweizerdeutsch mit der Dame vom Card-Service und staune, dass das Bestellen einer neuen Karte nur ein paar Mausklicks entfernt liegt. Kann passieren und lehrt mich nur mit Bargeld herum zu stiefeln. Am nächsten Morgen mache ich mich, nur ausgerüstet mit Bargeld aus dem Depot, auf in die Stadt und steure das uShaka Seaaquarium an. Kein Einlass mit Picknick bzw. mit meinem Brot im Rucksack. Rüebli, Tomaten und Banane sind ok. Das Brot wird mir zum Verhängnis ☺. Gründe sehe ich keine, oder wollen sie das Fische füttern verhindern?!? Janu, ich laufe entlang der Strände zum zur Fussballweltmeisterschaft neu eröffneten Stadium. Über eine Stahlkonstruktion kann das komplette Stadion überquert werden, jedoch wie ich vor dem Eingang merke, nur an Wochenenden und zu spezifischen Zeiten. Mein Picknick ist jetzt zwar verzerrt aber für das Aquarium ist es zu spät. Wieder mal ein Janu und bin irgendwie froh in keines der beiden Geld investiert zu haben. Der uShakavergnügungspark gleicht einem Disneyland, der hier neben bröckelnde Hochhausfassaden nicht hinpasst und im Stadium fanden im Ganzen 7 WM-Spiele statt. War es der Bauaufwand wert? Mich faszinierte die Stahlkonstruktion und ich finde es positiv, dass solche Projekt an Orten wie diesem, trotz aller Sorgen des Landes, die ich hier in Durban mehr als sonst wo zu hören bekomme, realisiert werden können. Die Themen wechseln zwischen Korruption und Crime. Ich erwähne, dass in meinem Heimatland diese Themen eher selten zur Sprache kommen. Ein gutes Zeichen, ist doch das Erzählte bzw. Diskutierte ein Spiegel der Gesellschaft. Hier ist das Paar Crime&Corruption omni present, wobei in westlichen Hemisphären eher extreme Verbrechen für ein paar Tage wahrgenommen werden. Am letzten Tag finde ich ein gemütliches Plätzchen im Yachthafen. Ich entspanne und plane meine Weiterfahrt. Etwas wehmütig schaue ich den Yachten zu, die sich vor mir mit Windkraft durch die Hafenbucht bewegen. Solch ein Abenteuer muss ich Mal in Angriff nehmen, von Insel zu Insel, von Hafen zu Hafen. Klar das Bike kommt dann aufs Boot ☺. Meine Träumerei wird schlagartig beendet, als ich den Plattfuss am Vorderrad bemerke. Natürlich habe ich kein Flickzeug dabei. Bravo! Ich schiebe mein Bike durch die ganze Stadt und natürlich die Strasse hinauf ins Backbackers zurück. Jetzt ist es definitiv. Ich will weiter. Viel Erholung hat mir die Stadt nicht geboten und mehr genommen als gegeben.

Ich sitze an einem Wasserloch auf einem Sofa im Hlane National Park in Swaziland und Schreibe. Die Nilpferde vor mir spritzen sich zur Kühlung ab und an Wasser mit ihren Schwänzchen auf den Rücken. Der Rest von ihnen ist unter dem Wasser. Die Nashörner suhlen im vorgelagerten feuchten Schlamm. Aus dem Dickicht tönen Brunstrufe der Hirsche und die Elefanten gönnen sich ein Bad zum Abkühlen. Es ist Mittagszeit, die Natur entspannt, alles geht gemächlich afrikanisch voran.

Nicht besonders erfolgreich komme ich in den nächsten zwei Tagen einige Kilometer voran. Ich folge der Küste und nehme mir ein Tag Zeit das Baden im kühlenden Meer zu geniessen. Das nächste Mal werde ich erst wieder in Tansania die Badehosen anziehen. Es ist Ostermontag, viele Gäste brechen auf in ihren Alltag zurück. Als ich vom Strand zurück komme, steht da ein Kohlesack an meinem Fahrrad, 5kg schwer. Gut gemeint frage ich mich was ich mit dem soll. Ein Grill habe ich nicht dabei und 5kg Holzkohle Zusatzgewicht, Nein Danke. Schlussendlich endet er als Rückenlehne in meiner Outdoor-Wohnstube zum Lesen. Mit neuer Kraft radle ich Nordwärts, vorbei an vielen Zuckerrohr- und Waldplantagen. Letzteres Produkt wird nach China verschifft. Holz aus Übersee?!? Zum zViäri gibt es jeweils direkt am Strassenrand Ananas. Diese löschen den Durst und rüsten mich mit neuen Kräften für die letzten Kilometer bis zum Schlafplatz aus. Die Grenze zu Swaziland kommt näher. Am Vorabend radle ich die Highwayausfahrt hoch, durchaus froh den 40 Tönnern endlich zu entkommen. Dabei werde ich nach meinem Schlafplatz gefragt. Mein Gesichtausdruck müde und ratlos, bringt mein Mund ein: „I dont know.“ hervor. Okey ich solle ihrem Pickup folgen bis zum nächst möglichen halt. Dort drückt sie mir ihre Visitenkarte vom Guesthouse in die Hand und lädt mich zum Gratisübernachten ein. Was für ein Geschenk nach einem Tag Nationalstrasse und dem Unwissen über den Schlafplatz für die Nacht. Es kommt noch besser. Kurz nach dem Absteigen überzeugt sie mich mit ihrem anderen Gast morgen in den Nationalpark für einen Gamedrive zu fahren. Das kann ich nicht ablehnen. Es wird meine erste Erkundungsfahrt in einen Nationalpark und kann direkt von meinem Bett in den „Safaribus“ einsteigen. What a pleasure ☺. Ich sichte dabei mein erstes Grosswild in „freier Natur“. Das Nashorn liegt noch müde im Schlammloch und döst vor sich hin. Es macht keine Anstalten sich zu erheben, als wir mit dem 4x4 SUV daran vorbei tuckern. Auf dem höchsten Punkt im Park nehmen wir unser mitgebrachtes Frühstück ein. Die weiter unten stehenden Giraffen essen Blätter von den Bäumen, wir Müesli und Gemüsekuchen. Was für ein Erlebnis! Für mich ein Genuss, ist die Gastgeberin und der Gast ein wenig enttäuscht über die Ausbeute der Fahrt. Sie erzählen aus ihren Gamedrive-Geschichtenrepertoire. Ich denke mir, so reich an Tieren muss Afrika wohl vor Hundert Jahren gewesen sein. Was die alles schon gesehen haben. Ich verweile ein Tag und geniesse das Zimmer mit Küche und Bett. Am nächsten Morgen komme ich mit einem weiteren Tier in Kontakt. In ihrem Garten leben kleine Chamäleon, die sie für 10 Rand von ihren Findern abkauft und ums Haus ansiedelt. Sie entkommen so ihrem Tod durch die schreckhaften Nachbarn. Eines klettert an meiner Hand hoch und lässt sich aus nächster Nähe beobachten.

Heute passieren mich viele SUV’s mit Bootsanhänger. Wo gehen die alle hin? Wohl Fischen und Campieren. Ich will Campieren, was mir wunderbar gelingt. Ich finde die Stelle wo sie ihre Boote wassern und versuchen die Tiger Fisch in diesem Stausee vor der Grenze zu Swaziland zu erwischen. Anstatt in der Stadt Pongola zu campen, steuere ich das nahe gelegenen Naturreservat Pongola an. Mich lassen die Parkranger nach einem Telefonat mit dem Chef zum 2.5km vom Eingang entfernten Campingplatz fahren und kann die Nacht wunderbar in der Natur verbringen. Vor mir grunzt ab und zu ein Nilpferd und zwei Zebras empfangen mich beim Einfahren in das Campingareal. Ich freue mich, dass in diesem Teil von Südafrika mir die Natur näher kommt. Besonders nach dem hektischen Durban freue ich mich über die Tiere denen ich in nächster Nähe begegne. Zu welchen Tieren die ca. zwei Dutzend Augenpaar gehören, die beim Blick mit der Stirnlampe ins Dunkle aufleuchten, kann ich nur erahnen. Sie sind scheu und grasen hinter meiner Rücken in für mich sicherer Entfernung. Guten Appetit!
Rick zähle ich zu einen meiner weiteren Glückstreffer was die Schlafmöglichkeiten anbelangt. Ihm begegne ich am Morgen beim Verlassen des Campingareals zweimal. Schon einige Meter entfernt, leuchten die Rücklichter auf und er kommt rückwärts zu mir zurück gerollt und bietet mir schon am Morgen sein Zuhause im Nachbarland Swaziland als Übernachtungsmöglichkeit an. Ich nehme gerne an und überquere anschliessend ohne weiteres die Grenze zum dritten Land.



Sanipass - Durban
◴ 9. April 2014 - 13. April 2014 (Veröffentlicht: 15.04.2014)
Zurück in Südafrika nach der Sanipassfahrt.
Suedafrika
Zurück auf der Piste in Südafrika wird die Strasse bald flacher und oh Wunder, nach einer letzten Kurve sehe ich die schwarz festgetrocknete Masse die hier in die Natur eingegossen wurde. Was für ein Rollen auf diesem Belag. Keine Beschwerden um anständig voranzukommen. Ich denke an die Römer, die mit Strassenbau massgeblich zur Besserung ihres Alltags beigetragen haben und wir die Idee vom Wegebau von A nach B bis heute nutzen. Am nächsten Tag kurble ich wie wild darauf los. Wahnsinn welche Geschwindigkeiten ich wieder erreiche und welches Warenangebot mir zur Verfügung steht. Ich finde eine fruchtbare Gegend vor. Viele Farmen und kleine Süsswasserteiche zieren die Landschaft. Die Drakensberge im Hintergrund lassen das Panorama pompös erscheinen. Ich bemerke, die Maisstauden sind hier fast ein drittel grösser als in der Bergregion und die Kühe halb so mager. Oft sichte ich Trucks von Nestle, die wohl hier Grundwasser abführen, um es anschliessend verpackt in PET Flaschen zu verkaufen. Wenn das Thema interessiert, wird im Film Bottled Water fündig. Auf halber Strecke kommen grosse Waldflächen hinzu. Hier wird industriell aufgeforstet und gerodet, um den Holzbedarf der Nation zu stillen. Gerade als in mir der Wunsch nach einem Schlafplatz aufkommt, lese ich auf einem Schild Bosten-T-Party – Camping. Ich biege in ein wunderbares Anwesen ein. Riesige Rasenflächen. Ansehnliche Gebäude und die netten Inhaber begrüssen mich mit offenen Armen. Das wichtigste wird gerade bei Ankunft, ich noch auf dem Fahrrad sitzend, geklärt. Wo Zelt aufbauen, wo die Dusche und das nächste Bier zu finden sind. Sie lesen meine Wünsche aus den Augen ab. Ich soll doch wenn ich soweit bin in die Bar kommen. Klar komme ich, durstig bin ich immer nach 100km. Schnell kommen wir ins Gespräch. Das Paar hat für etliche Jahre ein Fahrradrennen von Kairo nach Kapstadt mitorganisiert. Zeltstädte gebaut, gekocht und sonst noch was alles für einen solchen 4 monatigen Anlass gebraucht wird. Da bin ich ja genau am richtigen Ort gelandet. Tipps und Tricks werden ausgetauscht. Beide sind bereist und ihr Horizont geht über die Schwierigkeiten von Südafrika hinaus. Der dritte an der Bar ist Alfi. Sein Grossvater noch Deutsch ist er geboren in Südafrika und hat zu dies und jenem immer eine Geschichte bereit. Er berichtet viel über Damals und Jetzt der Situation im Lande und kippt sich die eine oder andere Büchse Bier hinter die Binden. Nach dem zweiten Tag habe ich den Dreh raus, um die wichtigen Satzteile von ihm aufzunehmen und die überdimensionierten auszuklammern. Mir gefällt es hier sehr gut. Ruhig, die lieben Gastgeber und das grosse Platzangebot machen wir es schwer, diesen Ort zu verlassen. Ich bleibe drei Nächte und warte bis mein Wunsch zum Vorwärtskommen im Frontallappen angekommen ist. Die Tage diskutiere ich viel mit Roery und Sue, löse ihre Computerprobleme, schreibe Artikel, versinke in den Tiefen des Internets, lerne die Rugby Spielregeln kennen und sie offerieren mir alle Abenden an ihrem Nachtessen teilzuhaben. Sie freuen sich einen International zu bewirten. Einfach wunderbar und erholsam. Besonders erstaunt bin ich über die Geschichten zum Aufbau des Anwesens. Ausser dem Wohnhaus haben sie alles selber aufgebaut. Ein Partyraum mit Bar, zwei Küchen, Schlafräume und ein Gebäude mit Schlafzimmern für die Übernachtungen. Gesetze ob man es darf oder welche Farbe der Zaun haben muss, gibt es praktisch kaum und wenn stört das schon auf 25 Quadratkilometer Land. Am dritten Tag schaffe ich es mein Drahtesel auf Kurs Richtung Durban zu bringen. Der Versuch direkt auf dem Highway in die Stadt zu radeln scheitert kläglich. Nachdem ich jegliche Sorten verbrannten Petrols in meiner Lunge zugeführt habe, weiche ich auf Nebenstrassen aus. Kurz vor dem Ausfahrt lerne ich noch Robertson kennen. Er bremst sein Wagen auf dem Highway vor mir scharf aus, erzählt von seiner Velotour im Sommer von Portual bis nach Istanbul, bietet mir ein Schlafplatz an, drückt mir 80 Rand in die Hand und verschwindet so schnell wie er angebraust kam wieder. Vor Durban gibt eine eine Unmenge von Hügeln. Mir kommt das Appenzellerland in den Sinn. Eine Route heisst 1000 Hills. Ich kann dieser bis ins Zentrum folgen und finde bei Dunkelheit das angepeilte Backpackers wo ich campiere. Ich komme nicht recht an, etwas erschöpft und müde quatschen die Anwesenden daraus los. Ich verziehe mich erstmals in die Dusche und lege mich ins Zelt. Eine Nacht kehrt öfters den Blick auf die Dinge. Hier geschieht das nicht. Ich bin froh dass der Drahtesel mich quer durch die Stadt chauffieren kann. Nach einem Besuch im Maritime Museum inklusive Yachthafen und im Einkaufsladen trete ich die steile Rückfahrt an. Die ersten Stichstrassen bekommt man gleich nach dem Stadtzentrum zu spüren. In diesem Backbackers sind Arbeiter statt Reisende zuhause. Die lockere Reisestimmung fehlt, ich erfahre dafür etwas über ihren Alltag. Zwei Teams für Liftmontagen hausen hier. Ein Team aktiv in der Nacht, übernehmen die Anderen die Arbeit am Tag. Ich habe mich entschieden einfach mal zu sein. Lesen, Schreiben und die eine oder andere Reparatur vornehmen, steht an. Die Wolken entleeren sich sowieso gerade und die Entscheidung fällt auf Velopause.



Port Elizabeth (PE) - Makhaleng Bridge (Border to Lesotho)
◴ 24. März 2014 - 31. März 2014 (Veröffentlicht: 15.04.2014)
Anfahrt zum Zoll von Lesotho (Makhaleng Bridge).
Suedafrika
Ein letztes Abschiedswinken bei der Ausfahrt des Backbackers und ich biege auf die Hauptstrasse ab, die mich zum Highway und dieser aus Port Elizabeth führt. Nach 2km scheint die Fahrt schon beendet zu sein. Stehe vor einem grossen Gittertor. Hab mich wohl verfahren und das auf einem Highway. Kann schon mal passieren wenn man dauernd nach Glasscherben ausschauhalten muss und damit die Richtungstafeln nicht mehr im Blickfeld hat. Naja ich bin wieder auf Kurs und denke die 130km werden wohl eher zu den unspektakuläreren gehören. Kurz später knallen 1cm grosse Tiere gegen mich. Ich bremse und identifiziere diese als Bienen. Tatsächlich bin ich mit einem Bienenschwarm kollidiert. Zum Glück haben beide Parteien keinen Schaden davon getragen. Sie hielten ihre Stachel zurück und waren verwundert nicht an einer Windschutzscheibe zu kleben. Im Eiltempo verabschiedeten wir uns und setzten die Reisen in entgegengesetzten Richtungen fort.
Meine Strecke führt durch den Addo Elephant Park. Ich komme in ein Tropengebiet. Das bedeutete fast der K.O. Schlag. Muss mich am Nachmittag neben das Rad legen und dösen. Bin überrascht worden mit diesen feucht schwülen Wetterbedingungen. Ich raffe mich wieder auf und fahre weiter über diese afrikanischen Doppelbusen. Sie liegen hier zu duzenden auf meinem Weg nach East Londen. Man steht oben, sieht das Ende und das Dekolleté das zu bewältigen ist. Etwa 3 – 4 km lang erstreckt sich so eine Hügelpartie. Minimum 1 Minute hinunter und 15 Minuten, um wieder oben anzukommen und das den ganzen Nachmittag lang. Das noch nicht genug, prüfe ich mein linkes Pedal. Es knarrt schon am Tag vor der Ankunft in Port Elizabeth. Ich denke an ein Lagerschaden. Kann vorkommen bei meiner Pedalpreisklasse. Da rüttle ich am Pedal und Kurbel und halte beides in meinen Händen. Gibt’s doch nicht. Die Schrauben sind locker, ziehe sie wieder an und kann zum Glück weiterfahren. Doch wie kann das passieren? Es fehlt eine Abdeckungsschraube für das Tretlager und die Schrauben für die Kurbelbefestigung waren gelöst. Das gleich drei Schraubverbindungen durch Vibrationen gelöst werden kommt mir afrikanisch vor. Denke da lies grösseres Interesse an meinem Antrieb die Schrauben lockern. Nach langem umherirren im Dunkeln finde ich den Caravan Park nach 140km in Bushmans River. Stelle mein 2x1.6m grosses Zuhause auf und falle nach 250g Nuddeln im Magen, nuddelfertig in ein Tiefschlaf. Morgens stehe ich früh auf und folge weiter ostwärts. Das mit dem Frühaufstehen wiederspricht eher meinem Naturell, doch die Hitze ist am morgen noch mässig und vereinfacht das Vorwärtskommen. Viele 40 Tönner passieren mich auf dieser Strecke nach East London. Ein Pannenstreifen fehlt und ab und zu weiche ich von meiner Fahrspur weil es zu brenzlig wird. Hier kommt mir zu gute das die Abgasanlagen an den Lastwagen rechts montiert sind. Die entstehenden Stinkwolken werden beim Überhohlen auf die andere Fahrspur gepustet. Ich kann gesund durchatmen. Weit vor mir entdecke ich unbekannte Konturen. Ein Pferd mit Reiter? Eine Dame mit Waren auf dem Kopf? Nein, tatsächlich kommt mir ein Fahrrad mit Packtaschen montiert entgegen. Der Erste Tourenradler dem ich begegne seit Kap Start. Lukas, Amerikaner, startete in Johannesburg und will nach Capetown. Wir tauschen Infos über Schlafplätze und plaudern wie schön das Radeln ist. Das Gespräch motiviert mich und mit Mitwind fahre ich im späteren Nachmittag in East London ein. Hätte ich selber nicht gedacht schon nach zwei Tagen die nächste grössere Stadt erreicht zu haben.

Kurzer Einschub zu meinem Arbeitsplatz: Der folgende Abschnitt entsteht in einem Krankenhaus. Nicht das ich krank wäre, sondern ich darf hier übernachten. Mit der Frage ob ich hier mein Zelt im Vorgarten aufstellen darf, wird mir gleich ein Zimmer angeboten. Auf 2000m kann man so ein Angebot nicht ablehnen. Die Nächte auf dieser Höhe sind kühl. So sitze ich nun auf meiner Krankenpritsche, die als Gästebett dient und verbringe die Stunden vor dem Schlafen mit Schreiben.

Campieren ist in East London nicht möglich und beim gefundenen Backpackers sind die Fenster zugenagelt. Es war einmal. So betrete ich das nächst beste Guesthouse und steige damit in die nächst höhere Preisklasse meiner bisherigen Beherbergung. Die Dusche und das weiche Bett tun gut. Schon am nächsten Morgen ziehe ich weiter, um mein Portemonnaie nicht zu strapazieren und mein Reiseführer über Südafrika lobt die Stadt nur mässig. Ich steige auf 1600m auf und kann 1200m von diesen am Abend behalten. Das war meistens an der Küste nicht der Fall. Aufstieg gleich Abstieg, alle Anstiege umsonst. Ich folge der N6 in Richtung Norden. Der Plan auf Nebenstrassen die Grenze zu Lesotho erreichen verwerfe ich bald. Der Belag auf dem Pannenstreifen ist perfekt, Verkehr mässig und die Landschaft anschaulich. Mit 100km am Tag komme ich gut voran. Weitsicht ist auf dieser Strecke garantiert. Fahre durch riesige Talebenen, wo am Horizont das Ende der Strasse schon bei Einfahrt in den Talkessel zu erblicken ist. Einmal mache ich kehrt. Dieser Leckerbissen darf mir nicht entgehen. Eine Schubkarre voll Ananas steht am Strassenrand und eine davon gehört jetzt mir. Frisch zubereitet schlinge ich sie hinunter. Wie süss und lecker die schmecken nachdem vorangehenden Anstieg. Würde gleich eine zweite verdrücken, bin aber ein wenig gebläht von der Ersten. Ich kurble weiter, vorbei an Rundhäusern und Schulkindern die in ihren Uniformen von weitem zu erkennen sind. Das mit den Caravan Parks bzw. Campingplätzen scheint hier vorbei zu sein. Ich versuche in einem Bed&Breakfast ein Zeltplatz zu bekommen. Beim Ersten klappt es und ich darf unter deren Wäscheleinen im Backyard nächtigen inklusive Bad und Küche von einem ihrer Gästezimmer benutzen. Danke schön! Viele unterstützen mein Vorhaben und sind interessiert. Meist verrate ich nicht die ganze Route. Nicht jedes Vorstellungsvermögen kann dies in vollem Umfang erfassen. Ehrlich gesagt meines auch noch nicht. Ich lerne gerade wie breit Südafrika ist und stelle mir ab und zu vor welche Strecke ich noch vor mir habe. So ist in diesem Reiseabschnitt mein aktueller Startpunkt Kapstadt und der Zielort Durban. Schon das bringt manches Kopfschütteln mit sich und die Frage ob ich noch ganz normal wäre folgt sogleich.
Ich rücke näher an die Grenze zum Königreich Lesotho vor. Noch zwei Tage und dann Its done. Mit diesen Gedanken steige ich am dritten Tag ab East London in den Sattel und werde kurz nach dem Znüni von Gegenwind ausgebremst. Nichts Neues, aber wie dieser auf dieser flachen Ebene angebraust kommt, das kenne ich nicht. Mein Tachometer pendelt zwischen 7 und 9km/h. Bei 5km/h würde ich umfallen. Ich lese die Karte, möchte wissen wann die Strasse den nächsten Knick macht und entdecke den Namen Stormberg, der diese Region bezeichnet. Ja Bravo, denke ich mir, und lehne mich erst mal an einen Baum zum Mittagessen. Mentales Mittagessen nenne ich das. Den vor mir liegt eine Passstrasse in Windrichtung. Irgendwie geht auch diese an mir vorbei und ich stehe nach zwei drei Serpentinen auf einer neuen Hochebene, die den Höhen in Lesotho schon gerechter wird. Rouxville heisst mein letzter Lagerplatz vor Lesotho in Südafrika. Der hier im Bed&Breakfast angestellte JJ, so wie er sich nennt, schenkt mir eine Mütze mit dem Hinweis es kann ganz schön frisch werden in den Bergen. Schlafen kann ich hier wieder im Vorgarten und die Dusche der Hausbesitzer benutzen. Ich lerne die Südafrikaner als sehr gastfreundliches und hilfsbereites Volk kennen. Die Kehrseite dazu sind die Ärmeren, von denen mancher bei mir das Glück versucht an ein 5 Rand Stück zu kommen. So auch dieser verwahrloste Typ der sich beim Mittagessen zu mir setzt. Tatsächlich kommen ein paar Brocken Englisch zustande. Ich vertilge genüsslich mein Mittagessen bis dieser sich eine Blechdose an den Mund setzt und kräftig inhaliert. Erst verwirrt was das ist, nehme ich den Geruch von Leim war. Oben und an der Seite ein Loch in die Büchse und die Dämpfe können in die Lungenflügel gezogen werden. 5 Rand kostet das Stück. Er versucht so sein Alltag zu überstehen, ich mit meinem Mittagessen den folgenden Nachmittag. Ich kriege noch zwei Bissen hinunter und muss mein Mittagessen verschieben. Die Gedanken an ihn begleiten mich noch in den Nachmittag hinein, bis ich mich wieder auf die Steine auf der Piste konzentrieren muss. Eine Pistenfahrt kann mit einer Art Slalomparcour um Bollensteine herum verglichen werden. Ein Mountainbike wäre hier angebracht.
Das Zollgebäude ist nun in Sichtweite, mein Pass bereit für einen neuen Stempel. Auf dem letzten Kilometer joggt eine Mutter mit ihren Kindern mir entgegen und fragt ob ich den heute noch die Grenze passieren möchte. Auf mein Ja, folgt die Erklärung das der Zoll um 16:00 dicht gemacht hätte, ich könne jedoch bei ihnen unterkommen und morgen früh passieren. Auch dieses Angebot kann ich nicht ausschlagen. Ich bekomme das Gästezimmer und werde mit wunderbarem Bohnenkaffee aus einer Kaffeemaschine versorgt. Nespresso ist hier nicht im Einsatz, aber BOSCH tut es auch. Wir schauen uns gemeinsam meine Route durch Lesotho an. Er findet sich auf meiner 1:1.8 Mio. Südafrikakarte nicht zurecht, findet aber in seiner Kartensammlung eine Detailliertere. Jene Stelle die er mit einem Grinsen kommentiert: „You gonna to climb here my friend!“, werde ich wohl nie vergessen. Am Ende der Routenkunde drückt er mir die Karte ihn die Hand und überlässt mir diese als Geschenk. Die Familie lebt eher in der Oberklasse. Sie exportieren Hagenbutten Tee aus Lesotho nach Deutschland wo dieser verpackt und verkauft wird. Ihr Anwesen und die Garage ist gross. Am Morgen kommen Kindermädchen, Hausfrau und Gärtner, welche die lästigen Aufgaben des Alltags übernehmen. Ich profitiere auch davon, kann alles hinter mir lassen und das nun geöffnete Grenztor passieren. Eine Brücke führt über den Grenzfluss, wo am anderen Ufer mir der Einreisestempel in den Pass gedrückt wird. Welcome in Lesotho sind die ersten Worte die mich Empfangen.



Kap Start - Port Elizabeth (PE)
◴ 8. März 2014 - 23. März 2014 (Veröffentlicht: 11.04.2014)
Die Bibliothek in Port Elizabeth ist gut erhalten im Baustil der Kolonialzeit.
Suedafrika
Volle Kraft voraus, heisst es an diesem dritten Tag auf dem Drahtesel. Ich starte aus Simons Town Richtung Muizenberg, ein Vorort von Kapstadt. Wacklig fühlt sich das Rad an. Habe mich noch nicht an die Kilos rund um mich gewöhnt. Dort drehe ich nach Osten ab und Empfange ein frischer Wind der gegen mich hält. Trete und trete wie wild. Das sollte man unterlassen. Es raubt einem alle Kräfte. Das merke ich in meiner noch unkonditionierter Form schon nach 25km. Mit Schokoriegeln und sonstiger energiespendender Nahrung, schaffe ich es trotzdem bis nach Gordons Bay, wo ich im Municipal Campground zum ersten Mal mein Zelt aufstellen darf. Mir kommt es zwar komisch vor. Der Securitywächter verlangt 150 Rand, wir einigen uns bei 100 Rand. Spät Abends lässt er vermerken das ich vor 7:00 Uhr den Platz verlassen muss. Noch ungeübt im Verhandeln sag ich Ok dazu. Damit wandern wohl die 100 Rand in seine eigenen Taschen. Welcome Africa! Doch ich bin einfach froh den ersten Schlafplatz gefunden zu haben. Die anderen Anwesenden stören mich wenig, obwohl Dreien von denen je ein Discozelt auf ihrer Parzelle aufgestellt haben und sich darin an lauten Elektrobeats erfreuen. Der Mr. Gegenwind hält auch die nächsten zwei Tage an. Bei so einem Start kommen dann öfters Gedanken zur Umkehr, Abbruch und dann und wann einfach nur Frust. Janu, da muss ich wohl jetzt durch und trete einfach solang es geht. Mein erstes Ziel, ein Vorort vom südlichsten Punkt von Afrika erreiche ich am dritten Tag nach 130km Gegenwind inklusive 50km Schotterpiste im Dunkeln. Mein Magen knurrt nur noch und ich schiebe dauernd Energie mit Snickers, Äpfel, Brot, Käse und Backwaren nach und am Abend passen trotzdem locker noch 250g Nuddeln rein. Am südlichsten Punkt trennen sich der indische und der atlantische Ozean. Bei der Anfahrt folgt mir ein unbekannter Kumpane auf seinem eigenen Fahrrad. Er denkt sich wohl wie langweilig es sein muss, diesen etwas öden Ort alleine zu besuchen und folgt mir auf Schritt und Tritt, wie auch auf die Fotos und verlässt mich erst wieder am Dorfausgang. Wir wechseln kaum ein Wort. Er spricht Africaans und kaum ein Wort Engisch, was in dieser Region eher eine Ausnahme ist.
Bin froh verlasse ich die windige Kapregion, die auch bei Seglern wegen den Winden gefürchtet ist und erreiche am Abend durchnässt Swellendam. Vom Wetter nicht allzu begeistert und mein linkes Knie fing an zu zicken, mache ich hier ein Tag Pause.

Auf der Strasse wird mir oft zugewunken, dezent zugehuppt, der Daumen hoch gestreckt und sehr freundlich immer ausgewichen sofern dies möglich ist. Manchmal sogar eine Fahrspur breit. Das habe ich nicht erwartet. Sogar die Motorradfahrer winken oder erheben sich aus ihren Satteln, um dann einhändig zu lenken und mit der anderen zu winken. Touristen erkenne ich in ihren Fahrzeugen als solche, weil beim Anblick von mir mit Rad ihre Kiefer hangen und ein freundlicher Gruss bei ihrer Verwunderung nicht mehr Platz hat. Manchmal dümple ich in Dörfern stehend auf den Pedalen dahin und halte dann und wann bei einem der mich anspricht für einen kurzen Schwatz. Dies ist möglich, weil FAST jeder Englisch spricht. Dabei interessieren meistens die Zahlen und die Orte von denen ich komme und wohin ich will. Bei der Frage ob der rote Behälter unten am Fahrrad ein Feuerlöscher ist, verkrampft sich meistens meine Backenmuskulatur. Nein, ein Feuerlöscher habe ich nicht dabei für den Fall dass mein Bike abfackeln sollte. Im Gegenteil es ist die Benzinflasche für mein Kocher. Ab und zu muss ich Bleifrei 95 tanken.

Über den ersten Pass erreiche ich die Region Little Karoo. Eine eher wüstenartige heisse Region im Innern des Landes. Erste Destination Warmwaterberg. Warm und Wasser heisst meistens warme Quellen. Ich finde drei Swimmingpools vor, besetzt mit Reumapatienten, die ihre Schmerzen mittels heissem Wasser lindern wollen. Zu meiner Freude kreuzt kurz später ein Bus voller Mädels auf, die hier am Wochenende relaxen. Die Poollandschaft erhält dadurch ein besonderer Mehrwert und mein linkes Knie ist schnell vergessen. Trotz aller Schönheiten hier am Poolrand verlass ich diesen netten Ort und komme gut voran. Der Strassenbelag ist gut und Glasssplitter sind eher die Seltenheit. Am Morgen kühl, folgt am Nachmittag die Hitze. Mancherorts muss ich pausieren und den Schatten aufsuchen. Ich werde gebraten und die Kehle schreit förmlich nach Wasser. Gegen 16:00 steht die Sonne meistens tiefer und der Finish bis zum Schlafplatz ist meistens einer der schönsten Abschnitte des Tages. Fast jeder Ort bietet ein Campingplatz mit warmer Dusche an. Hoffen das noch ein warmer Tropfen aus den rostigen Leitungen kommt, muss man nicht. Warmwasser ist bis jetzt immer vorhanden. Ich nähere mich Outshoren. Köpfe auf langen Hälsen schauen mich verwundert und schüchtern beim vorbei fahren an. In dieser Region werden Strausse im grossen Stil gezüchtet. Ein Farmer erklärt mir wie schwierig es sei diese Tiere aus dem riesen Ei bis zum ausgewachsenen Vogel aufzuziehen. Unterschiedliche Farmen übernehmen dabei verschieden Zuchtphasen bis zum ausgewachsenen Vogelstrauss. Nach Outshorn gönne ich mir ein Tag Pause beziehungsweise ich fahre durch den Canyon Meiringssport. Heiss ist es hier, da kommt mir der Wasserfall mit vorgelagertem Naturpool gerade recht. Meine Gedanken machen Ausflüge ins Maggiatal. So sehr ähnlich sehen sich diese beiden Plätze. Ich bade ausgiebig. Keine Ahnung wann das nächste kühle Süsswasser Bad so einfach zu finden ist. Auf der Rückfahrt tummelt sich eine Gruppe von Baboons (Affen) auf den beiden Fahrstreifen. Sie haben mehr schiss von mir als ich vor ihnen. Sie weichen aus ohne ihre Zähne zu fletschen, wie man es von Hunden kennt.

Auf in die Geisterstadt Uniondale, so jedefalls nennen sie die Leute denen ich mein Ziel erwähne. Geister finde ich keine. Auch der ausgestorbene Caravan Park lässt mir keine erscheinen. Morgen kann ich die Badehosen wieder anziehen. Eine meiner schönsten Fahrten führt mich kurvenreich durch eine wunderbare Natur. Schotterpiste lassen mich nur langsam vorankommen. Auch der 16km lange Downhill belastet meine Bremsbeläge. Im Schritttempo fahr ich runter. Zu viele Steine und Potholes (Schlaglöcher) verunmöglichen eine rauschende Abfahrt. Etwas erschlagen und staubig sitze ich dann Mitte Nachmittags auf der Bank vor dem Supermarkt und fülle mir den Rachen mit allerlei Leckereien. Eine nette Dame setzt sich neben mich und quasselt darauf los. Im Mittelpunkt steht ihr Attraktionsbuch mit Rabatten für jegliche Aktivität rund um Plettenberg Bay. Ich müsse mindestens 5 Tage hier bleiben. Dies und das besuchen und unternehmen. Mir wird halb schwindlig dabei. Immer noch durstig und hungrig hör ich zu, kann sie zum Glück von der Idee eines dieser Couponbücher zu kaufen abbringen. Sie kann es kaum fassen dass ich nicht will und so verschwindet sie kurz darauf im nächsten Laden und bringt mir eine Handvoll Prospekte mit, die nach ihrer Meinung am ehesten für meine Unterhaltung der nächsten Tage dienen können. Mein Lieblings Prospekt habe ich behalten: Face Yourself Beauty. Sehe ich so angeschlagen aus, dass ich eine dieser Massageangebote mit Gurken auf den Augen und deren Dinge nötige habe? Dann ist endlich Schluss und ich kann genüsslich weiter Mampfen.
Tatsächlich habe ich bei meinem ersten Bad im indischen Ozean Wellen zum Bodysurfen. Einfach ein Genuss nach solch einem Tag. Am nächsten Morgen erwähnt der Caravan Park Besitzer wie günstig die Windlage heute für mich ist – Westwind – Genau nach Osten will ich, nach Jeffreys Bay und ich komme am Nachmittag mit diesen Bedingungen ins Rauschtrampeln. Super Belag und Mitwind bringen mich sage und schreibe 176km weit – persönlicher Rekord. Nach 8h lösche ich den Durst mit ein zwei wohl verdienten Hopfengetränke. Anwesend im Backbackers ist ein irgendwie verlorener Südafrikaner. Sein Name weis ich nicht mehr. Ich bekomme so viele Namen zu hören, dass der eine oder andere vergessen geht. Seine Figur gibt mir Aufschluss über seine Ernährungsweise. Malz, Hopfen gemischt mit Wasser und Fleisch en masse gehören wohl bei ihm zur täglichen Mahlzeit. Ich komme jedoch durch ihn zum Probieren von Billtong. Getrocknetes Fleisch zum kauen. Es gibt hier extra Läden für diese Fleischwaren. Die Liebhaber schwärmen von dieser und jener Würzmischung und sehen es als afrikanische Spezialität. Mich haut es nicht vom Hocker, auch wenn diese Form von Fleisch tatsächlich mit dem Fahrrad transportierbar wäre. Ich frage mich wo dieser nach den etlichen Bieren etwas rüde gewordener Kerl wohl sein Schlafplatz hat? Beim zu Bett gehen merke ich es. Wir beide teilen uns den Raum und die gute Nachtgeschichte, welche uns in Form eines laut aufgedrehtes Radio in den Schlaf wiegen soll. Er schläft ein und ich ziehe den Stecker.

Die Lichter von meinem erstes Etappenziel Port Elizabeth sind schon in der Nacht sichtbar. Ich sehe diese als ich den Hügel hinunter nach Jeffreys Bay rolle. Nächsten Tages um 7:00 in der Früh pedale ich los und geniesse nochmals Mitwind, der die geplante Ankunft in den frühen Nachmittag vorrückt. Ich bade im Meer und ziehe für die nächsten Tage in ein Backpackers ein. Das Backpackers-Volk ist mir eher unbekannt. Ich könnte dass nicht, ein Land von Stadt zu Stadt oder von Sightseeing zu Sightseeing bereisen. Zu gern bin ich On the road unterwegs. Doch ich freunde mich schnell mit dieser Art der Unterkunft an. Mir wird das durch den Pool und die kontaktfreudigen Mitbewohner erleichtert. Ich geniesse es wieder einmal mein Mundwerk zu betätigen, denn auf dem Rad bin ich nur für mich. Aus den unzähligen Gästen hat immer jemand eine Idee was zu tun ist. So ziehen wir umher und haben im Casino, bei der Gartenparty in der Nachbarschaft (mit Gumpischloss im Garten), beim Grillen (Braai hier genannt) und in den Clubs der Stadt unseren Spass. Tagsüber wurde im Pool geplantscht oder ich versuchte in den Yachthafen vorzudringen um mir ein paar Boote anzugucken. Leider vergebens, alles eingezäunt, wie auch fast jedes Anwesen hier in diesem Landesteil von Südafrika.

Angst herrscht hier über viele Bereiche des Lebens. So nehme ich das jedenfalls war. Angst vor der nächtlichen Autofahrt. Angst vor dem Nachbarn. Angst vor Kriminalität. Angst vor Hunden. Angst vor dem schwarzen und weisen Mann. Be carefull there, don’t do that, Don’t go there, finden sich oft in den Konversationen mit den Landsleuten. Die Rassentrennung ist immer noch sichtbar. Eher mühsame oder schwere Handarbeiten führen Schwarze aus und in jedem Dorf findet man eine abgespaltene Häuseransammlung deren Bewohner wiederum Schwarze sind. Nach der Hautfarbe wird hier so gut es geht nicht mehr getrennt, dafür nach arm und reich. Autos namhafter deutscher Autohersteller parken hier ohne weiteres neben Karren aus der Bauzeit 1980 und die Oberschicht vermag es auch ganze Familienausflüge in die nicht ganz günstigen amerikanischen Fastfoodlokale zu unternehmen. Mit meiner Nationalität oder Verdienst gehört man hier eher zur Oberschicht. Mit 10Fr. hat man seine Nahrung beschafft und mit weiteren 10Fr. ein Bett für die Nacht.

Nach diesem kurzen Einschub über Land & Leute und meine Ferientage in Port Elizabeth zieht es mich weiter in Richtung Norden. Ich peile Maseru in Lesotho an.



Kap der Guten Hoffnung - Kap Start
◴ 6. März 2014 - 7. März 2014 (Veröffentlicht: 21.03.2014)
Neu entdecktes Kap Start ;-)
Suedafrika
So sieht also dieser Meeresarm in Wirklichkeit aus. In meiner Vorstellung nur eine kleine Halbinsel, flach und schnell erreichbar, denke ich mir, als ich die Karte Vortags studiert habe. Es geht los, die ersten Steigungen, mein Puls schnellt nach oben. Die Ferientage in Kapstadt lassen Grüssen. Muss oft Pause einlegen und meine Kehle befeuchten. Wo werde ich wohl schlafen? Keine Ahnung wie das in Südafrika mit Campieren ist. Chapmans Peak Drive heisst ein toller Streckenabschnitt. Für Velofahrer gilt das Peak im Namen zu beachten! Dafür werde ich mit einer tollen Abfahrt belohnt. Das Tacho steigt des Öfteren über die 50km/h Grenze hinaus. Mein Gepäck schiebt mich diese in den Felsen geschlagene Küstenstrasse hinunter. Mir gefällts und komme ohne Probleme bis nach Simonstown, dem Stützpunkt der Südafrikanischen Marine. Ich nächtige in einem Backbackers. Das Suchen nach einem Campground habe ich nach dem erleuchten der Strassenlaternen aufgegeben. Diese Nacht schlafe ich unruhig. Bin ich auch. Ich hatte die Nase voll von Kapstadt, wollte Velölen, und die Startnervosität steckt in mir.

Auf zum Kap der Guten Hoffnung!, heisst es am nächsten morgen. Das Gepäck bleibt zurück im Backpackers. Bin schon nach den ersten paar Kilometer froh darüber. Die Strasse windet sich an der steilen Kapküste bergaufwärts und fällt erst wieder am Eingang zum Kapnaturpark in niedrige Steigungen zurück. Das Kap der Guten Hoffnung verfehle ich prompt. Ich lande am Kappoint. Wo war diese Abzweigung nochmals? Nach einer kühlen Cola mit Blick in die südlichen Breiten radle ich zurück und finde die Zweigstelle. Miserabel markiert dieser Abzweiger zum berühmten Kap. Gut, ich war wohl zu schnell daran vorbei gedonnert. Am Kap bekommt jeder seine 20 Sekunden Fotoshooting Zeit. Ich hebe mein Bike in die Höhe, Knips Knips und erkläre diesen Ort für mich als Kap Start. Morgen geht es also los Richtung Osten. Endlich, ich sehne mich nach dem Unterwegs zu sein.



Kapstadt
◴ 28. Februar 2014 - 5. April 2014 (Veröffentlicht: 21.03.2014)
Nachtsicht vom Signal Hill. Noch ist's ruhig um 19:30.
Suedafrika
Ich sitze in Miro’s Schwagers Taxi und komme den Lichter von Kapstadt immer näher. Es war die richtige Entscheidung das Taxi ins Zentrum zu nehmen, anstatt um 22:00 auf der Autobahn zum Hotel zu radeln. War auch gar nicht möglich, mein Bike kam erst am nächsten Tag an und wurde direkt ins Hotel geliefert. Tiptop der Service. Geschlafen habe ich kaum in den Sitzen der Edelweissmaschine. Habe viel geplaudert mit meinem Sitznachbarn Manuel Füllemann, der wie ich, bei der Müller Martini die Lehre absolviert hatte. Ja was für ein Zufall. Er macht hier 10 Tage Urlaub. Wir beide noch nicht müde vom Flug, ging es an die Longstreet. Das Nachtleben von Kapstadt spielt sich hauptsächlich in dieser Strasse ab, so wie ich das nach meinen wenigen Tagen in dieser Stadt beurteilen kann. Es dämmerte schon als ich in meinem Luxuszimmer zu liegen komme. Ich nächtige im selben Hotel wie die Crew und die hat ihren Unterkunftsstandard bei Auslandaufenthalten. Das Frühstückbuffet ist zu meiner vollsten Zufriedenheit und mein Zimmer ist quasi ein Büro und Schlafraum in einem. Könnte gleich wieder zu arbeiten beginnen ;-)

In den folgenden Tagen erkunde ich mit der Crew Kapstadt (teilweise Mättäns mit 6 Stewardessen). Ich folge ihren Plänen und lass mich ein bisschen mittreiben. Alleine bestimmen wo es lang geht kann ich wohl noch oft genug. In der Old Bisquite Mall ist Samstags Markt. Schmuck, Kleider und Essensstände zieren das Gelände. Mich interessieren eher die Letzteren. Ich gönn mir als Nachtisch das erste Bier, das passt hier einfach zur Stimmung. Das erinnert mich an die Samstagmorgenmittagsstunden vom St. Galler Openair. Dabei wurde die Wanderung auf den Lionshead auf den nächsten Tag verschoben. Eine Nacht später und nach 1h Wanderung stehen wir zu Dritt oben. Wolkenlos der Himmel, kann die Stadt gut überblickt werden. Ich verstehe nun endlich wie die Stadt angelegt ist. Wo Nord und Süd ist. Ich hatte da so meine Schwierigkeiten mit der Orientierung und wäre wohl nach Namibia gefahren wenn ich aus dem Kopf navigiert hätte. Okey, man fährt viel Taxi und mit einem Blick zur Sonne schaut man nach Norden und nicht wie bei uns nach Süden. Ich beginne meine ersten Zufusstouren, die mich querfeldein durch das Zentrum von Kapstadt bis zur Waterfront führen. Waterfront die rundum erneuerte Hafenanlage, wo dutzende Restaurants die hungrigen Touristen verköstigen und sich prima ein Nachmittag in der Couch einer Bar verbringen lässt. Für den Sonnenuntergang eignet sich der Signalhill. Hier genüsslich einen lokalen Weisswein zum Sonnenuntergang zu trinken und den Paraglidern bei ihren Kunststücken zu zusehen, ist eine wahre Freude. Und wie die Zeit vergeht. Sarah, Debbi und ich sitzen beim letzten gemeinsamen Nachtessen in CampsBay, dem Nobelviertel der Stadt mit Traumstrand. Die Südafrikaner sind wahre Fleischliebhaber. Ich ziehe mit und gönn mir ein T-Bone Steack, bei dem gleich zwei Personen mitessen könnten. Lekka Lekka war es. Ein Wort das ich noch oft zu hören bekommen sollte und an alle Nomen vorangestellt wird, wenn es sich dann um etwas Gutes bis Hervorragendes handelt. Sarah im Edelweiss Outfit und ich im Velodress, wird noch ein Abschlussfoto geknipst. Mein Fahrrad ist bepackt und ich ziehe in die nächste Lodge um. Diesmal nicht ganz so vornehm, logiere ich in der Trainlodge. Alte Bahnwagons dienen hier als Schlafkajüten. So eng wie eine Kajüte sind sie auch. Mein Velo schläft auf dem oberen Bett, ich im unteren. Im Gang ist kein Platz für mein Arbeitsgerät. Der Plan noch zwei Nächte zu bleiben geht auf. Nach Abflug der Crew besteige ich am nächsten Tag den Tafelberg. Etwas zu spät starte ich die Wanderung auf den Hausgipfel von Kapstadt. Ich bekomme dabei erstmals das heisse Wetter zu spüren, als ich die leichten Kletterstellen unterhalb der Seile der Bergbahn in Angriff nehme. Eine Schlange begrüsst mich kurz vor dem Gipfel. Sie gibt einige Warnzische von sich und verschwindet zwischen den Felsen. Oben angekommen durstet mich und ich geniesse den mitgebrachten Salat. Ich habe Glück, die Tafelbergdunstdecke ist noch nicht in Sichtweite. Sie kommt meist erst im späteren Nachmittag. CampsBay, Signalhill, das Fussballstatdion, Lionshead, alles liegt klar vor mir und ich nehme damit Abschied von Kapstadt. Die letzten Worte Schweizerdeutsch wechsle ich mit Manuel. Wir ziehen nochmals durch die Gassen und ich am nächsten Morgen los, Richtung Kap der Guten Hoffnung.